Moin
Zum Thema Mineralien im Studium kann ich auch noch einiges sagen: Zu meinen Studienzeiten gab es noch Mineralogie als eigenständigen Diplomlehrgang. Es war üblich, bei dem Kurs "Einführung in die Kristallographie" passende Mineralien aus der Uni-Sammlung zu zeigen, was bei mir letztlich des Mineraliensammeln ausgelöst hat. Auch einige Kommiliton(in)en habe nebenbei den einen oder anderen Stein eingesammelt, wirkliche Begeisterung habe nur ich entwickelt (was nicht nur für meinen Jahrgang, sondern für etliche Jahrgänge davor gilt, kurz, eine echte Ausnahmeerscheinung). Kurz vor meinem Diplom wurden dann die Lehrgänge Geologie, Kristallographie und Petrologie zu Geowissenschaften zusammengefasst. Im Zuge der Zusammenfassung wurden einige Lehrgänge gestrichen bzw. stark eingedampft, vorzugsweise bei der Kristallographie, so das in den Vorlesungen aus Zeitgründen gar keine Handstücke mehr gezeigt werden können! Wenn man schon in den entsprechenden Studiengängen durch straffe Organisation (was ansich ja nicht schlecht ist) von der eigentlichen Forschungsmaterie abgeschirmt wird, wundert es nicht, das aus diesem Bereich kaum Sammelbegeisterte kommen.
Aber auch in der "guten alten Zeit" waren echte Sammler an der Uni Hannover selten. Falls alle meiner Kommilitonen haben im "Klötzchenkurs" nicht die Eigenschaften der Minerale gelernt, sondern sich die Positionen der Proben in der Kiste gemerkt. Blöd nur, das sich die Professoren in den Prüfungen gerne mal andere Stücke aus der Sammlung genommen haben, da kam so mancher "GPS'ler" ins schleudern...
Dabei kann man nicht behaupten, die Dozenten wären den Sammlern gegenüber nicht aufgeschlossen (Achtung: Doppelte Verneinung), ganz im Gegenteil: Prof. Eberhardt bzw. jetzt Prof. Buhl freuen sich über jeden, der "wahre" Begeisterung für die Materie mit bringt.
Was soll man auch von einer Gesellschaft erwarten, die als Werte vermittelt, das Menschen, die sich allgemein für Naturwissenschaften und/oder Technik interessieren, als "Nerds" bezeichnet werden. Typen, über die sich in billigen US-Serien lustig gemacht wird und die nie eine Frau ins Bett bekommen. Dafür werden als erstrebenswert Finanzjongleure oder Fußballer empor gehoben und zu Preisen gehandelt, bei denen ich innerhalb eines Jahres mindestens DAS Mittel gegen Krebs bzw. die Vereinigung von Quantentheorie und Relativitätstheorie erwarten würde. Und in so einem Umfeld sich tatsächlich noch selber die Finger dreckig zu machen und sich für Dinge zu interessieren, die wohl die soziale Stellung eines jeden Heranwachsenden negativ beeinflusst, gebührt meines höchsten Respekts und Anerkennung und ich kann nur jedem Mut zusprechen, diesen Weg zu gehen. Auch wenn man vielleicht nie so gut bezahlt wird wie Bänker oder Fußballer, so sind die "Nerds" von heute genau die Menschen, die unsere Gesellschaft in der Zukunft nach vorne bringen werden. Schade nur, das dieses Bild, diese Wahrheit, in unserer Gesellschaft nicht auch so vermittelt wird.
Soviel aus meiner Sicht zum Thema: Warum sterben die Sammler aus (sofern sie das wirklich tun).