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Autor Thema: Ätzkalipräparation  (Gelesen 37462 mal)

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amaltheus

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Ätzkalipräparation
« am: 18 Mar 05, 08:45 »
Im Kurzdurchgang ...

Äzkali (Kaliumhydroxid) ist ein Lauge die es in fester Form (weiße Plättchen) gibt.
Diese legt man auf den Ton oder den Mergel der "weggeätzt" werden soll.
Nach wenigen Stunden hat sich dann das weiße Atzkaliplättchen aufgelöst und
das "Gestein" darunter ist weich geworden wie Brei so dass man es abwaschen kann.
Das Problem ist, dass die Lauge in den Stein reinkricht und diese wieder
raus muß d.h. neutralisiert werden muß. Ansonsten bröselt das Fossil und
verdreckt die Sammlung und irgendwann kann es sogar auseinanderfallen wenn
die Lauge tief genug eingedrungen war.
Bevor Du mit der Ätzkalipräparation anfängst, solltest Du Dich also genauestens
informieren wie der Ablauf genau ist. Wichtig ist vorallem die Neutralisation
nach Abschluß der Präparation.
Ich selber habe die Präparation mit Ätzkali schon vor einigen Jahren wieder
eingestellt da es ein richtige "Sauerei" war damit umzugehen.  :-\
Ich bevorzuge wieder die mechanische Präparation (incl. Strahlen).

Weil die Lauge sehr aggresiv ist muß man sehr vorsichtig damit umgehen !!
Wenn das Zeugs in kleine Wunden reinkommt ... das tut nicht besonders gut.

- Thomas -

Unter: http://www.ap-h.de/72%20Chemisch.htm
findest Du auch noch Tipps zur Präparation mit Säuren u. Laugen.


Zitat
... Für die Feinpräparation kannst Du ein Sandstrahlgerät benutzen (sofern vorhanden)  ansonsten das gute alte Ätzkali.
Wie funktioniert das mit dem Ätzkali denn?
« Letzte Änderung: 01 Aug 05, 13:18 von amaltheus »

Offline Joachim

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #1 am: 18 Mar 05, 16:09 »
Hallo Sammlergemeinde

Auf besonderen Wunsch habe ich den Beitrag mal vom Ursprünglichen Thema getrennt!

Es wäre ja schade wenn diese klasse Erklärung zur Präparation von Thomas in einem Thread übersehen wird! ;)

Gruss Joachim

Offline Saccharomyces

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #2 am: 18 Mar 05, 17:35 »
Dank dir Joachim  ;D

Hab dein SKript auch schon bekommen, Thomas vielen Dank.

Und gleich meine erste Frage an alle. Eignet sich KOH zum präparieren von Ceratiten oder als Präparationshilfe?

Björn

Offline Profipräp

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #3 am: 21 Mar 05, 07:36 »
Hallo ihr alle,
konnte ne Weile nicht antworten, da ich mit grippe das Bett hüten musste. Hier also meine Kommentare zur Ätzkalipräparation:
1. Ätzkali ist definitiv eine Lauge = Base (Säure ist das Gegenteil von Lauge).
2. es ist nicht die Lauge, die die Probleme macht, sondern die dabei entstehenden Salze, die nach ungenügender Wässerung nach der Trocknung auskristallisieren und weiße Beläge verursachen oder zur Sprengung des fossils führen können.
3. Um diese unliebsamen Effekte zu minimieren hier ein paar Tricks: die aufgelegten Ätzkaliplätzchen etwas anfeuchten und dann das ganze mit Zellstoff einwickeln. Das verhindert ein zu tiefes Eindringen der Lauge und der Salze. Anschließendes Neutralisieren mit Essigsäure ist auch hilfreich und notwendig für die Entsorgung (Kontrolle mit Universalindikatorpapier bis neutral).Wässern mindestens 4x so lange, wie die einwirkungszeit er Lauge war. Beim Trocknen nach dem Wässern Fossil wieder in Zellstoff einwickeln, so dass Restsalze im Zellstoff landen und nicht auf der Fossiloberfläche verbleiben.
4.Grundsätzlich mache ich selbst nur selten was mit Ätzkali und wenn, präpariere ich so weit wie möglich mechanisch und mit Strahlgerät und nur das, was anders nicht geht wird mit Ätzkali gemacht.
Gruss
Profipräp

Offline Fossilea

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Chemische Präparation
« Antwort #4 am: 08 Apr 05, 12:54 »
Hallo miteinander,

ich habe den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, Ätzkali für die chemische Präparation zu bekommen. Kennt jemand Bezugsquellen ?

Schöne Grüße
Jakob

Offline Saccharomyces

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Re: Chemische Präparation
« Antwort #5 am: 08 Apr 05, 13:51 »
Hallo Jakob

Willkommen im Forum. Eigentlich ist es ganz leicht  an Ätzkali heranzukommen. Kommt nur darauf an wieviel Geld du dafür ausgeben willst. Ich hab vor ca. einem Monat Ätzkali online bestellt und zwar bei dem Online Shop von Herrn Schwitalla. Dort findet man auch noch mehr Präparations und Exkursionsausrüstung

http://www.fsb-shop.com/

Da kostet das Kilogramm KOH 9,90€. Denke mal das ist wirklich nicht zu teuer. Ich weiß ja nicht wieviel du brauchst und in welchen Maßstäben du arbeitest  ;D

Gruß Björn

amaltheus

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Ätzkali / Kaliumhydroxid
« Antwort #6 am: 08 Apr 05, 14:50 »
Also ich hab noch 2 Säcke (insges. 50kg) übrig.
Es handelt sich um gebrochene Blättchen die ca. 1mm dick sind.

Ich arbeite mittlerweile nicht mehr damit weil es eine große
Sauerei ist / war.

Nur, per Post oder Spedition kann ich das Zeugs nicht verschicken.
Ist höchstwahrscheinlich Gefahrengut.  :'(

Wenn also jemand Interesse hat ... dann bei mir melden !
Abgabe nur Sackweise ... und nur gegen Abholung !


Den Preis müßte man dann noch verhandeln.

- Thomas -

Hallo miteinander,

ich habe den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, Ätzkali für die chemische Präparation zu bekommen. Kennt jemand Bezugsquellen ?

Schöne Grüße
Jakob

Offline Fossilea

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #7 am: 12 Apr 05, 08:55 »
Hallo Thomas, gerne komme ich auf Dein Angebot zurück, sofern ich nicht durch die ganze Republik reisen muss. Wie kann ich Dich erreichen ?

Gruß
Jakob

Offline sigillaria

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #8 am: 15 Apr 05, 10:58 »
Ergänzend kann ich einige hoffentlich hilfreiche praktische Hinweise zur Ätzkalipräparation zum Besten geben. Erfahrungen habe ich mit Seeigeln aus Valangium-Mergeln in Südfrankreich und mit  diversen Fossilien aus mitteldevonischen Mergelkalken.

Nachdem ich mehrere Flecken auf meiner Schreibtischplatte habe, ätze ich nur noch in einer großen Plastikschüssel ( Entwicklerschalen für Fotolabors sind hervorragend) das Fossil liegt dann noch einmal in einer Glasschale. Alle notwendigen Untensilien sind ebenfalls in der Plastikschüssel, Kleckern bleibt so folgenlos und die Ehefrau ruhig. Man sollte unbedingt eine Brille tragen, im Auge ist das Ätzkali ziemlich übel. Eben echt ätzend. Bei zarten Fossilstrukturen nutze ich eine Lupenbrille. Beim Abspülen und -bürsten trage ich Gummihandschuhe. Wenn Kalilösung auf die Hände kommt und man sofort abspült, passiert außer einem seifigen Gefühl nicht viel, aber gesund für die Haut ist es sicher nicht. Kleidungsstücke sind mit dem Zeug sofort ruiniert, Schürze oder alte Klamotten tragen. Flüssige Kalilauge funktioniert kaum, es muss immer noch ungelöstes Ätzkali oder in fester oder Breiform vorhanden sein.

Ich bedecke die zu präparierenden Stellen (Pinzette) mit den Ätzkalischüppchen und  feuchte sie immer wieder an, entweder mit einer Pipette oder bei größeren Stücken mit einer Sprühflasche (vom Fensterreiniger). Man sollte eher mehrfach wenig Wasser auftragen als zuviel, sonst läuft nur die Kaliliauge nutzlos an der Seite herunter. So lassen sich auch kleine Stellen gezielt ätzen. Wenn man das Fossil vorher benäßt, haften die Schüppchen auch auf schrägen Flächen. Je nach Form fixiere ich das Fossil mit einem Laborstativ in der gewünschten Lage, manchmal hilft auch Unterlegen eines kleinen Keils (z. B. Radiergummi),  Lagern in einem Kunststofftrichter mit abgesägtem Unterteil ist eine weitere Möglichkeit.  Wenn ich in mehreren Gängen ätze (z. B. jeden Abend nach der Arbeit), lagere ich die Fossilien zwischendurch in Wasser. Wenn man sie trocknen läßt, blüht das Präpariermittel aus und kann das Fossil beschädigen.

Für unabdingbar halte ich, zunächst für jeden Fundort und jede Fossilart Vorversuche mit weniger kostbaren Stücken zu machen. Sonst kann es passieren, dass sich das Prachtstück auflöst und man sich selbst dann ziemlich angeätzt fühlt. Inzwischen beobachte ich an zunächst einem Schrottexemplar jeweils, wie lange es bis zur beginnenden Zerstörung dauert, dann habe ich eine ungefähre zeitliche Obergrenze. Man sollte dafür den Fortschritt der Ätzung regelmäßig kontrollieren. Die beginnende Zerstörung des Fossils lässt sich gut daran erkennen, dass es weich wird. Um das festzustellen, ist eine Zahnarztsonde oder Präpariernadel hilfreich. Man spürt damit sofort, wenn das Material weicher wird. Damit lässt sich auch der Fortschritt beim Auflösen des zu entfernendes Gesteins gut feststellen.
Im Ernstfall hilft dann die Küchenstoppuhr als Gedächnisstütze, herbe Verluste zu vermeiden

Bei den Seeigeln löste sich der Mergel sehr rasch (max. 2 h) und ließ sich anschließend durch Bürsten gut entfernen. Bei vielen Mitteldevonfossilien war wiederholtes Behandeln notwendig. immer unter gelegentlicher Kontrolle und Entfernen des gelösten Gesteins (Abspülen und Bürsten).

Die Fossilarten sind gegenüber dem Präparationsmittel unterschiedlich empfindlich, auch wenn sie aus der gleichen Fundschicht stammen. Bei mir wurden (aus der gleichen Fundschicht) Bryozoen sehr rasch (ca. 2h) angegriffen,  Brachiopodenschalen werden nach etwa der doppelten Zeit zerstört, Korallen sind deutlich robuster, da habe ich das Präpariermittel auch schon mal über Nacht draufgelassen. Besonders vorsichtig sollte man sein, wenn das Fossil bereits Beschädigungen aufweist, z. B. Risse in einer Brachiopodenschale.

Anfangs habe ich zuwenig gewässert und hatte Probleme mit Ausblühungen bzw. mir Fossilien zerstört. Jetzt hänge ich die Fossilien nach dem Ätzen in Kunsstoffnetzen z. B. vom Kartoffel- oder Tomatenkauf ca. 2 - 4 Wochen in den Spülkasten der Toilette. Bei dafür zu großen Brocken hilft nur häufiger Wasserwechsel oder längers Spülen (Duschschlauch in Schüssel legen und Wasser wenig aufdrehen). Lieber zuviel als zuwenig wässern. Anschließend lege ich die Stücke für ca. 1- 2 Stunden in Haushaltsessig und wässere dann noch einmal mehre Tage. Auch die Neutralisaton mit Essig sollte man beobachten, wenn die Bläschenbildung heftig wird sollte man beenden. Wenn beim Trocknen weiße Ausblühungen auftreten, sofort wieder wässern und Essigbehandlung wiederholen.

Ich hoffe, der ein oder ander erspart sich diurch die Tipps Enttäuschungen. Das Schöne an der Methode ist, dass auch zarteste Strukturen erhalten bleiben, die ich früher mit mechanischer Präparation zerdeppert habe. Ich wünsche viel Spaß und Erfolg!!!!!

Gast

  • Gast
Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #9 am: 31 Jul 05, 20:29 »
Hallo,

interessiere mich für die Ätzkalipräparation und wollte nachfragen ob es möglich ist, dass Sie mir die PDf-Datei zusenden?

Vielen Dank.

Offline Fossilea

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #10 am: 04 Aug 05, 12:14 »
Ich habe einen Sack KOH sehr günstig erstanden, aber 25 KG sind sogar mir zuviel. Wenn jemand davon was haben will, kann er sich bei mir melden.

Hals- und Steinbruch
Jakob 

Offline Hybodus

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #11 am: 15 Aug 05, 18:27 »
Hallo zusammen;
ich hätte gerne gewußt, ob sich KOH auch eignet, um Knochen aus dem oberen Muschelkalk freizulegen ? Mit Meißeln komme ich absolut nicht weiter, ohne etwas zu beschädigen. Und einen Stichel oder Sandstrahler besitze ich nicht.

Gruß
Hybodus

Offline Soenke

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  • Schwerpunkt: Fossilien des Unteren Jura
    • Der Steinkern
Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #12 am: 27 Sep 05, 18:04 »
Ich habe mit Ätzkali bislang recht gute Erfahrungen gemacht (habe aber auch noch nicht sooooviel geätzt).
Im Anhang seht ihr mein jüngstes Ätzergebnis. Ein bisschen geschabt habe ich das Gröbste natürlich auch, den Rest habe ich der Lauge überlassen.

Die größere Parkinsonia misst 8,5 cm.

Gruß
Sönke

P.S.: Bei Steinkern gibt es neuerdings einen super Bericht zur Ätzkali-Präparation von Joachim Strick (sigillaria), hier der direkte Link:
http://www.steinkern.de/index.php?option=com_content&task=view&id=176&Itemid=34 !!!
« Letzte Änderung: 27 Sep 05, 20:53 von Soenke »

Offline grauwacke

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #13 am: 25 Oct 05, 10:10 »
Liebe Fossiliensammler!
Ich bin kein Präparator, aber Chemiker. Daher die Frage: Ätznatron und Ätzkali sind sich in ihren Eigenschaften so ähnlich, daß in vielen Bereichen das billigere Ätznatron das teurere Ätzkali verdrängt hat. Welchen Grund gibt es, bei der Fossilienpräparation immer noch - wie hier diskutiert wird - Ätzkali zu nehmen? Ätznatron gibt es auch in Schuppen = Plättchen.

Gruß

Grauwacke

Offline Axinit

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Re: Ätzkalipräparation
« Antwort #14 am: 25 Oct 05, 12:14 »
Liebe(r) Grauwacke,

diese Frage habe ich mir auch oefter gestellt (zufaelligerweise bin ich auch Chemiker) und keine wirklich befriedigende Antwort finden koennen. Einige (keineswegs systematische) Versuche, an Stelle von KOH (Aetzkali), billigeres Aetznatron (NaOH) zu verwenden, waren nicht von grossem Erfolg gekroent. Der Materialabtrag bei Verwendung von NaOH war eher gering bis nicht wahrnehmbar.

Gruesse

Axinit

 

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