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Autor Thema: Meteorit nach Tests  (Gelesen 5644 mal)

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Offline Thomas869

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Meteorit nach Tests
« am: 23 Oct 16, 10:43 »
Hallo Meteoritenfreunde,

ich habe hier einen ganz schwierigen Fall:

Den "Meteoriten" habe ich auf einer Messe käuflich (preiswert) erworben.
Er ist magnetisch, er ist für seine Größe schwer und zeigt viele Charakteristika eines Meteoriten.
Leider war ein Nickeltest nicht sehr erfolgreich., so dass ich mich entschlossen habe ihn  mal anzuschleifen.
Hier nun das Ergebnis: Es sind deutlich Metallfliter zu erkennen. Sie sind nur Millimeter groß.
Mich würde eure Meinung mal interessieren.

Größe: 69 mm x 54 mm x 34 mm
Gewicht. 167 g

Tschüß

Thomas

Offline Klaus Schäfer

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #1 am: 23 Oct 16, 15:56 »
Typisches Aussehen für NWA-Streufelder (z.B. in Marokko) aufgrund des Anschliffes und des Wüstenlackes. Da von der Form her kein komplettes Individuum, Preis normalerweise um die 0,15-0,25 € im Gramm.

Offline Thomas869

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #2 am: 26 Oct 16, 18:54 »
Hallo Klaus,
aus deinen Worten schließe ich das es sich um einen echten handelt.
Er soll aus Marokko stammen.Dieses Muster habe ich allerdings als Anschliff  noch nicht  gesehen.Lohnt es sich diesen zu ätzend?

Tschüß
Thomas





Offline Fabian99

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #3 am: 26 Oct 16, 20:02 »
Hallo,

was soll das Ätzen bringen? Bei den Flittern kommen keine sichtbaren Strukturen, erst recht wenn Nickel fehlt.
Das scheint ein Stein-Eisen-Meteorit zu sein, oder?

LG

Offline cmd.powell

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #4 am: 27 Oct 16, 22:21 »
Moin

Ätzen wird nichts bringen, da die Eisenflitter durch partielles Aufschmelzen des Mutterkörpers entstanden sind. Der Asteroid war nicht groß genug oder wurde zu schnell zerstört, so das sich das Eisen nicht von den leichteren Silikaten trennen konnte. Die Wittmannstättenschen Figuren sieht man nur bei massiven Eisenmeteoriten, wo sich Taenit und Kamacit nach jahrmillionenlanger langsamer Abkühlung aus der Schmelze entmischt haben. Das müssen schon recht große Körper (Planetesimale) gewesen sein, damit die sich in Ruhe entmischen und erstarren konnten.

Und nach dem Bild zu urteilen ist der Meteorit echt.

Offline Thomas869

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #5 am: 29 Oct 16, 21:57 »
Hallo Fabian, Klaus und Markus,

danke für eure Antworten.
Seit 1 Jahr liegt der Meteorit jetzt in meiner Vitrine und ich habe nie gewußt, ob es ein echter ist.

Na, da lass ich mal das Ätzen.
Wenn die Flitter jetzt Eisen sind, welches Material ist dann außenherum? Sieht ja auch irgendwie metallisch aus.

Tschüß
Thomas

Offline lithoraptor

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #6 am: 11 Mar 17, 20:08 »
Moin!

Der Thread hier ist zwar schon etwas älter, aber ich schreibe hier doch noch ein paar Zeilen. Ja, das Stück ist ein Meteorit, aber kein Stein-Eisen, sondern ein Meteorit aus der Gruppe der Chondrite (undifferenziertes Material) und daher sehr metallreich. In Chondriten kommen diverse FeNi-Phasen vor, die durchaus auch Entmischungen zeigen können, aber eben nur im mikroskopischen Maßstab. Daneben tritt sicher Troilit auf.
Ohne das Stück selbst unter der Lupe bzw. am Magneten zu haben wird es mit einer genaueren Einschätzung schwierig. Am ehesten ein H- oder L-Chondrit, mit einem petrologischen Typ von 5 oder 6. Das ist das häufigste Material. Den Verwitterungsgrad würde ich auf W3-4 schätzen - genauer geht es nur mikroskopisch.

Gruß

Ingo

Offline stoanklopfer

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #7 am: 12 Mar 17, 07:27 »
.... Ja, das Stück ist ein Meteorit, aber kein Stein-Eisen, sondern ein Meteorit aus der Gruppe der Chondrite (undifferenziertes Material) und daher sehr metallreich. In Chondriten kommen diverse FeNi-Phasen vor, die durchaus auch Entmischungen zeigen können, aber eben nur im mikroskopischen Maßstab. Daneben tritt sicher Troilit auf.
Ohne das Stück selbst unter der Lupe bzw. am Magneten zu haben wird es mit einer genaueren Einschätzung schwierig. Am ehesten ein H- oder L-Chondrit, mit einem petrologischen Typ von 5 oder 6. Das ist das häufigste Material. Den Verwitterungsgrad würde ich auf W3-4 schätzen - genauer geht es nur mikroskopisch.

Und wie kommt man zu solchen Erkenntnissen, ohne das Stück jemals in der Hand gehalten zu haben? Oder ist das nur als Allgemeines zu Meteoriten gedacht?

Offline lithoraptor

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #8 am: 12 Mar 17, 17:43 »
Moin!

Die Tatsache, dass es sich nicht um einen Stein-Eisen-Meteoriten handelt lässt sich am Anschliff gut erkennen. Hier käme überhaupt nur ein Mesosiderit in Frage. Dafür ist aber viel zu wenig Metall zu sehen bzw. passt die Matrix-Metallverteilung da überhaupt nicht. Kannst es gerne mal mit deinen Sammlungsstücken abgleichen, würde dazu einen Vaca Muerta vorschlagen.
Das Gesamtbild des Anschliffes hat deutlich chondritischen Charakter. Wenn man das Bild etwas aufzieht, dann kann man sogar sehr vereinzelt noch ein paar Chondren erkennen. Dass in allen Chondriten Troilit vorkommt, bzw. es auch hier zu mikroskopischen Entmischungen der FeNi-Phasen kommen kann, ist allgemein bekannt und kann in einschlägiger Literatur nachgelesen werden (etwa bei RAMDOHR (1963): The opaque minerals in stony meteorites). Ich habe solche Phasen und Entmischungen selbst schon in zahlreichen polierten Dünnschliffen beobachten und dokumentieren können.
Die Einschätzung, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen H- oder L-Chondriten handelt basiert ebenfalls auf dem Gesamtbild des Anschliffs, denn der spricht deutlich für einen gewöhnlichen Chondriten, aber aufgrund der Menge der Metalle gegen einen LL. Diese Ansicht korreliert auch mit der Häufigkeit dieser Klassen.
Die Einschätzung, dass es sich um den petrologischen Typ 5 oder 6 handelt resultiert aus der Menge und dem Zustand der sichtbaren Chondren (einen Typ 4 oder sogar einen 3er kann man hier ausschließen; 1 und 2 gibt es nur bei kohligen Chondriten (C-Typen), aber das hier ist sicher keiner).
Die Einschätzung des Verwitterungsgrades W3-4 resultiert im wesentlichen auf dem Gesamtzustand des Fundes, dem Anschliffbild, welches deutliche Oxide bzw. Hydroxide zeigt und einem gewissen Erfahrungsschatz mit der Materie. Ich schrieb ja, dass es genauer nur mikroskopisch geht. Wer es felsenfest haben möchte kommt um eine Klassifikation nicht herum. Ich bezweifle aber ernsthaft, dass man jemanden finden wird, der das macht, denn Aufwand und Nutzen stehen hier in keinem lohnenden Verhältnis.

Gruß

Ingo
« Letzte Änderung: 12 Mar 17, 17:50 von lithoraptor »

Offline stoanklopfer

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Re: Meteorit nach Tests
« Antwort #9 am: 12 Mar 17, 20:15 »
Danke für die mehr als ausführlichen Erläuterungen!

 

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