Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals

Börse Sainte Marie - Kurzbericht - Was gabs Neues ?

<< < (8/10) > >>

Ralf:
Hallo Inschala,

was Das handeln betrifft gebe ich Dir vollkommen recht und widerspreche gleichzeitig energisch.

Ich bin ja nun auch gewerblicher Händler und bei mir is nicht viel mit handeln. Meine Preise sind knallhart durchkalkuliert und es gibt da keinen Feilschaufschlag, den ich dann runterhandeln lasse. Ich halte das für unfair meinen Kunden gegenüber und sehe überhaupt nicht ein, warum ein zaghafter Verhandler wesentlich mehr für ein Stück bezahlen soll, als ein gewiefter Fuchs. Klar gibts schon mal einen kleinen Mengenrabatt oder einen Nachlass bei einem Stück, das schon lange in meinem Lager steht. Das wars.

Im völligen Gegensatz sehe ich aber die Sache bei Marokkanern, Chinesen und Rumänen. Nicht weil ich etwas gegen diese Menschen habe, sondern weil ich ganz genau weiß, daß es in aller Regel abgezockte Verkäufer sind. Ich verurteile das auch gar nicht, warum auch.
Aber....
Erstens haben fast alle Ihre Läger in Frankreich oder hier in Deutschland. Zweitens sind weder die Einkaufspreise noch die Transportkosten so unglaublich hoch, drittens zahlen sie in aller Regel keine oder nur geringe Steuern und Sozialabgaben und viertens haben die eine völlig andere Mentalität wenns ums Verkaufen oder die Preisfindung geht.
Die Preise werden z.T. mit mehreren 100% Aufschlag festgelegt um einen ausreichenden Spielraum zum Feilschen zu haben. Du kannst mir glauben, das 95% aller Stufen für einen höheren als den kaufmännisch ermittelten Preis weggehen. Weiter ist es ganz sicher, daß auch nicht ein einziger dieser Händler ein Stück ohne Gewinn weggibt.
Von daher ist feilschen angesagt, bis der Verkäufer abwinkt.  Man muß sich auch darüber klar sein, daß man als Dummkopf angesehen wird, zahlt man einen zu hohen Preis und in deren Augen an Respekt gewinnt, wenn man als harter Verhandlungspartner auftritt.
S´is halt eine völlig andere Mentalität.
Und es ist auch ein Unterschied, ob ich an einem Stand mit Massenware stehe, oder an einem mit ausgesuchten Einzelstücken. Ich denke das jeder, der nicht mit dem Klammerbeutel gepudert wurde weiß, daß ein excellentes Stück in aller Regel auch einen excellenten Preis hat. Es ist sicher blödsinnig zu versuchen, ein hochwertiges 200€ Stück für 50 haben zu wollen. Es ist aber mindestens genau so blödsinnig für ein 50€ Stück 200 zu bezahlen.
Das eigentliche Problem der Verkäufer ist doch die Sorge, das die Kunden mit den reell kalkulierenden genauso feilschen wollen wie mit Marokkanern oder Chinesen. Ich glaube aber, da werden die Kunden gewaltig unterschätzt. Jeder Sammler weiß in der Regel in etwa den Wert einer Stufe richtig einzuschätzen und ist auch bereit, einen fairen Preis dafür zu zahlen. Oft reicht ein freundlicher Hinweis auf die Preise von vergleichbaren Stufen an anderen Tischen und die Aufforderung es dort zu versuchen allemal aus.



Ralf





der Sauerländer:
Hallo inschala

Natürlich sehen wir das aus anderen Blickwinkeln. Ich könnte mir jetzt das Leben einfach machen und sagen: das ist das Risiko des Händlers.
Möchte ich aber nicht. Selber habe ich aus Frankreich vor vielen Jahren Fossilien geholt und versucht, einige davon zu verkaufen. Da biste 2000 km gefahren, hast malocht und bei 4,-DM haben die Leute gemault. Da hau ich lieber mit`m Hammer drauf.
Mein Problem ist die Willkürlichkeit der Preise. Ich rede nicht von Pederneira- Turmalinen oder Sweet-Home Rhodos. Ich rede von z. B. Scheeliten aus China, wo bei vergleichbaren Stücken ein mal 40,-€ erhandelt werden können und 10 Meter weiter 1.400,-€ dran steht. Ich rede von Fluoriten, die massenhaft da sind, gut geölt, damit sie nicht quietschen und der erste Preis um bis zu 60% gedrückt werden kann. Ist mein "Geschäftsgebahren" dann unsittlich? Einen fairen Preis aktzeptiere ich, einen Phantasiepreis nicht.
Dass ich irgendwie recht habe, beweisen die Händler mit ihren eklatant unterschiedlichen Vorstellungen bei vergleichbaren Stücken. Vor Jahren habe ich in München einen Hübnerit für um die 200,-DM erstanden. 10 Meter weiter ein vergleichbarer für 3.600,- DM. Gute Ilvaite kosteten damals bis 3.000,- DM. Ich habe 180,- bezahlt. Sehr gute Vivianite aus Bolivien damals nicht unter 1.000,- DM. Meiner für 270,-.
Was ist fair? Was ist Phantasie? Bei einem Diamanten ist das ziemlich klar geregelt. Gewicht, Reinheit, Farbe, Schliff  usw
Aber ein Feldspat? Hmmmmmhh....
Ein Stein ist das wert, was Jemand bereit ist, dafür zu zahlen.

Mein Erfolgserlebnis in St. Marie waren keine Steine für 15,-€. Sondern Menschen.

Dir noch gute Geschäfte......

der Sauerländer:
Hallo Ralf

Da haben sich unsere Einträge überschnitten. Gebe dir voll und ganz recht.

Bei meiner letzten Runde am Sonntag habe ich bei einem Italiener noch zufällig ein Flat mit Anatasen gesehen. Auf meine Frage gab er mir seine Preisvorstellung an. Auf meine zweite Frage nach einem best Price sagt er lächelnd: "ich bin kein Chinese!"
Er hat sein Geschäft gemacht! Und wir hatten beide ein gutes Gefühl. Damit kann ich leben.

Ralf:
Hallo Sauerländer.

Das mit den Anatasen ist genau das, was ich meine und was ich als Händler auch immer wieder erlebe. Positiv für beide Seiten.

Gruß
Ralf

der Sauerländer:
Sehr verehrter und hochgeschätzter Peter McS....

Ihre Einstellung zum Bunkern von Erz- und anderen russischen Spezialitäten kann ich nicht nachvollziehen >:( :-X
Diese Vorgehensweise halte ich für in höchstem Maße unsozial :-[
Was soll aus all den Sammlern werden, wenn Sie, Peter Mc S..., die wahren Schätze Russlands in ihrem Keller vor kaufwütigen, gierigen, Sammlern verbergen und selbstsüchtig ihr Ego pflegen?

Also Peter....rück die Läggen raus :) ;) :D ;D ;D ;D (Läggen ist ein plattdeutscher Begriff für Steine)

Wilhelm (nach 1 Kanne Bier) 8) ::)

P. S. mir gehts, nach dem schönen Wochenende in St. Marie, ziemlich beschissen. Wir mussten heute 210 Leuten kündigen. Der schwärzeste Tag meine beruflichen Laufbahn. Da hilft nur hilfloser Humor. Sorry.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln