Hallo Frank
soweit ich weiß, ist Pseudomorphose ein Begriff der Mineralogie.
Sandstein ist ein sedimentäres Gestein, insofern ist die Bezeichnung "Sandsteinpseudomorphose" oder "Sandpseudomorphose" fachlich nicht richtig.
Soweit mir bekannt, gab es Anfang des 20. Jh. den Begriff "Pseudomorphosensandstein" in der Fachliteratur des Bauwesens / Architektur ("Der Name Pseudomorphosensandstein stammt von mangan- und eisenhaltigen Sandpseudomorphosen nach früher vorhandenen Karbonaten". Quelle: Herrmann, O., 1914; Gesteine Für Architektur und Skulptur. Reprint. London: Forgotten Books, 2013. 100-1).
Es gibt Karbonate, Oxide und Sulfate, welche mit Sand verbacken und verkittet als Konkretionen vorkommen. Dazu gehören u.a. die bekannten Sandrosen aus den Ausgangsmineralen Gips, Goethit und Baryt. Aber diese Konkretionen sind keine Pseudomorphosen, da zu einer Pseudomorphose immer zwei Minerale gehören. (Das, was ist, nach dem, was war).
Es ist nicht selten, dass in Wüsten und Steppen Konkretionen aus Mineralen und Sand über lange Zeiträume durch die starke Kraft der Winde, oft auch über lange Strecken und über sich ständig neu bildende Dünen abgerollt werden. (s.a. hier im Lexikon die Abhandlung über "Wandernde Steine"). Je nach anhaltendem Abrieb werden die ehemals kristallinen Gebilde abgeschliffen, bis von der ehemaligen Kristallstufe (bzw. oft von den ehemaligen Sandrosen) nur noch eine Kugelform übrig bleibt.
Die von Dir im Erg Chebby gefundene Konkretion dürfte ehemals Calcit oder Gips gewesen sein, welcher fast vollständig "versandet ist", jedoch noch seine ursprünliche Kristallformen ahnen lässt. Da der Salzsäuretest versagt, tippe ich eher auf Gips.
Zur Veranschaulichung zwei Bilder:
Einmal ein Calcit, welcher sich erst am Anfang der Versandung befindet und dessen Kristalle, trotz Sand, noch scharf und deutlich sichtbar sind. (Fundort: Wahrscheinlich Erg Chigaga near M'hamid, südlich von Merzouga).
Desweiteren eine komplett abgerollte Barytkugel, welche zum großen Teil nur noch aus Sand besteht.
Kugeln dieser Art finden sich am Fuße "stehender Dünen" im Erg Aouker in der mauretanischen Sahara.
Dein Fund vom Erg Chebby dürfte, was das Aussehen angeht, irgendwo zwischen diesen beiden Anfangs- und Endaggregaten liegen.
Besten Gruß
collector