Anscheinend ist mein Beitrag (vom 15.10) missverständlich. Ich wollte dort i.a. Ausdruck bringen, dass man manchmal durch die Paragenese dazu gezwungen sein kann, das normalerweise verwendete Rezept "abzurüsten". Dann muss man aber beim Dithionit anfangen und beim Komplexbildner aufhören, denn
Dithionit erfordert immer die zwei anderen Komponenten. Daraus ergibt sich folgende Abstufung, mit jeweils stark abnehmender Wirkung und zunehmend erforderlicher Konzentration:
Dithionit - Puffer (Natriumkarbonat/hydrogenkarbonat) - Komplexbildner (Natriumtricitrat, EDTA etc.) ----> hervorragend wirsam
Puffer (Natriumkarbonat/hydrogenkarbonat) - Komplexbildner (Natriumtricitrat, EDTA etc.) ----> langsam wirkend
Komplexbildner (Natriumcitrat, Zitronensäure geht jetzt auch, EDTA etc.) allein ----> extrem langsam wirkend
Ich hoffe, jetzt kommt es so an, wie es gemeint war. War nicht meine Absicht hier Verwirrung zu stiften

.
Markus,
Wow, Haarspaltereien, super.
es liegt mir völlig fern irgend welche Haarspalterei zu betreiben. Aber bedenke bitte, dass hier auch Leute mitlesen, die weniger Chemiekenntnisse besitzen, und da ist deine Formulierung zu pauschal. Sie könnte so verstanden werden, dass Fe3+ gundsätzlich unlöslich und Fe2+ löslich ist, was im hier diskutierten Fall zwar zutreffend ist, aber nicht verallgemeinert werden kann.
Wenn ich schrieb, dass ein Komplexbildner zwingend erforderlich sei, habe ich absichtlich den allgemeinen Term "Komplexbildner" benutzt, der sowohl Citrat, EDTA und auch alle ähnlich wirkenden Substanzen mit einschließt. Ich gehe mal davon aus, dass dir diese Tatsache sicherlich bekannt ist, aber du hier stillschweigend "Komplexbildner" mit EDTA gleichgesetzt hast. (Wenn ich EDTA gemeint hätte, hätte ich das auch so geschrieben

).
Desweiteren werden die Stufen auch dann sauber (von Eisenoxiden befreit), wenn kein EDTA in der Lösung ist, was beweist, EDTA ist nicht das primäre Reagenz zum Lösen von Eisenoxidkrusten.
Hier nehme ich mal an, dass deine Dithionit-Mixtur auch -wie üblich- Citrat (=Komplexbildner) enthalten hat. EDTA ist dann natürlich entbehrlich und -da gebe ich dir recht- kann sogar kontraproduktiv sein.
Wenn es dir aber gelungen sein sollte, gänzlich ohne einen Komplexbildner (also nur mit Dithionit und Karbonat) erfolgreich Limonit zu lösen (denn genau so sind deine beiden Beiträge in der Summe zu verstehen), dann würde ich gerne wissen wollen, auf welche lösliche Fe(II)-Verbindung du das zurückführst.
Bei mir überzog sich -wie bereits beschrieben- der Limonit lediglich mit einer schmutzig-grauen "Siderit"-Schicht die sich zwar mit Ultraschall entfernen lies, sich auf dem verbleibenden Limonit erneut bildete. Mit sehr viel Geduld ließ sich der Limonit so Schicht für Schicht abtragen. Dafür wurde aber der auf der Stufe vorhandene natürliche Siderit geschont (was bei diesem Test meine Absicht war).
Ob es auch mit EDTA-Lösung ohne Dithionit funktioniert, kann man ja mal ausprobieren.
Ja, man kann das Dithionit auch weg lassen, ich hab's probiert

. Sollte man aber wirklich nur dann machen, wenn reduktionsempfindliche Minerale dabei sind und man bereit ist, Geduld aufzubringen. Allerdings schaden jetzt hohe Temperaturen nicht mehr und man kann die Lösung ruhig eine ganze Weile nahe am Siedepunkt halten. Dies bezieht sich auf eine Lösung von EDTA und Soda (jeweils zwei bis drei Esslöffel auf 500 ml Wasser - also recht konzentriert und auch teuer). Behandelt wurden Stufen mit anglesithaltigen Krusten (die sich mit Dithionit schwarz gefärbt hätten), Limonit und allgemeinem Haldengammel, wobei der Anglesit natürlich durch die alkalische Lösung mit angegriffen worden ist - und auch sollte.
Wenn man zusätzlich noch alkaliempfindliche Minerale erhalten will, sollte es nach Duthaler (extrem langsam) auch mit EDTA und sicherlich auch andern Komplexbildnern allein gehen. Ich hatte aber noch keine Gelegenheit und Lust das zu testen.
Ein heikler Fall ist z.B. die Kombination Chalkopyrit (läuft mit Dithionit bunt an) und Calcit (wird mit EDTA matt) auf der gleichen Stufe. Hier könnte man mit Citrat (evtl. mit Soda) zum Ziel kommen. Allerdings auch noch ungetestet.
Im Fall von Pyrit (wieder on-topic

) sehe ich die Kombination Dithionit-Soda-EDTA als das Optimum an. Die normale Waller'sche Lösung geht natürlich auch, aber Soda erzeugt mit der im Pyrit enthaltenen Säure im Gegensatz zu Hydrogenkarbonat nicht sofort CO
2, sondern zunächst Natriumhydrogenkarbonat (und Natriumsulfat). Das CO
2 löst sich zwar auch so gut in Wasser, aber gerade in den interkristallinen Kapillaren könnte so das Eindringen der Lösung behindert werden. Weiterhin wird besser verhindert, dass (im Extremfall) das Dithionit durch die Schwefelsäure zersetzt wird. EDTA besitzt gegenüber Citrat ein größeres Aufnahmevermögen. Dass es auch agressiver gegenüber andern Ionen ist, stört bei (nur) Pyrit dagegen nicht.
Harald,
ich gebe dir völlig recht, und ich denke, du hast es auf den Punkt gebracht. Danke!
Sicherlich hast du recht, dass es keinen Sinn macht, zusätzlich zum Citrat noch einen anderen Chelatbildner einzusetzen, aber ganz ohne einen (geeigneten) Komplexbildner geht es eben nicht. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen, dass in Kombination mit Dithionit das Citrat als Komplexbildner völlig ausreichend -und zudem weitaus billiger als- ist. Zur Behandlung von Pyrit, wo es um die Beseitigung geringster Rückstände -auch im Inneren der Stufe- geht, würde ich (wenn ich die Wahl habe) die Kombination Dithionit-Soda-EDTA vorziehen.
Wenn ich allerdings ohne Dithionit arbeiten muss, dann verwende ich (bisher) EDTA. Meistens ist das der Fall bei Blei-Paragenesen, wo die Anwesenheit von Anglesit zu erkennen oder zu vermuten ist und dessen Schwarzfärbung die Stufe verderben würde.
Bei dieser Gelegenheit gleich mal eine Frage an dich, Harald:
Mir ist nicht klar, warum sich Anglesit schwarz überzieht (kann mit H
2O
2 wieder beseitigt werden) Cerussit dagegen nicht. In der Lösung enthaltene bzw. gebildete S
2-Ionen hätten doch sicher beides beeinträchtigt? Meine These, dass S
6+ zu S
2- reduziert wird erscheint mir sehr gewagt. Ist Dithionit dazu wirklich in der Lage ?
Von den kommerziellen Produkten habe ich bisher nur Erfahrungen mit zweien (es gibt mehr). Beide haben weitgehend identische Inhaltsangaben ( >30% Natriumdithionit, Natriumkarbonat, Stabilisatoren, Duftstoffe) und sind zur Anwendung an verfärbten Textilien gedacht. Es hat sich gezeigt, dass eines ("Dr. Beckmann") auch ohne Zusätze recht gut wirksam ist, während das andere gegenüber Limonit fast unwirksam ist. Offensichtlich mangelt es hier am Komplexbildner. Für den vorgesehenen Zweck ist es ja auch ausreichend, den Farbstoff zu zerstören und ein Komplxbildner entbehrlich. Zusastz von Zitronensäure ändert das durch Bildung von Natriumcitrat und Natriumhydrogenkarbonat bei gleichzeitiger Senkung des pH-Wertes.
Danke -auch im Namen aller Interessierten- für die Bereitstellung des Originalbeitrages. Ist schon interessant, wenn man die Mengen mit anderen kursierenden Angaben vergleicht. Und wenn man dann noch berücksichtigt dass die Lösung auf das 3-fache Volumen (1:2) verdünnt werden kann, ohne dass eine Einbuße an Wirksamkeit entsteht, wird deutlich, dass in der Praxis oftmals mit viel zu hohen Konzentrationen ("viel hilft viel") gearbeitet wird. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn über "bestialischen Gestank" berichtet wird ... (So oder so ähnlich in einem alten Beitrag hier im Forum gelesen !!!)
Nach meiner Ansicht macht diese Methode, richtig angewandt, Oxalsäure bis auf wenige Ausnahmen überflüssig. Bei sehr viel Limonit gegebenenfalls im Anschluss an eine Behandlung mit konz. HCl (wo Oxalsäure erlaubt ist, geht HCl oft auch), um die Gelbfärbung zuverlässig zu unterbinden und eventuelle Restsäure zu neutralisieren.
Glück Auf
Thomas