Ergänzend kann ich einige hoffentlich hilfreiche praktische Hinweise zur Ätzkalipräparation zum Besten geben. Erfahrungen habe ich mit Seeigeln aus Valangium-Mergeln in Südfrankreich und mit diversen Fossilien aus mitteldevonischen Mergelkalken.
Nachdem ich mehrere Flecken auf meiner Schreibtischplatte habe, ätze ich nur noch in einer großen Plastikschüssel ( Entwicklerschalen für Fotolabors sind hervorragend) das Fossil liegt dann noch einmal in einer Glasschale. Alle notwendigen Untensilien sind ebenfalls in der Plastikschüssel, Kleckern bleibt so folgenlos und die Ehefrau ruhig. Man sollte unbedingt eine Brille tragen, im Auge ist das Ätzkali ziemlich übel. Eben echt ätzend. Bei zarten Fossilstrukturen nutze ich eine Lupenbrille. Beim Abspülen und -bürsten trage ich Gummihandschuhe. Wenn Kalilösung auf die Hände kommt und man sofort abspült, passiert außer einem seifigen Gefühl nicht viel, aber gesund für die Haut ist es sicher nicht. Kleidungsstücke sind mit dem Zeug sofort ruiniert, Schürze oder alte Klamotten tragen. Flüssige Kalilauge funktioniert kaum, es muss immer noch ungelöstes Ätzkali oder in fester oder Breiform vorhanden sein.
Ich bedecke die zu präparierenden Stellen (Pinzette) mit den Ätzkalischüppchen und feuchte sie immer wieder an, entweder mit einer Pipette oder bei größeren Stücken mit einer Sprühflasche (vom Fensterreiniger). Man sollte eher mehrfach wenig Wasser auftragen als zuviel, sonst läuft nur die Kaliliauge nutzlos an der Seite herunter. So lassen sich auch kleine Stellen gezielt ätzen. Wenn man das Fossil vorher benäßt, haften die Schüppchen auch auf schrägen Flächen. Je nach Form fixiere ich das Fossil mit einem Laborstativ in der gewünschten Lage, manchmal hilft auch Unterlegen eines kleinen Keils (z. B. Radiergummi), Lagern in einem Kunststofftrichter mit abgesägtem Unterteil ist eine weitere Möglichkeit. Wenn ich in mehreren Gängen ätze (z. B. jeden Abend nach der Arbeit), lagere ich die Fossilien zwischendurch in Wasser. Wenn man sie trocknen läßt, blüht das Präpariermittel aus und kann das Fossil beschädigen.
Für unabdingbar halte ich, zunächst für jeden Fundort und jede Fossilart Vorversuche mit weniger kostbaren Stücken zu machen. Sonst kann es passieren, dass sich das Prachtstück auflöst und man sich selbst dann ziemlich angeätzt fühlt. Inzwischen beobachte ich an zunächst einem Schrottexemplar jeweils, wie lange es bis zur beginnenden Zerstörung dauert, dann habe ich eine ungefähre zeitliche Obergrenze. Man sollte dafür den Fortschritt der Ätzung regelmäßig kontrollieren. Die beginnende Zerstörung des Fossils lässt sich gut daran erkennen, dass es weich wird. Um das festzustellen, ist eine Zahnarztsonde oder Präpariernadel hilfreich. Man spürt damit sofort, wenn das Material weicher wird. Damit lässt sich auch der Fortschritt beim Auflösen des zu entfernendes Gesteins gut feststellen.
Im Ernstfall hilft dann die Küchenstoppuhr als Gedächnisstütze, herbe Verluste zu vermeiden
Bei den Seeigeln löste sich der Mergel sehr rasch (max. 2 h) und ließ sich anschließend durch Bürsten gut entfernen. Bei vielen Mitteldevonfossilien war wiederholtes Behandeln notwendig. immer unter gelegentlicher Kontrolle und Entfernen des gelösten Gesteins (Abspülen und Bürsten).
Die Fossilarten sind gegenüber dem Präparationsmittel unterschiedlich empfindlich, auch wenn sie aus der gleichen Fundschicht stammen. Bei mir wurden (aus der gleichen Fundschicht) Bryozoen sehr rasch (ca. 2h) angegriffen, Brachiopodenschalen werden nach etwa der doppelten Zeit zerstört, Korallen sind deutlich robuster, da habe ich das Präpariermittel auch schon mal über Nacht draufgelassen. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn das Fossil bereits Beschädigungen aufweist, z. B. Risse in einer Brachiopodenschale.
Anfangs habe ich zuwenig gewässert und hatte Probleme mit Ausblühungen bzw. mir Fossilien zerstört. Jetzt hänge ich die Fossilien nach dem Ätzen in Kunsstoffnetzen z. B. vom Kartoffel- oder Tomatenkauf ca. 2 - 4 Wochen in den Spülkasten der Toilette. Bei dafür zu großen Brocken hilft nur häufiger Wasserwechsel oder längers Spülen (Duschschlauch in Schüssel legen und Wasser wenig aufdrehen). Lieber zuviel als zuwenig wässern. Anschließend lege ich die Stücke für ca. 1- 2 Stunden in Haushaltsessig und wässere dann noch einmal mehre Tage. Auch die Neutralisaton mit Essig sollte man beobachten, wenn die Bläschenbildung heftig wird sollte man beenden. Wenn beim Trocknen weiße Ausblühungen auftreten, sofort wieder wässern und Essigbehandlung wiederholen.
Ich hoffe, der ein oder ander erspart sich diurch die Tipps Enttäuschungen. Das Schöne an der Methode ist, dass auch zarteste Strukturen erhalten bleiben, die ich früher mit mechanischer Präparation zerdeppert habe. Ich wünsche viel Spaß und Erfolg!!!!!