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Autor Thema: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?  (Gelesen 21769 mal)

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Offline geomueller

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Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« am: 14 Jun 05, 20:01 »
Hallo alle,

ich will hier mal ein meiner Meinung nach wichtiges und interessantes Thema anstoßen was bestimmt nicht nur mich ärgert.

Erschreckend fand ich in letzter Zeit auf den Börse und das mit steigender Tendenz was alles so für Fälschungen auf dem Markt sind und keiner macht auf die Fälschungen und "veränderten" Stücke aufmerksam, kein Händler kein Veranstalter und kaum ein Insider.

Erschreckend ist was momentan an nach- oder zurechtgeschliffenen Berg- und Rauchquarzkristallen auf dem Markt ist. Ganz zu schweigen von angeblichen Türkisen, bestrahlten "Rauchquarzen", gefärbten, geölten, gewachsten, gebrannten, gekebten Mineralien.

Teilweise wird die Sache auch gefährlich wenn unbedarften Eltern oder kleinen Kindern gezüchtete Kristalle von giftigen Substanzen wie Kupfersulfat, Blutlaugensalz u.a. abgeboten werden ohne darauf aufmerksam zu machen. In solchen Fällen bin ich schon öfter eingeschritten weil es nicht sein kann das Geschäftemacherei auf Kosten der Kinder geduldet wird. Dabei ist mir völlig wurscht wenn ich dabei bei den Verkäufern anecke, das ist einfach Verantwortungslos!

Kaum ein Veranstalter von Mineralienbörsen geht gegen solche Auswüchse vor! Mag ja sein das man manche Händler nicht verschrecken will, aber im Sinne einer guten Börse die ihren guten Ruf auch auf Jahre gerecht wird sollte man da schon handeln.

Was meint Ihr dazu?

Gruß Jürgen




Offline Micha

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #1 am: 14 Jun 05, 20:29 »
Von den Veranstaltern ist aus Gründen ihrer Interessenlage (Kostendeckung + Gewinn bei Strafe des untergangs) kaum eine Selbstkontrolle zu erwarten.

Ich denk, wir durchleben im Moment eine heiße Phase. Jeder Briefkasten organisiert eine Mineralienbörse, in der Hoffnung, haufenweise kauflustige Laien anzuziehen. Anbieter von toll aussehenden und billigen (unbedingt diese Paarung!) Dingen treffen den Nerv des Laien mit lockerem Geldbeutel (eine im Übrigen aussterbende Spezies). In ein paar Jahren wird sich Spreu von Weizen getrennt haben. Nur gute und wichtige Börsen (das müssen nicht die erfolgverwöhnten großen sein, ich denk da eher an die kleinen Treffen, die von Sammlern noch über Wasser gehalten werden) werden überleben. Viele werden wegsterben, denn die Nachfrage wächst nicht so schnell wie das Angebot an Tand.

Wir als Sammler können eigentlich nur eins: uns der alten Traditionen erinnern. Der Ursprung aller Börsen lag im Umgang der einschlägig Verrückten. Sammler für Sammler, Freaks unter sich. Plötzlich kommt der Moloch ins Spiel, und schon vergisst man die Kinderstube, in der Hoffnung, mit Veranstaltungen dieser Art die schnelle Kohle zu machen. Auf den Tauschbörsen vergangener Tage hätte man den "Müll" schnell des Platzes verwiesen.

Offline Ralf

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #2 am: 14 Jun 05, 21:32 »
Dieses Thema ärgert mich nicht nur als Sammler, sondern auch als Händler ungemein. Schließlich leiden auch die seriösen Händler ( und davon gibt´s zum Glück noch ne ganze Menge ) unter dem schlechten Ruf. Aus dem Gleichen Grund wehre ich mich auch vehement gegen Verallgemeinerungen. Es obliegt einzig und alleine dem Veranstalter, für Ordnung zu sorgen. Nun gibt es ja gemeine Fälschungen, die selbst Fachleute nur schwer erkennen können. Auf den beiden letzten Börsen in St. Marie aux Mines und München waren jedoch haufenweise plumpe Fälschungen zu sehen. Das Beispiel der bestrahlten Milchquarze aus Rumänien ist ja hinlänglich bekannt. Der Gipfel aber waren, ebenfalls von Rumänen angeboten, schlechte Quarzstufen in die man zwei oder drei Löcher gebohrt hatte. In diese Löcher haben die Kerle 10 - 15 cm lange chinesische Antimonitkristalle, bzw. Stücke davon gesteckt. Reines Mineralien-Ikebana. Über so was könnte man ja lachen, aber mir ist dann in München das Lachen vergangen. Hatte man sich dort doch groß auf die Fahnen geschrieben, eine saubere Börse zu veranstalten und Fälschungen, geölte Stufen sowie nicht ausgezeichnete Ware mit aller Konsequenz zu unterbinden. So geschah es dann, das an einem kleinen Stand ein Raucher erwischt wurde. Das Rauchen war ja ebenfalls streng verboten. Innerhalb kürzester Zeit waren zwei Herren der Messeleitung vor Ort, begleitet von zwei " Wachleuten " und falteten den armen Kerl hinter dem Stand regelrecht zusammen. Links von diesem Stand war ein Rumäne mit den besagten Ikebana-Stufen, rechts davon ein Chinese der auch nicht eine einzige Stufe ausgezeichnet hatte. Dazu hatte er wohl vor lauter einölen keine Zeit bekommen. Nun will ich den Verstoß gegen das Rauchverbot nicht verharmlosen, aber wo bitte ist denn da die Verhältnismäßigkeit.
Ich habe die Herren selbstverständlich darauf angesprochen, wurde aber professionell ignoriert. Nachher war dann überall zu lesen, daß die Veranstalter stolz auf ihre Rauchfreie Börse waren. Von Fälschungen keine Rede mehr. 
Nun, es mag tatsächlich so sein, daß auf diesen großen Börsen die Veranstalter auf jeden Aussteller angewiesen sind. Immerhin werden hier erkleckliche Standmieten bezahlt, Das rechtfertigt aber in keinster Weise das großzügige ignorieren von Fälschungen. bzw das selektive bestrafen von Verstößen.
Vollkommen unverständlich ist es mir bei kleineren Börsen, die zudem sehr gut laufen. Ihr müsst mal versuchen, auf einer solchen Börse einen Tisch zu bekommen. Da gibt´s Wartelisten von Meterlänge. Wenn ich dann sehe, was dort angeboten wird, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Würde man einen Händler mit gefälschten Sachen der Börse verweisen, wäre sofort ein anderer da der in diese Lücke springt. Manche kommen sogar auf Verdacht mit ihrem ganzen Plunder an und hoffen darauf, daß jemand mit Stand nicht erscheint. Hier kann die Standmiete also nicht der Grund sein. Was ist es denn dann ?? Ich weiß es nicht.

Ralf

Offline loparit

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #3 am: 14 Jun 05, 22:17 »
Hallo,
ich bin da ganz Eurer Meinung !!!
Wir veranstalten dieses Jahr mit unserem Verein nach  längerer Pause wieder eine Börse (die 17.) und haben festgelegt: kein Schmuck, keine Isoterik, keine Edelsteinbäumchen, keine gezüchtete Mineralien. Keine Stücke die nicht ausgezeichnet sind. Wir sind diese Börsen mit 80 % Schmuck und sonstigem Kitsch der nichts mehr mit dem Hobby Mineralogie, Parläontologie und Geologie zu tun hat satt und wollen versuchen wieder in unserer Region eine Börse für Sammler zu etablieren.

Gruß
loparit

Offline Hg

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #4 am: 14 Jun 05, 22:32 »
Ich kann mich da nur anschließen.
Am meisten regen mich immer die Esotheriker mit ihren weit überzogenen Preisen für ihren Kram auf >:(
Es gibt in meinem Umkreis kaum noch Börsen, bei denen man als Sammler noch interessante Stufen für seine Sammlung bekommt  :(.
Grüße
Hg

Offline Ralf

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #5 am: 15 Jun 05, 09:26 »
Jetzt will ich mal ein bisschen provozieren.  ;)

Viele regen sich über das viel zu große Angebot an Schmuck und Esotherik auf den Börsen auf. OK, kann man so sehen.
Nicht verstehen kann ich aber den Ärger über ein zu schlechtes Angebot für " echte " Sammler. Einige von Euch beklagen sich ja vehement über zu wenige Stände mit Sammlerstücken. Warum ist das denn so ??
Liegt es vielleicht daran, daß man damit einfach kein Geld verdienen kann ? Und wenn das so ist, kann man es dann den Sammlern und auch den Händlern übelnehmen das Sie sich nicht den Ganzen Tag auf eine Börse stellen um nachher vielleicht nicht einmal die Standkosten verdient zu haben ?


Drum frag ich einfach mal locker alle Kritiker. Ihr habt doch ganz bestimmt eine Menge an Doubletten aus Euren Eigenfunden. Auf welcher Börse finden wir Eure Stände ? Was genau ist Eure Forderung ? Eine Börse mit zu großem Schmuck und Esotherikanteil muß ich doch nicht besuchen. Das führt zwar dazu, das die ohnehin schon wenigen Interessanten Stände noch weiter abnehmen, weil sie noch weniger verdienen. Aber Strafe muß ja sein. Aber wen straft man denn mit seinem Fernbleiben ? Doch sicher nicht die Nippesverkäufer. Deren Kunden kommen sicher.

Wie wärs denn, wenn Ihr mal ne Börse nach Euren Vorstellungen organisiert ? Ist doch kein Problem, irgendwo ne Halle für ein Wochenende zu mieten. Natürlich bekommen nur Sammler mit selbstgefundenen Mineralien aus dem näheren Umkreis einen Stand und kein Stück darf mehr als 10 € kosten. Die Besucher müssen vor dem Eintritt einen Sachkundenachweis erbringen. Vielleicht anhand eines kleinen Fragebogens. Z.B:
Was ist eine Pseudomorphose?
a.) Eine Schmetterlingsraupe
b.) Eine spirituelle Seelenwanderung ( da fallen alle Esotheriker voll drauf rein )
c.) Eine Hautkrankheit
d.) eigene Antwort.................................................... ....................................

Das Ergebnis wäre ein Börse aus dem Bilderbuch. Oder vielleicht doch nicht ??

Aber Fakt ist, das die Nachfrage das Angebot steuert. Da beißt keine Maus den Faden ab.

Ganz so ernst meine ich´s natürlich nicht. Aber bitte, seht das Ganze mal aus der Sicht des Typen hinter dem Stand.



Gruß
Ralf




Offline Philip Blümner

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #6 am: 15 Jun 05, 09:53 »
@geomueller
Ich glaube die Veranstalter der Börse sind ebenso geldgeil wie die Verkäufer. Hauptsache es
wird verkauft! Aber glaubst du, dass jeder Veranstalter oder Hallenbetreiber so richtig Ahnung
hat, was verkauft wird? Weiß der, was ne Fälschung ist? Und wenn er es weiß, vielleicht ist es
ihm hintenrum egal, was der Sammler (zb du) sagt.

Gruß
slugslayer

Offline loparit

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #7 am: 15 Jun 05, 11:41 »
@Ralf

Ich Denke das Problem liegt sehr oft an den Veranstaltern der Börse. Denn die wollen meistens hohe Besucherzahlen woraus wieder ein entsprechender Gewinn resultiert (Eintritt, Verkauf von Essen, Getränke etc.)

Bei der Planung unerer Börse im November hatten wir im kleinen Kreis heiße Diskussionen deswegen. Ich war nicht bereit eine Börse zu leiten, mit Schmuck und dem ganzen Kram wie oben beschrieben. Natürlich war die Antwort aber kriegen wir die kleine Halle dann voll mit Ausstellern.
Die nächste Frage war, wollen wir Besucher, die nur kommen um Kaffee zu trinken und hier und da mal ein Steinchen kaufen, weil diese gerade mal schön glitzern oder wollen wir Fachpublikum.
Das was wir wollen, kann nur funktionieren, wenn der Betreiber der Börse nicht auf Gewinn aus ist. Dazu muß man den Ausstellern klar machen, dass bei einer solchen Börse, zu Beginn nach langer Pause durchaus auch mal kein allzugroßer Gewinn zu erwarten ist. Wenn Aussteller und damit meine ich gute Händler die durchaus Mineralien und Fossilien in ausgesuchter Qualität  anbieten und ich meine Sammler (Hobbyhändler) die Eigenfunde anbieten, bereit sind an einer solchen Börse teilzunehmen auch wenn der Gewinn in den ersten ein zwei Jahren eher gering ist. Dann Denke ich dass sich das einspielen wird und nach entsprechender Zeit auch genügend Sammler anreisen und der Verkauf dann auch wieder in die richtigen Bahnen geht.
Denn diese Aussteller oder wie auch immer man die Händler, Hobbyhändler und Sammler nennen will, wollen eigentlich keine Besucher die Busweise durch die Halle geschleust werden und letztendlich einen Handschmeichler für 2 Euro kaufen.

Wir werden versuchen mit geringer Standmiete den Kostenbeitrag für die Aussteller so gering wie möglich zu halten und dadurch auch tatsächlich wieder eine vernüftige Sammlerbörse zu erhalten.

Dass dieses Zeit braucht wissen wir, aber dass es funktioniert sieht man an verschiedenen kleineren Sammlerbörse die es gibt und die Sammler durchaus auch schon mal einige Kilometer in Kauf nehmen um dorthin zu fahren.

Also in wenigen Wörtern, interessante Börsen, Fachpublikum, Fachhändler-Hobbyhändler-Sammler die verkaufen, Bestimmungsmöglichkeiten, keine Esoterikfans, keine Ramschverkäufer, Keine Besucher nur wegen Kaffee und Kuchen etc.

Gruß
loparit

Offline Ralf

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #8 am: 15 Jun 05, 12:11 »
Hallo Loparit,


Du sprichst mir aus der Seele. Nur so kann man gute Börsen machen. Siehe z.B. Bergisch Gladbach oder Freisen.

Ich wollte mit meinen etwas provokativen Zeilen darauf Aufmerksam machen, daß es die Aussteller sind, die das Charma einer Börse ausmachen. Wenn sich nun einige darüber beschweren, daß das Angebot dieser Händler nicht´s für den ernsthaften Sammler ist, so mögen sie doch bitte darüber nachdenken auf einer oder mehreren Börsen selbst einen Stand zu eröffnen. Dort können sie genau das Material anbieten, welches sie so schmerzlich vermissen. Und natürlich werden sie in den ersten Jahren noch draufzahlen, aber das würden alle anderen ja auch tun. Aber nur so kann sich eine gute Börse mit einem ausgewogenen Angebot entwickeln.
Ich denke einfach, man sollte etwas zurückhaltender sein mit Forderungen, die man selbst nicht zu erfüllen bereit ist. Und nur schimpfen ändert sicher nichts.

Abgesehen davon sollten Fälschungen und sonstige Betrugsversuche mit einem sofortigen Ausschluß von jeder  Börse geahndet werden.

Abschließend noch ein Hinweis auf eine ganz ganz tolle Sache.
Die Tauschbörse, die die Trüffelschweine organisieren ist doch genau das, was man als Sammler braucht. Das Salz in der Suppe. Hier wird doch genauestens vorgeführt, wie und was man machen kann.

Gruß
Ralf

Offline kraukl

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #9 am: 15 Jun 05, 12:29 »
Hallo Sammlerkollegen !
Es ist unumstritten so, dass in den letzten Jahren die Zahl der Fälschungen
auf den Mineralienbörsen zunimmt.
Allein auf der letzten Börse in Gelsenkirchen und diese ist wahrhaft als klein
zu bezeichnen, gab es geklebte Vanadinitstufen, bestrahlte Rauchquarze aus
Rumänien, sehr gut gemachte (und teuer angebotene) Stufen Szepterquarz
aus Rumänien, gefärbte Rhodochrositstufen und und und.
Schmuck und Esotherik fehlte natürlich auch nicht!!
Das ist aber nur ein Beispiel meines letzten Börsenbesuches, die anderen
besuchten Börsen waren auch nicht "sauberer".
Meiner Meinung nach muß der Veranstalter das unterbinden. Für ihn heißt das
Kontrollgänge und auf Hinweise reagieren (wird aber nicht unbedingt gemacht)
Außerdem sollte der Veranstalter über genügend Sachverstand verfügen.

Als langjähriger Sammler kann man da schon selbst sondieren und man fällt kaum
auf die Tricks der schwarzen Schafe rein aber sicher ist man davor nicht!!
Was aber geschieht mit den Anfängern, die teure Fälschungen kaufen??
Da es üblicherweise auf diesen Börsen keine "Rechnungen oder Quittungen"
gibt, hat er noch nicht mal Beweise in der Hand um rechtlich etwas zu unternehmen.

Ich denke der von Loparit beschriebene Weg ist der Richtige und es bleibt zu
hoffen, dass der Erfolg nicht ausbleibt.
Wo findet diese Börse denn statt ???
Glückauf
Klaus
 

Offline loparit

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #10 am: 15 Jun 05, 13:43 »
Hallo

der Mineralogisch-, Geologische Arbeitskreis Saar e.V. (kurz MGAS) veranstaltet diese erste Börse am 20. November 2005 in Schwalbach-Hülzweiler im Saarland.

Ich schreibe bewußte erste Börse, denn bisher hatten wir immer Ausstellungen in Kombination mit einer kleinen Börse.
Dabei waren zwischen 30 und 45 Vitrinen mit bestimmenten Themen ausgestellt, welche die Vereinsmitglieder ausgearbeitet hatten. Und diese Mitglieder hatten dann auch einen Stand wo Sie verkaufen durften. Doch über die Zeitachse von 20 Jahren ist es natürlich immer schwieriger geworden interessante Themen für die Ausstellung zu finden. Auch wurde es immer schwieriger die Vereinsmitglieder zu immer neuen Ausstellungen zu bewegen. Als dann bei einem Hochwasser unser Vitrinenbestand mehr oder weniger zerstört wurde, hatten wir die Ausstellung eingestellt.

Nun wollen wir einen neuen Anfang  mit einer Sammlerbörse versuchen.

Zum Thema Fälschungen kann ich nur sagen, dass es natürlich an der Börsenleitung liegt, dies zu ändern. Doch wenn diese nur auf den Verdienst schaut, ist es nicht verwunderlich dass die Ramschhändler immer mehr zunehmen und dementsprechend auch die Fälschungen etc.

Oft fehlt den Veranstaltern aber auch das Wissen und die Erfahrung diese Dinge zu erkennen. :-\

Ich fahre nun seit 1999 in regelmäßigen Abständen nach Rumänien und habe schon viele Fälschungen gesehen, ob das geklebte Wolframite sind, geklebte Fluorite oder was sehr begehrt ist sind geklebte Scheelite.
Trotzdem bin ich einer Amethystfälschung fast auf den Leim gegangen.  :o :o
In Cavnic hatte mir ein Händler Amethyste angeboten, die waren so toll und da schon lange keine mehr gefunden wurden war ich begeistert.  ;D ::)
Zum Glück habe ich nicht gekauft, denn ein anderer rumänischer Händler (ein Zigeuner) hatte mich gewarnt und mir anschließen gezeigt wie die das machen.
Es gibt einen Farbstoff mit welchem man Fensterglas einfärben kann. Und mit diesem Farbstoff haben die fast transparente Quarze angestrichen. Danach den Quarz in ein stark verdünntes Salzsäurebad und anschließen gewässert. Die Farbe dringt in den Quarz ein (fragt mich nicht wie das möglich ist  ???). Aber das resultat war so Perfekt dass ich die falschen "Amethyste" fast gekauft hätte. Natürlich gab es viele die so schlecht gemacht waren, dass es sofort aufviel aber diese waren perfekt. Der Glanz etc. alles war dar und die Färbung stimmte. Das gleiche habe ich auch bei Fluoriten erlebt, die eben häufig weiß sind und auf weißem Calcit sitzen. Die wurden in ähnlicher weiße eingafärbt und man hat es fast nicht gesehen. Also gerade bei rumänischen Mineralien Augen auf.

Gruß
loparit
 

Offline Godot

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #11 am: 15 Jun 05, 14:19 »
Hallo,

sorry, aber ich glaube nicht, daß ein Händler, der gefälschte Stufen, Mineralien-Ikebana und gefärbte Kristalle abbietet, ohne daß er das kennzeichnet, ein Fall für die Börsenaufsicht ist. Das ist mindestens ein Fall fürs Gewerbeaufsichtsamt.

Bei einer Privatperson, die nicht viel Erfahrung hat, nur selten mal ein einzelnes Stück kauft oder verkauft, kann man Fehler verzeihen, aber ein Händler muß (!!!!!) in der Lage sein, zu erkennen, ob ein Stück so plump gefälscht, geölt oder sonst wie verfälscht ist. Wenn er diese Verfälschungen dann auch noch selber vornimmt, betreibt er organisierten Betrug, wenn er nicht mitteilt, was er da verkauft.
So etwas kann man als Börsenleitung nur dann unterbinden, wenn man von vorne herein mit der Gewerbeaufsicht zusammen spielt und dort jemanden erwischt, der sich damit auskennt. In der Regel sind diese Leute dort sehr umgänglich, insbesondere wenn man sie auf bekannte Probleme im Vorfeld hinweist. Kein Wunder, eine hohe Zahl von erwischten Unregelmäßigkeiten erhöht die Chance auf Beförderung.
Übrigens gibt es ja auf jeder Börse eine Börsenordnung. Eine hervorgehobene Klausel wie

"Alle Händler verpflichten sich, ausschließlich unverfälschte Stücke anzubieten. Das Anbieten von gefärbten oder bestrahlten Mineralien ist nur dann erlaubt, wenn sie als solche deutlich sichtbar gekennzeichnet sind, Monturen und Abgüsse müssen ebenfalls deutlich sichtbar gekennzeichnet sein, das Anbieten von geölten Stücken ist verboten. Ein Verstoß führt zum sofortigen Börsenausschluß, der Veranstalter behält sich vor, in solchen Fällen Anzeige wegen Betrugs bei der örtlichen Staatsanwaltschaft zu stellen sowie den Verstoß beim DMF zu melden."

schafft Rechtssicherheit und eine sichere Arbeitsposition, insbesondere wenn der Händler diese bei Bezug seines Standes auch unterschreiben muß.

schöne Grüße

Tobias

Offline kraukl

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #12 am: 15 Jun 05, 14:36 »
Hallo Thobias,
soviel zur Theorie....
Die angesprochenen "Rumänen" sind in dem Sinne keine Händler bzw. Gewerbetreibende.
Soweit mir bekannt ist, haben die wenigsten auf einer Mineralienbörse einen Gewerbeschein,
daher bekommt man auch kaum eine Rechnung.
Natürlich hast du Recht, das ist eindeutig Betrug aber wenn es keinen Nachweis gibt??
Wie "erwischt" du (angenommen die Fälschung bemerkst du wenn die Börse vorbei ist) einen fliegenden Händler??
Mir scheint, wer auf Börsen einkauft, muß dieses Risiko in Kauf nehmen oder es sein lassen.
Wie schon gesagt, "alten Hasen" kann man nicht so leicht Fälschungen unterschieben aber
was ist mit den Anfängern???
Man sollte vielleicht Warnschilder am Eingang der Börsen aufstellen ! ???
Glückauf
Klaus

Offline Godot

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #13 am: 15 Jun 05, 15:20 »
Hallo Klaus,

soweit ich weiß, muß alles, was nicht 100%ig so ist, wie es scheint, gekennzeichnet sein. Wenn eine Stufe geölt ist, obwohl es nicht dran steht, ist das bereits ein Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln, egal ob sie verkauft wird oder nicht. Bei einigen Börsen, auf denen Fische verkauft werden (da kenn ich mich besser aus) geht vor der Eröffnung der Börse der Börsenwart zusammen mit dem zuständigen Amtstierarzt herum und begutachtet jeden Stand. Es gab da Börsen, bei denen jeder 3. Händler wieder gehen durfte, teilweise direkt mit einem satten Bußgeldbescheid.

Bei dem entsprechenden Rumänen wäre das dann versuchter gewerbsmäßiger Betrug und damit ein Grund, ihn vor der Eröffnung der Börse mindestens wieder zusammenpacken zu lassen. Wenn der Veranstalter ein oder zwei Jahre nach Zahlung der Standmiete, aber vor Eröffnung der Börse nach Hause schickt, wird sich das schnell rumsprechen.

schöne Grüße

Tobias

Offline Collector

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Re: Machtlos gegen Fälschungen auf Börsen?
« Antwort #14 am: 15 Jun 05, 15:48 »
Hi, wollte auch mal meinen Senf als langjähriger Börsenbesucher ( und nach 6 x Standinhaber in München ) dazugeben.. möchte auch n bisschen provozieren am Beispiel einer großen Börse

Ihr habt auf jeden Fall alle Recht mit allem was Ihr sagt !

Gefälschte, geklebte, gefärbte und sonstwie unnatürlich veränderte Mineralien sind ein Übel und ein Graus und zum Kotzen für den Sammler, der auf einer Börse authentisches, echtes, garantiert einwandfreies Material erwartet und auch bereit ist, dafür Geld auszugeben.

Das zweite Übel  sind nicht wenige Veranstalter, die mit Börsen Geld verdienen und immer mehr verdienen wollen.
Siehe Saainte Marie - die haben schon die nächste Ausbaustufe für die Schmuckhändler beschlossen und keiner hat Probleme damit !
...Money, money let`s the world turn round, let`s the world turn round.... )

Aber, aber, aber - jetzt kommts - ohne  daß ich auch nur einen rumänischen oder chinesischen Händler in Schutz nehmen möchte :

1. Niemand zwingt Euch, gefälschte Stücke zu kaufen !

2. Niemand kann einem Händler mit oder ohne Gewerbeschein verbieten, Ware anzubieten, die letztendlich gekauft wird.
Was das nun ist, bleibt doch letztlich dem Verkäufer überlassen  - solange es gekauft wird ! Das ist uralter Handelsbrauch, und Börsen sind nichts anderes als Märkte .

GEHT MAL AM MONTAG ZUM ALDI ODER PENNY - DA LIEGEN DIE GAMMELIGEN SALATE UND TOMATEN VOM FREITAG - UND SIE WERDEN GEKAUFT 11

3. Ich mag weder Schmuck noch Esoterik auf Mineralienbörsen. Aber - Leute - das isses, was sich verkauft !
Die meisten Besucher kommen wegen " schöner Steine " - schön, bunt, skurill, , muß heilwirkend sein, billig - das ist der Kaufgrund ! Und ob diese Brocken nun echt, geklebt oder gefärbt sind - das interessiert die meisten doch überhaupt nicht !

Die suchen nicht den Magnesiokatophorit in Amphibolit mit garantiertem Fundort zu 20.- Euro !

Aber die Händler wissen, daß eben diese bunten, geklebten, montierten etc. Stücke gekauft werden !

DIE LEUTE WOLLEN VERARSCHT WERDEN  !!!

Wie anders ist es erklärlich, daß einer der Hauptverkäufer auf der Heitersheimer Börse ( an sich ne ganz gute Börse ) seinen 2-Tagesreibach mit einer riesigen Auswahl von winzigen Trommelsteinen - aber bunt und für jede Krankheit ein anderer - macht ? Warum schreitet hier eigentlich nicht das Gewerbeaufsichtamt ein, - ist schon kriminell )

DIE LEUTE GLAUBEN ES !

4. Ich hab mal vor n paar Jahren ne Statistik über die Münchner Mineralientage gelesen, bezogen auf das "Ausgabeverhalten "

Von 100.000 Besuchern gaben für ihre Käufe aus ( Großhandel ausgeschlossen)

-80 % weniger als 20.- DM
- 5 % mehr als 50.-
- 3 % zwischen 50.- und 200.-
und nur ca. 2 % mehr als 200.-

Wo soll denn da der Umsatz des Händlers herkommen ?  Wie soll er seine Kosten decken ?

denn:

-Vom Standaufbau (München) bis zum Abbau = 5 Tage = 4-5 Tage Übernachtung pro Person; wenn Standhelfer noch mal das gleiche ( 2 Zimmer )
-Fünf Tage Essen und Trinken ausserhalb zuhause
-An- und Abfahrt nach und von München ( bei manchen kommen da locker 1000 oder mehr km zusammen)
-Standmiete ( zZt ca. 25o € pro lfd. Meter)
-Licht kostet extra

+ plus
Einkaufskosten der Ware ! Plus Zoll bei Nicht-EU-Anbietern ! Plus Versand ( wenn Anbieter nicht aus Europa )

Der "arme" Chinese, Marokkaner oder Rumäne muß da erst mal 1.500 bis 2.500 € hinblättern bevor er auch nur eine Stufe verhökert. Ist es da nicht zu verdenken, daß da mancher seine Schätze verkaufsfördern aufpäppelt !
(früher haben die Pferdehändler ihren Tieren geringe Mengen Arsen zum Fressen gegebenm damit das Fell glänzt; der Türke aufm Markt giesst ständig Wasser übern Salat, das sieht besser aus und macht schwerer; schon Michelangelo hat Fehler an seinen Bildhauereien mit Steinmehl zugeklebt - alles, alles schon dagewesen - UND WIRD GEKAUFT ! )

Oder man muß eben das Sortiment erweitern mit Schmuck, Perlen oder gezüchteten Kristallen - es wird dafür bestimmt Käufer geben. Die Praxis zeigts.


Ich bin sicher, daß sich irgendwann mal "echte" von " den "gewöhnlichen" Bören trennen werden. So sollte es und könnte es auch sein.

Aber - dann muß man halt auch damit leben, daß es dann auf diesen "echten Sammlerbörsen " halt ein Überangebot an eigenen Funden geben wird: Calcit, Calcit, Calcit, Quarz, Quarz, Achate, Rockenberger Sandrosen und vielleicht n paar Mikros von den deutschen Halden.

Aber nen chinesischen Fluorit muß man dann trotzdem in München, Sainte Marie, Stuttgart oder snstwo auf ner großen Börse kaufen - und verdammt nochmal - vorsichtig sein !

Wie gesagt - und dieser Artikel ist viel länger geworden als ich wollte - keiner zwingt Euch, Schrott zu kaufen !

Noch`n Nachsatz: Es sind bei Gott nicht nur die Rumänen, Chinesen, Pakistaner etc.: Ich könnte Euch ad hoc auch "renommierte" deutsche Händler nennen, die bewußt Fälschungen verkaufen ! Besonders, wenns um seltene Mineralien geht, die angeblich analysiert sind ! Für viel Geld !

collector