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Ungewöhnlicher Brauneisenstein
harzgeist:
Ich würde das eher als ein früher Stadium der gewöhnlichen Gallen (mit dem Pulver drin) interpretieren. Kalk ist sicherlich in der Lage Eisen aus seinen (sauren) Lösungen als Eisenhydroxid (=Limonit) zu fällen. Dabei geht der Kalk in Lösung. Gleichzeitig schützt die Limonitschicht den Kalk, so dass der Vorgang verlangsamt wird. Wenn schließlich der gesamte Kalk gelöst ist, bleibt innen ein Hohlraum um die feste Hülle, nur ganz so weit kam es eben nicht bei dieser Galle.
Thomas
Uwe Kolitsch:
Es gibt auch solche Knollen, in denen der Kern lose ist und Geräusche beim Schütteln macht.
Angler:
Hallo Thomas,
interessante Überlegung, aber ich glaube wir haben uns beide durch die falsche Bezeichnung Limoniteisenstein hinter die Fichte führen lassen ;), denn keine Limonit-Variante enthält Kalk (CaCO3) bzw. dessen mögliche Umwandlungsprodukte.
Uwes Hinweis auf die Klappersteine hat mich - wie ich denke - auf die richtige Spur gebracht. So habe ich im Netz eine Seite gefunden, auf der verschiedene Arten von Brauneisenstein dokumentiert sind.
Vielleicht gibt es gar keine Umwandlung in den Gallen, sondern es gibt einfach nur unterschiedliche "Arten" der Brauneisensteine?
In den Niederlanden werden gelegentlich Gallen (Brauneisenstein) gefunden, die Siderit (FeCO3) = Eisenkalk als Kern enthalten (Farbe weiß bis grau).
Da wissenschaftlich die Entstehung von Brauneisensteinen noch nicht endgültig geklärt ist, besteht doch auch die Möglichkeit, dass es unterschiedliche Entstehungsprozesse mit unterschiedlichen Beteiligten (Mineralen) geben könnte.
Dann dürfte als Oberbegriff für diese Steine nur Brauneisenstein erlaubt sein, denn Limoniteisenstein, würde nur für eine bestimmte Art der Knollen zutreffen. Für diese hier nicht, denn nur die Schale besteht aus Limonit, der Kern wahrscheinlich aus Siderit und ist dann nur für den Fundort ungewöhnlich.
Was denkt Ihr??? ;D
MfG
Michael
harzgeist:
Ich denke nicht, dass der Kern deiner Galle aus Siderit besteht, der reagiert nur mit warmer Salzsäure und auch dann nicht sehr heftig.
Natürlich sind Kalk und Limonit zwei verschiedene Dinge, aber gelöstes Eisen (z.B. als Eisensulfat) reagiert chemisch mit dem Kalk, wobei außer dem Limonit auch Gips und Kohlendioxid entstehen, die beide mit dem (Grund)wasser fortgeführt werden. Diese Reaktion wird auch technisch genutzt, um z.B. eisenhaltige Grubenabwässer umweltverträglich aufzubereiten.
Übrigens ist Limonit kein klar definiertes Mineral, sondern ein mehr oder weniger verunreinigtes Gemisch mit FeOOH als Hauptbestandteil. Deshalb gibt es sehr wohl "kalkhaltigen Limonit", der ist z.B. in großem Stil bei Kamsdorf abgebaut worden.
Thomas
Angler:
Hallo Thomas,
"Natürlich sind Kalk und Limonit zwei verschiedene Dinge, aber gelöstes Eisen (z. B. als Eisensulfat) reagiert chemisch mit dem Kalk, wobei außer dem Limonit auch Gips und Kohlendioxid entstehen, die beide mit dem (Grund)wasser fortgeführt werden."
Ja, O.K. aber wie soll das aus einer geschlossenen Galle gehen? Hier kann vielleicht noch ein Gas entweichen, aber kein Mineral wie Gips!
"Übrigens ist Limonit kein klar definiertes Mineral, sondern ein mehr oder weniger verunreinigtes Gemisch mit FeOOH als Hauptbestandteil."
Genau, darüber habe ich auch gelesen und gerade die Mineralogen, welche diese Eigenschaft hervorheben, sind gegen eine Generalisierung von Gallenmaterial und der verallgemeinernden Bezeichnung Limonitgallen.
Aber so richtig glaube ich auch nicht an Siderit. Da ich vor vielen Jahren mit meinem kleinen Sohn oft im Rüdersdorfer Muschelkalk unterwegs war, musste ich viele Kalkproben mitnehmen. Wenn wir dann zu Hause mit dem Material gebastelt haben, war der Kalk nicht sehr hart, etwas schmierig und wurde fast beim Zusehen an der Schnittstelle heller. So ähnlich war die Schnittstelle des Kernes dieser Galle.
Nur ein Unterschied war ganz deutlich, der Gallenkern verfärbt sich mit zunehmender Austrocknung in Richtung braun bzw. ocker.
Genau werden wir es wohl nur wissen können, wenn man den Kern chemisch analysiert. Die Theorie der chemischen Umwandlung in einer geschlossenen Galle kann ich nicht mehr folgen. Unter den vielen geschlossenen Gallen, die ich im Laufe meines Lebens aufgeschlagen habe, hätte ich doch "Vorstufen" des "Endstadiums" finden müssen, oder?
Sorry, Thomas aber Deine Vermutung einer "Junior-Galle" kann ich nicht folgen. Mag sein, dass dieser Gallenkern kein Siderit ist, vielleicht ist der Kern sogar fast reiner Kalk mit geringsten Spuren von Eisen? Vielleicht ist die Salzsäure bei 23°C Zimmertemperatur warm, oder die schäumende Reaktion für mich heftig aber für Dich nicht?
Alle Gallen stammen aus der selben Kiesgrube, waren immer "typische Kiesgallen" (Limonitknollen) mit Mehrfachschalungen und viel gelblichen "Puder" (Eisenkalk), nur diese hier nicht.
Und vergiss bitte nicht, dass im Netz auch Gallen dokumentiert sind, die Silizium bzw. Sand enthielten. Stützt das nicht die Theorie, dass keine einheitliche Entstehung und mineralisch/chemische - Grundstruktur der Gallen gibt, sondern nur "Ähnliche"?
Dein Hinweis bezüglich Kamsdorf finde ich sehr interessant, hatte ich noch nie gehört. Weist Du vielleicht, wie hoch der Kalkanteil dort im Limonit war (so ungefähr)?
MfG
Michael
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