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Autor Thema: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien  (Gelesen 55517 mal)

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Offline Krizu

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #45 am: 18 Sep 05, 17:39 »
Auch wenn ich nicht alle Beiträge gelesen habe, werden meiner Meinung nach ein paar Aspekte zum Thema nicht berücksichtigt.
Beim Uranzerfall entsteht Radon, ein strahlendes Edelgas. Eine reine Abschirmung mit Blei oder Barium mindert zwar die Gammastrahlung, aber wenn das Ganze nicht gasdicht ist, hindert es das Radon nicht daran in den Raum zu diffundieren.

Dazu kommt, Radon ist ein Alpha-Strahler. Die Alpha-Strahlung ist um ein Vielfaches biologisch wirksamer als Gamma-Strahlung (man wichtet sie um den Faktor 20 (!) gegenüber der Gamma-Strahlung, d.h. 1 mGy entspricht bei Alpha-Strahlung nicht wie bei Gamma-Strahlung 1 mSv, sondern 20 mSv). Sie hat in Luft eine Reichweite von nur wenigen Millimetern und in dichteren Material noch geringer. Bereits ein Blatt Papier schirmt Alpha-Strahlung ab. Aus diesen Gründen ist meines Wissens nach (??) Alpha-Strahlung nicht mit einem gewöhnlichem Geigerzähler meßbar. Wenn Radon nicht gasförmig wäre, wäre das alles kein Problem.

Hallo,
der Faktor ist für Alpha "nur" der Faktor 10. 20 sind Rückstoßkerne.

Das Radon tritt gasförmig auf. Aber wieviel Radon kommt aus der Stufe innerhalb der Zerfallstzeit raus? Das System Kalium-Argon ist ein Langzeit-Chronometer. Das muss auch ein Edelgas aus dem Kristall herausdiffundieren - und schafft es meist nicht.

Zitat
Eine gasdichte Abschirmung und eine möglichst gute Belüftung der entsprechenden Räume wäre meiner Ansicht nach darum bei Uranhaltigen Mineralien viel wichtiger als irgendwelche Blei- oder Bariumkontainer.

In meinen Augen ist eine mit Tesafilm verklebte Dose sehr gut luftdicht.

MfG

Frank

Offline Krizu

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #46 am: 19 Sep 05, 10:05 »
Hallo,

http://www.webmineral.com/data/Uraninite.shtml

1g Uranit liefert in etwa 20µs/h.
Das Problem ist vermutlich eher die Eigenabsorption, Geometrie und Effizienz des Zählrohrs usw.

MfG

Frank

Offline Schluchti

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #47 am: 22 Sep 05, 11:48 »
Hier mal ein kleiner Versuch:

Es handelt sich um eine kleine Stufe, die auf einer Fläche von 4 x 3 cm etwa 1 mm stark mit Pechblende besetzt ist.

Die Stufe ist gedost und versiegelt.

Der Meßabstand beträgt rund 1,5 cm, weil ich die Dose nicht wieder aufmachen wollte. Daher die "geringen" Werte. 

Einmal die Messung ohne sonstige Abschirmung: Ergebnis rund 2 mR/h = 20 µSv/h

Einmal mit Bleiabschrimung von 1mm Stärke: Ergebnis rund 0,5 mR/h =5 Sv/h

Also reduziert das Blei die meßbare Strahlung (vor allem Beta und Gamma) um rund drei Viertel.

Offline Krizu

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #48 am: 22 Sep 05, 11:53 »
Hallo Thomas,

vielleicht kannst Du mit einen Gefallen tun:
Nimm mal über den Abstand die Strahlung auf.
1.5 2 2.5 3 4 5 7 10 15 cm ohne Blei  ;)

Es zählt Mitte Zählrohr!

MfG

Frank

Offline Schluchti

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #49 am: 22 Sep 05, 11:56 »
mmmh, das geht leider net mehr, weil die Stufe nicht mehr bei mir ist.

Aus 15-20 cm habe ich aber in Erinnerung, konnte man kaum eine erhöhte Aktivität mehr messen.

Aber ich werde diese Meßreihe mal mit dem mir verbleibenden kleineren Stück durchführen.
« Letzte Änderung: 23 Sep 05, 13:59 von Schluchti »

Offline wolfilain

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #50 am: 24 Sep 05, 10:14 »
Hallo

Vor einiger zeit habe ich bereits mal ne meßreihe unter laborbedinungen gemacht.
Gegenstand der messung war ein gamma Strahler unter verschiedenen entfernungen gemessen.
Neben der abschwächung wirkt die entfernung von der strahlungsquelle eben auch sehr stark, weil die gamma quanten sehr starke streuung haben.
Die stärke in 50 cm entfernung liegt bei 100 s sozusagen auf der natürlichen umgebungsstrahlung.
« Letzte Änderung: 24 Sep 05, 10:22 von wolfilain »

Don.Bilbo

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #51 am: 24 Sep 05, 18:52 »
,nun will ich aber auch noch etwas zum Thema sagen  ;)
im kleinen Dorf Wittichen im Schwarzwald kommt es im "oberen Dörfle"  (1km nördlich des Klosters)
zu starker radioaktiver Strahlung.
Laut Franz Kirchheimer (Berichte über das vorkommen von Uran im Schwarzwald 1;2 und 3)
werden im "Dörfle" Werte von über 300 imp/sec  erreicht.
Das erstaunliche daran finde ich das ausgerechnet an der Stelle wo die Strahlung mit am größten ist ein Haus steht in welchem alle Bewohner über 90 Jahre alt geworden sind. Erst vor ca einem halben Jahr starb eine Frau im Alter von 94 Jahren.
Noch erstaunlicher finde ich das 500m östlich von diesem Haus, also direkt bei der Schmiedestollenhalde vor langer Zeit ebenfalls ein Haus stand, (Zangerhaus)
der Bewohner dort allerdings mit 40 Jahren an Krebs erkrankte und starb.
Laut Franz Kirchheimer erreicht die Strahlng auf der Schmiedestollenhalde deutlich über 500 imp/sec.

Merkwürdig ...nicht...?
mit freundlichem Gruß aus Wittichen
Julian Gruber



Offline betadecay2000

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #52 am: 21 Oct 05, 20:45 »
Zitat
Merkwürdig ...nicht...?

Hört sich erst mal merkwürdig an, aber aufgrund der genannten einzelnen Fälle Rückschlüsse auf die Ursache des Krebses bei dem 40 jährigen Einwohner zu ziehen und damit gleich die "Schuld" bei der Strahlung aus dem U-Lagerstätten zu suchen oder anders herum die Bewohner, die über 90 Jahre alt geworden sind als Widerlegung der möglichen Risiken der Strahlung heranzuziehen, halte ich für etwas dürftig.
U.U. könnte ich sogar so dem Zigarettenrauchen einen Unbedenklichkeitsstempel aufdrücken, da meine Oma 87 Jahre alt wurde bei recht guter Gesundheit bis zuletzt doch recht fit war trotz der täglichen Schachtel "Sargnägel".

Allenfalls groß erfasste Untersuchungen in diesen Regionen und ein groß angelegter Vergleich mit Regionen, die nicht so belastet sind, würde hier Aufschluß bringen, wie die Strahlung die Gesundheit der Menschen beeinflußt. Hier gilt im übrigen nicht die direkte Strahlung aus dem Grund, sondern das Edelgas Radon für das größte Problem.

Wer sich weitergehend damit beschäftigen will, findet hier weitere Infos:

http://www.bfs.de/ion/radon

http://www.stmugv.bayern.de/de/strahl/radon/auswirkungen.htm

Anmerkung: Interessantes habe ich in ein amerikanischem Handbuch über anorganische Chemie gefunden. Titel: Gmelin Handbook of inorganic chemistry, Voulume A7: U.
Das Buch beschäftigt sich neben Analyseverfahren auch mit den biologischen Auswirkungen des Elementes 92 und seiner Folgeprodukte.

In einen Bericht geht es um die Untersuchung von männlichen Minenarbeitern in Uranminen, wo man neben der Radonbelastung der Arbeiter auch noch ihr Rauchverhalten einbezogen hat und diese dann mit Leuten verglichen hat, die nicht in Uranminen arbeiten. Dieses hat zu interessanten Ergebnissen geführt: Bei den Nichtrauchern unter den Arbeitern war die Lungenkrebsrate sogar noch geringer als in der Vergleichsgruppe der Nichtminenarbeiter, aber je länger die Arbeite in der Mine beschäftigt sind, desto geringer wird der Nichtrauchervorteil gegenüber den Nichtminenarbeitern, wer sehr lange beschäftigt ist hat auch dann ein aber nur geringfügig höheres Risiko an Lungenkrebs zu sterben.

Anders sieht es bei den Rauchern aus, davon abgesehen, daß bei ihnen das Risiko schon beim Eintritt in dem Arbeitsverhältnis in Vergleich zum Nichtraucher recht groß ist, steigt es durch die zusätzliche Radoninhaltation rasant an und vervielfacht sich, besonders wenn 20 oder mehr Glimmstengel am Tag konsumiert werden.

Glück auf,

Markus

Offline betadecay2000

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #53 am: 21 Oct 05, 20:51 »
@ Schlucht:

Interessanter Geigerzähler: Welcher Hersteller und welche Modell? Auch die Tasche sieht recht edel aus. :D

Glück auf!

Markus


Offline Schluchti

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #54 am: 21 Oct 05, 20:56 »
Hallo Markus,

der Geigerzähler ist ein polnisches Modell des Herstellers Polon, Pocket Radiometer RK-67.
Es stammt aus den 70er Jahren und war in berlin in ner uniklinik im Einsatz zum Ausmessen von Schilddrüsenpatienten die eine Jodbehandlung bekommen haben.
Hab es mal letztes Jahr günstig bei ebay ergattert.

Offline betadecay2000

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #55 am: 21 Oct 05, 21:03 »
Hallo Schluchti!

Danke für die schnelle Info!  :) Da muß ich mal bei Ebay die Augen offen halten, das Gerät macht einen soliden Eindruck!

Viele Grüße,

Markus

Offline funkycameo

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #56 am: 26 Jun 06, 11:22 »
Habe zuletzt auch auf der 371 mindestens drei Pechblende-Stufen gefunden, wovon ich aber nur eine aus Versehen überhaupt nach Hause mitgenommen habe und dann gleich nach der Entdeckung wieder weggebracht habe.


Hallo muss man diese Platten nicht entfernen, wegen Gefahr?

Mir machr Radioaktivität Angst

Offline Hg

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #57 am: 26 Jun 06, 12:41 »
Zitat
Hallo muss man diese Platten nicht entfernen, wegen Gefahr?
Mir machr Radioaktivität Angst

welche Platten willst Du entfernen ?  ???

alles weitere kannst Du hier nachlesen. Ist alles bestens erklärt  ;)
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Radioaktivit%E4t

Gruß
Hg

Offline funkycameo

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #58 am: 26 Jun 06, 12:49 »
Hallo, hatte mich auf den Beitrag von Schluchti bezogen, der solche Pech-Stufen, nicht Platten,  gefunden hatte und nicht alle mitgenommen hat. Es wäre doch möglich, dass diese Platten vielleicht auch Kinder oder Erwachsende finden, die keine Ahnung davon haben.

Das war sein Beitrag, Schluchti:

Als echter Erzgebirger, der mitten im Gebiet einer der weltgrößten Uranerzlagerstätten großgeworden ist, sollte mich das Thema eigentlich nicht weiter anheben.

Trotzdem habe ich eine ziemliche irrationale Angst vor radioaktiven Mineralien. Da bin ich irgendwie eigen.

Ich finde gerade im Bereich der Uranglimmer gibt es ganz wunderschöne Mineralien, die ich mir aber lieber auf Bildern angucke, als sie selbst zu besitzen. Ich höre jede meiner Neufunde oder Neuerwerbungen mit dem Geigerzähler ab. Was leicht strahlt kommt sofort in den Keller, was stärker strahlt sofort weg.

Habe noch eine leicht radioaktive Barytstufe von Pöhla, die ich nun aufgrund der leichten Strahlung auch nicht mehr mag und am liebsten loswerden würde.  Habe zuletzt auch auf der 371 mindestens drei Pechblende-Stufen gefunden, wovon ich aber nur eine aus Versehen überhaupt nach Hause mitgenommen habe und dann gleich nach der Entdeckung wieder weggebracht habe.

Gruss, Ingo

Offline Schluchti

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Re: Umstritten: Sammeln radioaktive Mineralien
« Antwort #59 am: 26 Jun 06, 14:35 »
Hallo, hatte mich auf den Beitrag von Schluchti bezogen, der solche Pech-Stufen, nicht Platten,  gefunden hatte und nicht alle mitgenommen hat. Es wäre doch möglich, dass diese Platten vielleicht auch Kinder oder Erwachsende finden, die keine Ahnung davon haben.

Gruss, Ingo


Nunja, die Stufen lagen frei zugänglich direkt an der Oberfläche der Halde. Das heißt jeder, der dort sucht, egal ob er was von der Materie versteht oder nicht, kann diese Stufen finden und damit in Kontakt kommen. Dieses Risiko trifft jeden der auf erzgebirgischen Wismuthalden unterwegs ist. Nicht umsonst stehen dort Warnschilder... 

Aber zur Beruhigung: um gegebenenfalls nochmals auf die Stücken zugreifen zu können, habe ich die zwei gleich erkannten Stücke  in Folie verpackt und dort vergraben (inzwischen dürften diese beiden Stufen bei Uwe ein neues Zuhause gefunden haben, dem ich den Ort mitgeteilt habe, weil ich keine Verwendung dafür hatte). Die dritte Stufe habe ich ebenfalls auf der Halde wieder vergraben, inzwischen aber wieder geborgen und eingetauscht gegen andere Stufen.

Also an diese drei Stufen kommt keiner mehr ran.

Aber auf der 371 gibt es noch genug davon...   

 

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