Melde mich noch einmal zu Wort, da inzwischen hier viele Beiträge zur allgemeinen Situation des Sammelns vorhanden sind und mein erster Kommentar eigentlich nur auf die Umfrage selbst gezielt hat.
Als ich vor rund 35 Jahren intensiver zum Sammeln begonnen habe, war im meinen damaligen Verein in NÖ eine Jugendgruppe. Wir waren mehrere Jugendliche, 2 x im Monat Vereinstreffen, einmal davon immer ein Vortrag, das 2. Treffen Wissensaustausch, Plaudern, Funde herzeigen,.... Vor diesem Termin hat es jedes Mal das Jugendtreffen gegeben. Ein Lehrer hat das ganz toll betreut. Wir haben unsere Funde dort bestimmen können, einzelne Exkursionen, meistens zu Fossilfundstellen im Großraum Wien gemacht und haben viel Hintergrund Wissen vermittelt bekommen. Irgendwann war ich dann der einzige, der von dieser Gruppe über geblieben ist. Die Jugendgruppe wurden dann eingestellt. Inzwischen bin ich (fast) 47, und bei Besuchen von Vereinen im Rahmen von Vorträgen im Normalfall der jüngste. Bei einem 2. Verein in Wien hat es viele Jahre später ebenfalls eine Jugendgruppe gegeben. Die war einige Jahre recht erfolgreich. Dann hat sich die Leiterin dieser Jugendgruppe vom Verein getrennt und die Jugendgruppe war Geschichte.
Inzwischen fehlen schon fast 2. Generationen von Nachwuchssammlern.
Bei den Mineralienvereinen sind zwar meistens mehr oder weniger viele Mitglieder, aber nur sehr wenige aktive Sammler, das war aber auch schon früher so, inzwischen ist es halt z.T. ganz extrem geworden. Die meisten Mitglieder sind an Mineralien/Fossilien Interessierte, die regelmäßig Börsen besuchen um das eine oder andere Stück zu kaufen, aber nicht viel oder gar nicht selbst sammeln. Inzwischen ist bei manchen Vereinen die Altersstruktur so, das viele auch körperlich gar nicht mehr selbst sammeln könnten.
Im Großraum Wien (bis zu 50 km) hat es 6 Vereine gegeben. Im Nahbereich Wien 4, davon 2 in Wien. Einer davon wurde schon vor einigen Jahren aufgelöst. Aktuell gibt es nun 5 Vereine.
Weiteres Problem ist, das zumindest in Österreich die Erdwissenschaften in der Schule eigentlich nicht mehr vorkommen. Zu meiner Schulzeit hat es zumindest noch einige Stunden Mineralogie Unterricht gegeben. Den Unterricht habe ich damals mit meinen Sammlungsstücken hinterlegt, die ich in die Schule mitgenommen habe, da keine geeigneten Vorzeigematerialien vorhanden waren.
Bei den Fossilien schaut es etwas besser aus. Durch den Dinosaurier Hype werden doch sehr viele, sehr junge Kinder mit dieser Materie infiziert. Ob da der eine oder andere vielleicht als Sammler zukünftig hängen bleibt, kann man nur hoffen, auch wenn Dinos bei uns so gut wie nicht vorkommen.
Das von einigen erwähnte Problem mit fehlenden Fundstellen kann ich leider nur bestätigen. Im Nahbereich von Wien gibt es überhaupt keine Fundstelle für Mineralien mehr, wo etwas gefunden werden kann. Sehr viele Steinbrücke, Lehmgruben,.. sind eingestellt, werden inzwischen anders wertig verwendet. Neue Aufschlüsse kommen nicht mehr nach, da alles dicht verbaut ist oder wird und natürlich niemand einen neuen Steinbruch als Nachbar haben will.
Das Problem mit den nicht genauen Fundortdaten hat es schon immer gegeben. Da gibt es einfach eine Reihe von Sammlern, die keinerlei Info rausgeben, selbst wenn man persönlich nachfragt. Wenn gar nichts bekanntgegeben wird, ist mir das noch lieber, als völlig falsche Fundortangaben. Diese Personen merkt man sich dann relativ schnell.
Der Wunsch mancher, das Fundstellen mit Metergenauen GPS Daten im Internet zum Finden sind, damit man dann schnell hinfahren und auf direktem Weg an der Hauptfundstelle, auch meistens nicht erfüllt werden kann, ist wohl auch klar.
Das schnell hinlaufen, möglichst weit vorher noch mit dem Auto zufahren, dann am Fundpunkt möglich schnell und viel aufsammeln und dann vielleicht gleich zum nächsten Punkt fahren, sollte nicht Ziel sein.
Mineralien und Fossiliensammeln ist eine Beschäftigung in der Natur und zumindest bei uns auch eine Beschäftigung mit der Natur. Natürlich nutzen wir Zufahrtswege, soweit möglich. Aber es gibt viele Fundstellen, wo wir die meiste Zeit zu Fuß wandern (obwohl wir nicht alpine Klüfte besammeln !), und das rundherum (Blumen und Tiere) dabei beobachten. Selbst ohne Funde sind solche Tagestouren dann sehr interessant und wissenswert.