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Autor Thema: Unbekanntes Mineral von Bahnbaustelle Laufach– Hain im Spessart  (Gelesen 4475 mal)

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Offline bodojoe

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Hallo,

im Sommer letzten Jahres habe ich die Großbaustelle der Bundesbahn bei Hain im Spessart besucht. Dort konnte ich bei Laufach einen interessanten Fund machen, dort wo die neue Bahntrasse an die alte Strecke angebunden werden soll. In diesem Bereich wurde ein Zugangsweg zu einem Gehöft parallel zur Trasse  neu verlegt, da die alte Straße genau auf der neuen Bahntrasse verlief.
In einem nur ca. 1m breiten Bereich fand ich eine Störung im Gneis, die mit grünem und mit violettfarbenen Mineralien ausgekleidet war. Das violette Mineral ist in den Färbungen von rosa-hellviolett bis tief dunkelviolett zu finden und läßt sich mit einer Nadel ritzen. Das grüne Mineral ist härter (ca. 4 – 5 Mohshärte) und bildet teilweise schöne durchscheinende bis klare xx. Hier bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich um Diopsid handelt. Auch das violette Minaral finden sich – wenn auch selten – in Kristallen. Diese haben das gleiche Aussehen wie die grünen, sind jedoch viel weicher. Zunächst lag die Vermutung nahe, das es sich um Rhodochrosit handelt, doch der Säuretest mit heißer, konzentrierter Salzsäure fiel negativ aus. Als weitere Begleitmineralien fand ich Titanit-Kriställchen in der typischen Tracht und rötliche – etwas angegriffene Kristalle, die Zirkon sein könnten. Weiterhin finden sich klare und grüne Aktinolith-Nadeln (siehe Bilder):

Gangstück - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/P1060803.jpg
Ausschnitt - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/P1060804.jpg
Anpoliertes Stück - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/P1060806.jpg
Handstück - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/P1060809.jpg
Handstück mit Kristallen - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/P1060810.jpg
Diopsid (BB ca. 5mm) - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/_Hain_5.jpg
Violettes Mineral (BB ca. 5mm) - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/_Hain_6.jpg
Aktinolith (BB ca. 5mm) - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/Aktinolith_Hain_1.jpg
Titanit (BB ca. 5mm) - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/Titanit_Hain.jpg
Zirkon (BB ca. 5mm) - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/Zirkon_Hain.jpg

 Um Klarheit in die Sache zu bringen, habe ich eine Probe des violetten Minerals einem Bekannten zur Röntgenstrukturanalyse gegeben. Folgende Elemente wurden nachgewiesen:
11 Na2O 0,98%; 12 MgO 2,23%; 13 Al2O3 31,2%; 14 SiO2 51,8%; 19 K2O 8,2%; 20 CaO 3,52%; 26 Fe2O3 0,78%; und in geringen Mengen die Elemente P, S, Cl, Ti, Mn, Zr und Ba.
 
Röntgenfluoreszenzanalyse - http://www.spessart-mineralien.de/Hain/Unbekanntes_Mineral.gif
 Die Peaks entsprechen weitgehend einem Glimmer. Nach der Farbe zu urteilen z.B. Lepidolith. Leider kann man mit dieser Messmethode kein Lithium nachweisen. Die anderen gefundenen Elemente würden passen, doch im Lepidolith enthaltenes Fluor wurde nicht gefunden! Außerdem kann ich bei den Kristallen keine deutliche Spaltbarkeit in einer Richtung erkennen.

Bei den Peaks wurden deutliche Übereinstimmungen auch mit Diopsid gefunden, was meine Vermutung betreffend des grünen Minerals bestätigt (Verunreinigung der Probe).
Wir stehen also weiterhin vor einem Rätsel. Vielleicht hat ja von Euch einer eine Idee, die mich weiterbringt. Auf jeden Fall schon mal herzlichen Dank im Voraus für Eure Ideen
 
Grüße
Jörg

Offline Günter Blaß

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Hallo Jörg,
um das Diagramm beurteilen zu können sind die entsprechenden Daten notwendig. Das schöne Bildchen alleine sagt so gut wie nichts aus.
Vielleicht kannst Du die d-Werte mal zuordnen, dann kann ich versuchen Dir vielleicht zu helfen.

MfG
Günter Blaß

Offline Erik

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Hallo Jörg,

ich habe vor Jahren sehr ähnliches Material in einem alten Lamprophyrbruch bei Dörrmorsbach gefunden. Dabei handelt es sich um einen (sehr merkwürdigen) Pegmatit, der fast nur aus Feldspat besteht und akzessorisch Minerale wie Titanit, Zirkon, Allanit führt. Dieser Feldspat ist bereichsweise auch intensiv rosa bis violett gefärbt. Die Handstücke, die Du zeigst, sehen haargenau so aus. Ich hatte die Färbung damals auf einen höheren Mn-Gehalt geschoben; da im Bereich auch Gänge aus Manganoxiden zu finden waren, die teilweise auch den Pegmatit durchsetzten, hielt ich das für plausibel. Das passt jetzt nicht so ganz mit deinen niedrigen Mn-Werten zusammen, dass das ein Feldspat ist, würde ich aber weiterhin behaupten...

Reste des Pegmatits sollten theoretisch noch anstehen, falls du Vergleichsmaterial brauchst

Gruß, Erik

« Letzte Änderung: 23 Mar 15, 21:15 von Erik »

Offline stoanklopfer

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Feldspäte? Nach dem Diffraktogramm (keine Röntgenfluoreszenzanalyse!) sieht es ganz danach aus.

Offline thüringer

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Hallo Jörg.
Endlich mal ein interessantes Thema hier im Forum.
Erstmal meinen besten Glückwunsch zu diesem Fund. Es gibt nicht viele die sich mit diesen „ schweren“ Gesteinen beschäftigen. Geschweige denn,  darin nach Mineralien suchen.
Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema: Variskisches Gebirge und seine metamorphen Gesteine.
Meine Frage dazu: wie heißt der Gneis ? und kann es sein das ein Amphibolit in der Nähe ist.?
Natürlich bin ich auch an Belegstücken interessiert. Besteht da die Möglichkeit.
Grus Uwe.

Offline Collector

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Hallo Uwe

zu dem "endlich mal interessanten" Thema würden sehr gut die ausgezeichneten Webseiten des Spessart-Gesteine-Kenners  Lorenz passen

*http://www.spessartit.de/
*http://www.spessartit.de/Schwarzkopftunnel.html

Da findest Du alles, was Du  zum Thema "Gesteine des Spessart" wissen möchtest. Vom Biotit-Gneis/Augengneis bis hin zum Amphibolit (entstanden im Karbon).
Lorenz hat i.ü. immer eine sehr gute Auswahl an Gesteinsbelegen zum Abgeben. Und die Beleg sind wirklich sammelfähig in Größen um die 8x14 cm. Und kosten n Appel und n Ei.

Gruß
Peter


Offline bodojoe

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Hallo Ihr Lieben,

zunächst einmal vielen Dank für die schon zahlreichen Antworten.

Uwes Lob ehrt mich, aber ich bin eher zufällig an die Fundstelle gekommen. Ursprünglich wollte ich an der Baustelle nachsehen, ob ich  für meinen kleinen "Gesteinslehrpfad" im Garten ein paar "Gartensteine" finden kann. Dabei bin ich auf besagte Ader gestoßen, die mich dann - schon wegen der ungewöhnlichen Farbe - in den Bann gezogen hat. Der Gneis, der dort ansteht ist ein dunkelroter Quarz-Feldpat Lagengneis. Z.T. finden sich aber auch Partien, die ich als "Augengneis" bezeichnen möchte. Zu welcher Formation er gehört kann ich nicht sagen, aber ich schließe mich hier Peter an - die umfangreichsten Informationen hierzu gibt es auf Joachim Leorenz' Seite.
Belege von dem violetten Mineral habe ich natürlich - ich habe ca. 2 Steigen Material geborgen.
Zu der Vermutung, das es sich um einen Feldspat handelt, möchte ich die geringe Härte des Materials zu bedenken geben, die nicht durch Verwitterung entstanden ist. Auch die massive dunkelvioletten Partien haben nur eine Härte von ca. 3 - lassen sich bequem mit einer Stecknadel ritzen.

Gruß
Jörg

 

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