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Granit von Puerto de Santiago, Teneriffa

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Conny3:
Hallo,

vor knapp 20 Jahren, auch Ostern 2002, führte mich eine Wanderung in dieses Tal aus granitähnlichem Gestein 22). Es ist das Gebiet, was im Vorbeitrag in der Geologischen Karte gezeigt wurde. Damals gab es sehr viel Regen und ein Bach durchfloss das Tal. In einem kleinen Steinbruch (?) war sogar Wasser (11). Unterhalb gab es im Geröll sogar Epidot, wie ich ihn sonst nur aus granitischen/diabasähnlichen Gesteinen her kannte.

Gruß Conny

Conny3:
Hallo,
hier noch ein paar Hinweise zu den prävulkanischen Vorkommen (auch Sedimentgesteine). Im Betancuria Massiv (dort sind die damaligen Aufnahmen entstanden), gibt es auch epidotisierte dunkel Shales, Sandsteine, Marmor und Plutonite (Gabbros, Diorite, Syenit und Pyroxenite).
Es ist auch von "freien Quarz" die Rede (Quarzgänge).
Literatur: Sammlung Geologischer Führer 81, P. Rothe, 1996, Bornträger Verlag.
Zu Teneriffa (Grundgesteine) habe ich dort nichts gelesen. Scheint eine Besonderheit von Fuerteventura zu sein. Den Epidot suche ich noch in der Sammlung (auch ein eventuell vorhandener "Pegmatitbeleg"). Basaltische Gänge durchziehen das "Grundgebirgsmassiv". So auch am "Steinbruchteich" im Bild 11 (Vorbeitrag). Da werde ich wohl nie wieder hin fliegen bzw. hinkommen. >:(

Gruß Conny

humboldt:
Hallo liebe Freunde,
ich freue mich, dass ihr euch Gedanken üner meine Granite von Teneriffa macht Als ich den ersten als Lesestein an der Playa Enramada gefunden habe (in schön abgerundeten Zustand) sah er  aus wie ich  rosa Granite aus der Oberpfalz schon kannte. Rosa Orthoklas (durch Hämatit gefärbt), farblosen Plagioklas und schöne transpararente Quarze. Ich konnte es, wie ihr, nicht glauben. Granit auf Teneriffa?. Ich schickte ein Muster an Stefan Weiß von Lapis, der mich auch nach ein paar Tagen anrief und mir erklärte, dass es sich hier um Granit handele und die schwarzen Plättchen darin wohl als Biotit anzusprechen seien. Da das Gestein noch eine Anzahl weiterer Phasen enthielt, schickte ich ein weiteres Muster an Prof. Leusmann nach Köln, der eine XRD-Analyse anfertigte Das Ergebnis war zunächst die Bestätigumg von Quarz, Orthoklas, Plagioklas und Biotit. Somit ein Granit (Feldspat-Quarz und Glimmer-die vegess ich nimmer) Die Körnung passte  auch, für einen Rhyolith war sie zu grob. Interessant war die weitere Mineralisation, die ich im Atlas ja von der Plaja Enramada beschrieben habe. Sie zeigt einen Granit, der eine erhebliche hydrothermale Überpräung erfahren haben musste. Soweit dieaer Fall. Für den Fund von Puerto de Santiago gilt ähnliches, er gehörte auch zum Strandgeröll. Nur habe ich mir hier eine XRD-Analyse geschenkt, sie ist nicht grade billig. Die Mineralisation auf dieser Stufe ist ähnlich, nur wird der Biotit hier durch einen Clinopyroxen ersetzt.
Nun zur Herkunft von Plutoniten auf Teneriffa. Diese sind im Anstehenden nicht aufgeschlossen, sind somit auch auf keiner Geologischen  Karte verzeichniet. Die von mir gefundenen Plutonite sind Syenit, Nephelinit-Syenit und Granit und stammen alle aus den Klasten der Pyroklastischen Ströme, die der Vorläufer des Pico de Teide (Las Canadas Vulkan) über die Insel und darüber hinaus gestreut hat. Plutonite entstehen aus hydrothermal überprägten Vulkaniten im Dachbereich des Vulkans, wo sie durchaus einige tausend Jahren hängen könne, bis sie durch ein neuen pyroklastischen Ausbruch ausgetrieben werden. Aus einem Rhyolith wird ein Granit, vielleicht auch ein Monzonit. Da Rhyolithe auf Teneriffa sehr selten sind ist mit dem Vorkommen von Granit auch nur selten zu rechnen.Häufiger vorkommender Trachyt und Phonolit führt zu Syenit bzw. Nephelin-Syenit, deren Mineralisation ich ja von einigen Fundstellen beschrieben. Weiteres findet ihr auch im Aufschluss 2021_Heft1
Noch Fragen?
Euer humoldt

oliverOliver:
Hallo Humboldt,
danke für die ausführlichen Erläuterungen.
Aber mit der Erklärung „Plutonite entstehen aus hydrothermal überprägten Vulkaniten im Dachbereich des Vulkans,“ tu ich mich mehr als schwer –
Plutonite sind doch definitionsgemäß Tiefengesteine (und damit unter den Magmatiten das genaue Gegenteil von Vulkaniten). Aus einem hydrothermal überprägten Vulkanit kann somit m.E. kein Plutonit entstehen – sondern eben ein alterierter Vulkanit oder allenfalls eventuell ein (Niedrigdruck-)Metamorphit.
„Das Ergebnis war zunächst die Bestätigumg von Quarz, Orthoklas, Plagioklas und Biotit. Somit ein Granit (Feldspat-Quarz und Glimmer-die vegess ich nimmer)“
Auch hier bleibe ich skeptisch – jeder Granit besteht zwar aus „Feldspat Quarz & Glimmer“, der Umkehrschluss (dass alles, was – überwiegend – aus diesen 3 Komponenten besteht, auch Granit ist) ist aber m.E. nicht zulässig – da spielen z.B. die Bildungsbedingungen (neben Gefügestruktur etc.) eben eine gewichtigere Rolle.

Soweit zumindest meine Sichtweise   ;)

Lg + ga
oliver

humboldt:
Hallo Oliver,
schön dass wir in eine Diskussion eintreten können
zunächst zu meinen Graniten von Teneriffa. Sie enthalten alles was ein Granit benötigt: Kalfeldspat, Quarz, Plagioklas, wie man auch einem  Streckeisen-Diagramm entnehmen kann. Und das in etwa gleichen Anteilen. Weiter ein gleichkörniges Gefüge, kein porphyrisches. Wenn  ich ein Gestein mit diesen Attributen im Gelände finde ohne dass ich eine Beziehung zu Anstehenden finde, so ordne ich es als Granit ein. Akzessorien sind auch da. Aber nur von untergeordneter Bedeutung.
Der Entstehungsort des Gesteins ist natürlich spekulativ. Der Fundort sind pyroklastische Ablagerungen aus dem Teide-Vorgänger, der hauptsächlich phonolthische Bimse und Ignimbrite produzert hat. Mittransportierte Klasten stammen entweder aus der Magmenkammer oder aus Sekundärablagerungen,die schon aus früheren Ausbrüchen stammen. Der Granit entstammt somit höchstwahrscheinlich der Magmenkammer. Und hier bin ich bei meinen Nachforschungen auf einen Artikel in Lithos gestoßen, der sich mit der Herkunft der Nephelin-Syenit, ebenfalls ein Plutonit auf Teneriffa, befasst. Der Autor J.A. Wolff begründet  die Entstehung des Nephelin-Syenits im Dachbereich des Vukans, also in der breiigen Zone  eines phonlithischen Magmas. Ich möchte hier nicht weiter  darauf eingehen, ich hänge den Artikel einfach dran. Wenn das geht. Analoges wäre also auch für die Entstehung des Granits denkbar. Und der ist  wirklich ein Granit.
Mfg
humboldt
PS Der Artikel ist leider zu groß für die Übertragung. Ich versuche es mal mit der Zusammenfassung

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