Hi
ich bin ein oldtimer und habe Lapis seit der ersten Ausgabe 76/77 abonniert ( mittlerweile auch darin veröffentlicht ).
Die Mineralienwelt habe ich nie abonniert, und dafür gabs Gründe.
Lasst mich mal die Sache aus meiner Sicht analysieren.
1. Lapis
hat sich seit Anbeginn immer - mit dem Anfänger ( siehe Kristallmodelle) und auch dem Fortgeschrittenen identifiziert. Vielleicht deswegen, weil Christian Weise (Herausgeber) und später Stefan Weiss ( Redakteur ) selbst engagierte Sammler sind ?
Die Beiträge stammen von Sammlern und kompetenten Fachleuten; wenngleich im Lauf der Jahre (wegen der Sammelnähe) die Beiträge ( manchmal leider ) immer mehr zu Deutschland sowie den österreichisch-schweizerischen-italienischen Alpen tendieren ( wegen der Liebe des Redakteurs zu diesem Teil Europas oder wegen fehlender Beiträge zu ausser-deutschsprachigen Gebieten, das bleibt dahingestellt).
Im Lapis ist die Liebe zum Sammeln zu spüren, plus Engagement der Schreiber, plus Kompetenz. Auch wenn Papier und Druckqualität manchmal zu wünschen übrig lassen ( heh - was sind wir verwöhnt ), der Informationsgehalt ist nach wie vor genau das, was der Sammler erwartet. Lapis ist - ohne viele Worte zu verlieren - eine hervorragende Referenz, ein Archiv und eine mineralogische Datenbank.
Was allerdings fehlt, sind mehr Beiträge zu internationalen Schauplätzen: Leider gabs bisher zu Spanien, Frankreich, China, Indien, Marokko, Grönland u.v.a kaum oder keine nennenswerten Beiträge. Und - nicht alle Fotos müssen ja von Jeff Scovil sein - seine Professionalität in Ehren - aber auch bei uns gibst ne Menge guter Fotografen )
Alles in allem. Die Mineralienzeitschrift für den deutschsprachigen Raum !
2. Mineralienwelt
Ist für mich wie der Focus ( wobei Lapis der Spiegel ist ). Super-Aufnahmen, Hochglanz, schnelle Infos, international, - aber: ich habe immer das Gefühl, daß hier nicht von Sammlern für Sammler, sondern technologische Reports von Medienprofis geschrieben werden. Kurz- bündig - informativ - aber keine Liebe zum Detail. Man spürt förmlich eine technische Kälte, trotz guter Fotos.
Lesen, ansehen, weglegen.
Positiv: Internationale Fundstellen. Fotos, die nicht unbedingt von Jeff Scovil sind und nicht immer Top-Stufen oder ideale Kristale darstellen ( für mich im übrigen ein Manko im Lapis - meine Stufen sehen immer anders oder minderwertiger aus )
Alles in allem: Ein technisch gut aufgemachtes Hochglanz-Medium ohne den 8. Sinn - nämlich die Identifikation des Sammlers zum Objekt. Schön zum Anschauen, auch gut zum Nachswchlagen.
Beide Medien sind etabliert, haben ihren Leserstamm, mit fürs und widers. Beide sind auf ihre Art sowohl fortschrittlich und auch konservativ. Jeder muss das für sich selber entscheiden, wohin er tendiert.
Im Vergleich zu den ( für mich besten ) Mineralienzeitschriften der Welt - einmal der Mineralogical Record (USA) und der Bocamina ( Spanien) können Lapis und Mineralienwelt noch ne Menge lernen, sowohl in der Berichterstattung als auch in der Fülle der Informationen.
Im übrigen sollte nicht vergessen werden, dass Lapis und MW Konkurrenten auf einem Markt mit einer limitierten Zielgruppe sind.
Das für mich entscheidende Element, die eine oder andere Zeitschrift zu abonnieren, ist auch nicht unwesentlich zu wissen, wer hinter diesen Medien steht. Und da gibts halt Sympathien und Antipathien, Service, gegenseitige Akzeptanz ob groß oder klein und ganz einfach: Ich finde es gut, daß Lapis sich seit über 20 Jahren konsequent für Sammler engagiert.
(es ist so schade, daß unser Uralt-Organ Aufschluß nie den Anschluß gefunden hat - hier wurde noch mit Herz und Seele geschrieben - aber leider der Sprung zum Zeitgeist verpasst wurde ).
collector