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Diskussion: Feuersetzen in St. Andreasberg /urspr. Bilderdisk.: Silber- Reicherz (Feuersetzprodukt)
Kluftknacker:
Moin,
ich darf alle Leser einladen, sich einmal die vielen feuergesetzten Strecken am Lehrbergwerk in St. Andreasberg in situ anzugucken. Führungen wieder ab dem nächsten Frühjahr möglich.
www.lehrbergwerk.de
Glück auf!
harzgeist:
--- Zitat ---...
Thonerde
und eine Spur von Kupfer 67.08 %
...
--- Ende Zitat ---
Na bitte, da haben wir doch die Lösung! :D
2AgCl + H2O -> 2Ag + 2HCl + 1/2 O2
Z.B. Montmorillonit (die anderen Tonminerale sind ähnlich) enthält laut RÖSLER 48...56% Wasser. Bezogen auf das Gesamtmenge ist das circa 1/3, respective etwa die gleiche Menge wie das Chlorargyrit. Auch ohne ausführliche stöchiometrische Rechnung erkennt man, dass dies die mehrhache Menge dessen ist, was zur Reduktion benötigt wird.
Jetzt hängt die Welt wieder gerade ;D
... und wieder was gelernt!!!
(vgl. Antwort #16 u. #30)
Ich versuche gerade, mir vorzustellen, wie das in der Praxis aussah. Anfangs schmilzt das Hornerz. Der Chlorargyrit ist quasi sein eigenes Flussmittel und bildet mit dem Ton eine Schmelze. Vielleicht in der Konsistenz wie Eierkuchenteig ..? Dann sammelt sich das geschmolzene Silber am Boden und der Teig wird mit der Zeit immer dicker. Am Schluss schwimmt dann der entwässerte Ton als Krümel/Sand auf dem Silber?
Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich das letzte Silber von dem Sand sauber trennt. Oder ist am Schluss noch ein Flussmittel zugesetzt worden?
Soweit meine Vorstellung, habe mich noch nie mit den technologischen Abläufen detailliert beschäftigt. Es ist bestimmt (nicht nur für mich) interessant, hier mehr zu erfahren.
Kluftknackers Empfehlung für das Lehrbergwerk Roter Bär (einschließlich Wennsglückt) kann ich nur bestätigen. Ich war um die Jahrtausendwende dort. Es sind seither sicher weitere Bereiche erschlossen worden.
Edit
Reaktionsgleichung hinzu gefügt
Sowie Verweise auf frühere Antworten
ganomatit:
--- Zitat von: ganomatit am 05 Nov 18, 09:07 ---Über das Buttermilcherz KARSTEN 1795, Karakteristik der Silbergattung Hornerz, KARSTEN 1807 AUSZUG
"Thoniges Hornerz (Buttermilcherz)
Geburtsort. Nur allein auf der Grube St. Georg zu Andreasberg auf dem Harz. (gab es auch auf Theuerdank)
Bestandteile: *) Silber 24,64 %
Salzsäure 8,28%
Thonerde
und eine Spur von Kupfer 67.08 %
-----------------------------------------------------
100 %"
“Im Berliner Museum für Naturkunde hat sich eine Stufe aus der Grube St. Georg erhalten, die mit Buttermilcherz bedeckt ist. Ihr liegt ein sehr alter, z. T. aus BRÜCKMANN (1730) abgeschriebener Begleitzettel mit Informationen über die merkwürdigen Erscheinungen auf der Grube bei. Die Stufe gelangte 1791 in das Königl. Mineralienkabinett des Preußischen Berg- und Hüttendepatements in Berlin und hat im gleichen Jahr dem berühmten Chemiker MARTIN HEINRICH KLAPROTH zur Analyse gedient. KLAPROTH war damals mit der Untersuchung aller Silbererzminerale beschäftigt und hatte endgültig sichergestellt, dass es sich bei dem (Silber)- Hornerz, dem jetzigen Chlorargyrit, entgegen anderer Ansichten um eine Chlorverbindung des Silbers handelt ( KLAPROTH 1795). Die gleiche Substanz fand er auch im Buttermilcherz, das er Buttermilchsilber nannte, hier in innigem Gemenge mit 67 % ”Thonerde”. D. L. KARSTEN(1795), der mit KLAPROTH eng zusammenarbeitete und auch an dessen Analyse des Materials teilgenommen hatte, sah das Material als Varität des Hornerzes an und führte den Namen “erdiges Hornerz” und später “thoniges Hornerz” ein, wobei betont wird, dass der Ton nur mechanisch beigemengt ist, es sich also nicht um eine chemische Verbindung im heutigen Sinn handelt. ((Hoppe und Otto; Fundgrube, Heft 2, 1988, S.39)
Eine moderne Untersuchung bestätigte diese Ergebnisse. Als Minerale wurden äußerst feinkörniger Chlorargyrit (AgCl) und als Bestandteil des Tons mehrere Schichtsilikate (Talk, Serpentinit, Saponit) identifiziert.
Letztere sind als Gesteinsersatz anzusehen (HOPPE & DAMASCHUN 1986).
In dieser historischen Probe sind die Schichtsilikate nachgewiesen, ob das aber auf allen Buttermilcherzstufe aus Sankt Andreasberg vorhanden ist erscheint fraglich! Auf der Grube Theuerdank war das nicht immer so!
--- Ende Zitat ---
Axinit:
Servus allerseits,
dieser Thread hat sich ja auf interessante Weise entwickelt !
Ohne irgend jemanden zu nahe treten zu wollen oder eines der hier beitragenden MA-Mitglieder vor den Kopf stossen zu wollen, stellen sich mir doch einige Fragen.
(1) Ich denke wir sind uns alle einig, dass es sich bei der Herstellung von elementarem Silber (Oxidationsstufe 0) aus einem kationischen Silbererz (d. h.. einer chemischen Verbindung, in der Silber in der Oxidationsstufe + 1) vorliegt, um einen REDOX-Prozess handelt.
(2) Dieser laesst sich, wie wir alle in der Schule gelernt haben, in zwei nicht trennbare, simultan ablaufende Teilprozesse - Reduktion & Oxidation - aufspalten.
In unserem Fall laesst sich die Reduktionsgleichung wie folgt schreiben:
Ag+ + e- --> Ag (gediegen)
Redmittel --> Redmittel+ + e-
Das hierfuer benoetigte Elektron (ein Elektron pro Silberkation) muss von einem im Reaktionsgemisch vorliegenden, geeigneten Red(uktions)mittel geliefert werden, das hierbei oxidiert wird. Geeignet heisst, dass die Oxidations- bzw. Reduktionspotentiale der Partner zusammen passen muessen (das Oxidationspotential von Ag+ in obiger Gleichung muss also groesser sein, als das entsprechende Potential des Reduktionsmittels). Entsprechende Werte findet man tabelliert (fuer Standardbedingungen) als sog. elektrochemische Spannungsreihe. Typische Beispiele fuer Redmittel waeren z.B. metallisches Zink oder Eisen (es gibt hier zahlreiche Moeglichkeiten).
Thomas (Harzgeist) hat hier schon einige interessante Anregungen geliefert, wie auch nachstehende Gleichung.
Die Gleichung "geht zwar auf", aber mir wird nicht ganz klar, was hier das Redmittel sein soll. Man kann sicher Wasser oxidieren (!), dies erfordert aber recht drastische Bedingungen. Das Potential der Wasseroxidation 2 H2O --> O2 + 4 H+ + 4 e- liegt bei + 1.23 V, waehrend das Potential der Silberreduktion (s. obige Gleichung) bei ca. + 0.8 V liegt.
Wer kann mich aufklaeren ?
GA
Harald
P.S.: Silber und Eisen bilden keine Legierungen.
--- Zitat von: harzgeist am 05 Nov 18, 11:50 ---
--- Zitat ---...
Na bitte, da haben wir doch die Lösung! :D
2AgCl + H2O -> 2Ag + 2HCl + 1/2 O2
--- Ende Zitat ---
--- Ende Zitat ---
ganomatit:
--- Zitat von: Axinit am 05 Nov 18, 18:44 ---Servus allerseits,
dieser Thread hat sich ja auf interessante Weise entwickelt !
Ohne irgend jemanden zu nahe treten zu wollen oder eines der hier beitragenden MA-Mitglieder vor den Kopf stossen zu wollen, stellen sich mir doch einige Fragen.
(1) Ich denke wir sind uns alle einig, dass es sich bei der Herstellung von elementarem Silber (Oxidationsstufe 0) aus einem kationischen Silbererz (d. h.. einer chemischen Verbindung, in der Silber in der Oxidationsstufe + 1) vorliegt, um einen REDOX-Prozess handelt.
(2) Dieser laesst sich, wie wir alle in der Schule gelernt haben, in zwei nicht trennbare, simultan ablaufende Teilprozesse - Reduktion & Oxidation - aufspalten.
In unserem Fall laesst sich die Reduktionsgleichung wie folgt schreiben:
Ag+ + e- --> Ag (gediegen)
Redmittel --> Redmittel+ + e-
Das hierfuer benoetigte Elektron (ein Elektron pro Silberkation) muss von einem im Reaktionsgemisch vorliegenden, geeigneten Red(uktions)mittel geliefert werden, das hierbei oxidiert wird. Geeignet heisst, dass die Oxidations- bzw. Reduktionspotentiale der Partner zusammen passen muessen (das Oxidationspotential von Ag+ in obiger Gleichung muss also groesser sein, als das entsprechende Potential des Reduktionsmittels). Entsprechende Werte findet man tabelliert (fuer Standardbedingungen) als sog. elektrochemische Spannungsreihe. Typische Beispiele fuer Redmittel waeren z.B. metallisches Zink oder Eisen (es gibt hier zahlreiche Moeglichkeiten).
Thomas (Harzgeist) hat hier schon einige interessante Anregungen geliefert, wie auch nachstehende Gleichung.
Die Gleichung "geht zwar auf", aber mir wird nicht ganz klar, was hier das Redmittel sein soll. Man kann sicher Wasser oxidieren (!), dies erfordert aber recht drastische Bedingungen. Das Potential der Wasseroxidation 2 H2O --> O2 + 4 H+ + 4 e- liegt bei + 1.23 V, waehrend das Potential der Silberreduktion (s. obige Gleichung) bei ca. + 0.8 V liegt.
Wer kann mich aufklaeren ?
GA
Harald
P.S.: Silber und Eisen bilden keine Legierungen.
--- Zitat von: harzgeist am 05 Nov 18, 11:50 ---
--- Zitat ---...
Na bitte, da haben wir doch die Lösung! :D
2AgCl + H2O -> 2Ag + 2HCl + 1/2 O2
--- Ende Zitat ---
Das hatten wir alles schon geklärt!
--- Ende Zitat ---
--- Ende Zitat ---
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