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Altersstruktur der Sammler

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Anatas:
Vor 27 Jahren wurde ich durch meinen aktuellen und langjährigen Sammelpartner bei den Mineralienfreunden Diessen als
jüngstes Mitglied abgelöst ... heute ist er immer noch der Jüngste und ich der Zweitjüngste ... der "Rest" Sammler in Rente.

Bei den Münchner Micromounter sind einige "Jüngere" dazugekommen - da hatte ich meine Hände ein bisschen im Spiel,
da ich seinerzeit eine Verlegung der Anfangszeit der Vereinsabende nach hinten anstoßen konnte, somit war es auch für
Berufstätige möglich bzw. bequemer zu den Treffen zu kommen - aber auch hier überwiegend Sammler in Rente.

Bei den Pustertaler Mineraliensammler und den Ahrntaler Stoisuicher sieht man viele Jüngere - im Ahrntal/Lappacher Tal
hat das Sammeln Tradition und die Fundstellen liegen vor der Haustüre.
Allerdings sind diese jungen Sammler nicht im Netz unterwegs (in den Seiten-Tälern gibt es noch nicht viel schnelles
Internet wie mir scheint). 

Die vielen Sammelverbote  (was immer mehr Sammler auf weniger Fundstellen ausmacht <=> weniger Fundmöglichkeiten)
haben gewiss auch sehr viel mit dem Nachwuchs-Schwund zu tun.

Die heutige Y-Generation oder auch die Z-Generation, so wie ich Sie kennen lernte - sind überwiegend auf kurzfristigen
Erfolg ohne große Mühen aus ... Hier fährt keiner mehr 350 km (München - Ahrntal) um bei schweren Bergtouren meistens
NICHTS zu finden. Was soll man da auch groß twittern ... 700 km (hin und zurück) für nichts .. das kommt bei den Freunden
nicht gut an (Loser).

Ich weiß, das ist jetzt ein Pauschal-Urteil - denn Ausnahmen gibt es immer ...

 

neuron:
gut, wenns um Ideen geht, dem Thema Mineralien/Sammeln/Strahlen etwas mehr Gewicht zu geben, dann laßt uns mal zusammentragen. Generell würde ich auch einen Schritt vorher ansetzen, Sammeln und ins Gelende gehen wäre dann die Königsdisziplin, es muß erstmal dazu kommen, daß sich der Nachwuchs überhaupt mit Mineralien auseinandersetzt. Ob es dann die Art des Sammelns ist, ob man sich auf Börsen oder im Internet eindeckt, oder direkt ins Gelände geht, ist imho zweitrangig.

- Projekttage im KiGa und Schule nutzen, um das Thema zu platzieren. Lehrer und Erzieher sind recht offen für
Vorschläge und wenn man dann auch noch anbieten kann, das evtl. zu begleiten oder Schaustücke zur Verfügung zu stellen,
umso besser.

- Wenn man mitbekommt, daß der Sproß in der Schule gerade Erdaufbau oder Erdgeschichte dranhat, auf Lehrer
zugehen und anbieten, eine Schulstunde mit Schaustücken zu begleiten. Kommt sehr gut an.

- Ausflüge mit den Kids in Bergbaumuseen oder Naturkundemuseen anbieten

- Es gibt in vielen Städten und Gemeinden Ehrenamtsagenturen, die auch Ehrenamtliche und Helfer
für die Freizeitgestaltung mit Kinder und Jugendlichen suchen. Vorgehen wie bei Projekttagen oben.

- über Volkshochschule können auch Kurse angeboten werden, wer Zeit und Lust hat, kann da einen
Kurs "Naturexkursionen" anbieten

- Ferienspiele nutzen, Vorgehen wie bei Projekttagen und Ehrenamtsagentur.

Möglichkeiten gibt’s viele ...  ;)

Gruß,
Swen

michaelh:
Hallo Zusammen,
sehr interessante Meinungen werden zu dem Thema geschrieben!

Wenn ich mich auf lokalen Mineralienbörsen umsehe, ist der Altersschnitt durchwegs als 50+ anzusehen. Jüngere sind meist Enkelkinder die vom Opa mitgenommen werden. Natürlich gibt es auch noch jüngere Sammler, jedoch bin auch ich der Meinung, dass dieses Hobby früher oder später, mehr oder weniger aussterben wird.
Da vergleiche ich einfach mal z.B.: die Philatelie und Numismatik. Sind beides wunderschöne Sammelgebiete, aber auch hier ergibt sich in der heutigen Zeit ein Sammlerschwund.
Und ganz ehrlich, so ist der Lauf der Zeit - Dinge kommen und gehen.

Grüße

Michael

Frank de Wit:
Danke Gerhard und Michael für eure Eindrücke,
 und danke Swen für deine Ideeën. Die sind gut und interessant.

Ein Freund hat mich immer gesagt: "für jede zwei Tage das du bekannte Fundstellen besuchst, sollst du dazu auch ein Tag nur prospektieren". Ist vielleicht auch so mit internet: für jede zwei Tage das wir in internet für Mineralogie als Hobby "Werbung" machen, sollen wir dazu auch ein Tag in die Schule gehen und dort Mineralien zeigen und engagieren... Ein neues Gleichgewicht suchen.

cmd.powell:
Moin

Ich kann mir durchaus vorstellen, das der Fundortschwund bei mir im Raum Hannover eine gewichtige Rolle beim Thema Sammlernachwuchs spielt. Selbst ich bzw. meine Sammelaktivitäten leiden darunter. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man 15 Minuten, 1 Stunde oder 5 Stunden zum nächsten Fundort benötigt. Direkt um Hannover gibt es nur noch Markasit und Pyrit zu finden, wenn man mal von Geschiebe absieht. Ab einer Stunde Fahrzeit kommt der Harz in Reichweite, ebenso Weser Bergland und Flechtinger Höhenzug. Weser Bergland hat inzwischen leider auch nicht mehr viel zu bieten und im Harz wird es auch immer dünner. Bei zwei Stunden Fahrzeit fange ich selber langsam an, dicke Backen zu machen, da der Spaß dann langsam teuer wird (auch wenn Benzin z.Z. relativ günstig ist, gibt es das Zeug nicht umsonst). Alles oberhalb drei Stunden Fahrzeit ist dann praktisch zwangsläufig mit Übernachtung verbunden und damit für mich außer Reichweite. Das ist meine Situation, da mir ein Auto zur Verfügung steht. Und was macht jetzt bitteschön ein Schüler ? Soll der mit Bus und Bahn in den Harz fahren ? Da ist man ja schon mal einen Tag unterwegs, nur um in den Harz zu kommen. Solange man selber nicht mobil ist, kann man Sammeln im Raum Hannover knicken (außer Fossilien, dafür sieht es gut aus).
Weiter kann ich mir gut vorstellen, das viele, die zwar Interesse haben und auch mobil sind, schlicht nicht dazu kommen zu sammeln - Familie, Job seien da mal als Gründe aufgeführt.
Dann kommt noch hinzu, das man als Nichteinheimischer kaum von Einheimischen an die wirklich guten Fundstellen geführt wird. Paradebeispiel ist da der Winterberg im Harz. Klar, man kann dort sammeln und auch etwas finden, aber man muss regelmäßig dort hingehen (fast wöchentlich) um brauchbare Funde zu machen. Und von den richtig guten Stellen bekommt nur mit, indem man die leergeräumten Löcher findet, wo der Vorgänger noch nicht mal den unansehnlichen Bruch liegenlässt, da man ja sonst u.U. andere Sammler auf die Stelle aufmerksam machen könnte. Eine echte Ellenbogengesellschaft, wo sogar hartgesottene Sammler nur ratlos den Kopf schütteln. Aber sich im nachhinein Wundern, weshalb sich keiner mehr zum Sammeln motivieren lässt. Gut, die "Sammler", die so agieren, sind zugegeben keine echte Sammler, sondern eher Reihbachmacher, die ihre Funde verhökern wollen und dies auch tun. Nur das entschuldigt keineswegs deren Vorgehensweise. Auf genau diese Weise verhageln sie es gerade in den sammeltechnisch eher armen Gebieten dem Nachwuchs.

Leider habe ich bisher auch noch keine Fundstelle kennengelernt, wo die Funde im Laufe der Jahre besser geworden sind. Bestenfalls ist das Niveau gleichbleibend, doch der allgemeine Trend ist: Die Funde werden schlechter. Auch damit muss man als Anfänger klar kommen, immerhin funktioniert das Sammeln oft so, das man bescheiden anfängt und sich dann verbessert. Das klappt naturgemäß auch nur dann, wenn man auch an bessere Funde kommt.
Kombiniert man jetzt einmal die Tatsache "Mobilität muss gegeben sein" mit "zunehmender 'Raubgräberei'" und "stetig schlechter werdender Fundsituation" so ergibt sich zwangsläufig, das die Motivation zu sammeln schon extrem hoch sein muss, um überhaupt damit anzufangen. Und wenn man sich dazu aufgerafft hat, muss man sich damit abfinden, immer nur bestenfalls die zweite Geige zu spielen und von alten Zeiten zu träumen, die man auch nur aus Erzählungen kennt. Sammeln ist teuer, anstrengend und wenig ergiebig, so ist die Situation bei uns im Raum Hannover. Soviel zum Thema "Schwarzsehen" und "Seufzen"!

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