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Neid unter den Sammlern
loparit:
Hallo Stefan,
ich für meine Person habe noch nie eine Fundstelle geheim gehalten ! Ganz im Gegenteil, meistens habe ich andere Sammler gefragt ob sie mit gehen wollen. Doch oft sind denen die Strapazen zu hoch.
Ein anderes Mitglied aus diesem Forum hat vor einigen Wochen bei mir angefragt, ob ich ihm Kontakte in Rumänien nennen können, da er dort eine Exkursion hin machen will. Als ich dies nun letztes Wochenende mit einigen Kollegen auf der Börse in Wolfach besprochen habe, meinten die allesamt dass ich meine Quellen nicht weitergeben soll. Schließlich hätte ich doch mehrere Jahre gebraucht um dort die entsprechenden Kontakte zu knüpfen. Dazu käme auch noch, dass dieser Sammler auch handeln würde. Ich habe bei meinem letzten Aufenthalt jetzt im Juli in Rumänien schon mit einigen Bergarbeitern gesprochen und darauf vorbereitet dass jemand vorbei kommt um eventuell Mineralien zu kaufen und die Gruben zu besuchen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen warum ich diese Informationen für mich behalten soll. Hätte ich vor einigen Jahren jemanden gehabt der mir geholfen hätte wäre ich auch froh gewesen. Ich für meinen Teil, werde die Informationen weitergeben und wenn er dort schöne Stücke bekommt ist das doch gut.
Genauso hatte ich vor einigen Jahren eine Erfahrung mit einem Mitglied aus diesem Forum, der noch sehr Junge Sammler hatte Neufunde von einer Fundstelle die ich bereits kannte, was er allerdings nicht wußte. Und beim tauschen übergab er Stücke (an einen Sammlerkollegen) jedoch ohne Fundortangabe, weil er die Fundstelle nicht preisgeben wollte. Ich habe dann auf den Tausch verzichtet. Zwischenzeitlich hat sich dieser Sammler von dieser Einstellung her komplett gedreht und gibt Informationen gerne weiter -unter anderem auch in diesem Forum-.
Ich Denke wenn wir beginnen, wie bereits weiter unten beschrieben, die Fundstellen nicht als unser Eigentum anzusehen erst dann wird diese Denkensweise aufhören. Aber ich persönlich glaube nicht dass sich das durchsetzen wird, was aber nicht heißt, dass ich mich genauso verhalten muß.
Gruß loparit
Stefan:
@Loparit
Lobenswerte, vorbildliche Einstellung die hoffentlich viele Nachahmer findet.
Gruß Stefan :D
smoeller:
Hallo,
Auch wenn das Thema schon ein Jahr alt ist, will ich mich hier mal beteiligen.
Ich bin gerne bereit, anderen Sammlern Fundstellen zu zeigen bzw. Tipps dazu zu geben, nur mache ich dies am Liebsten per PN oder Mail. Auch bei persönlichem Kontakt, z.B. an der Grube Clara bin ich gern zu einem Austausch bereit.
Habe auch bereits einige Fundstellen hier im Lexikon veröffentlicht (Schapbach,Lahr,Silberbrünnle,Joldelund, Eckernförde usw.).
Werde aber einen Teil der FO, die ich sehr gut kenne, wohl nicht im Lexikon veröffentlichen. Dies hat weniger mit Geheimniskrämerei zu tun, als mit der berechtigten Sorge um die Fundstellen und der Sorge vor Raubgräbern. Jedem Mitglied des Mineralienatlas und jedem interessierten Sammler, der an mich herantritt, werde ich gern weiterhelfen.
Hier einmal einige Worte zu dem Aufwand eines erfahrenen Sammler:
1. Habe unter anderem mehrere tausend Seiten Veröffentlichungen zu den FO und Mineralien des Schwarzwaldes und Kaiserstuhls durchgearbeitet, neben meinem Studium.
2. Habe sämtliche gefundenen Koordinaten in den Standardwerken in mühevoller Arbeit in die TK 25 übertragen. Das Ergebnis füllt zwei Aktenordner nur für den Schwarzwald und ist noch nicht ganz vollständig.
3. Mehrere Tausend gefahrene Kilometer im Jahr.
4. Eintrittsgelder (Grube Clara), Unterkunftskosten (der Schwarzwald ist noch echt günstig), Verpflegung.
Dies soll keineswegs ein Wehklagen sein, denn man hat ja auch viel Spaß bei der Suche und meist auch recht gute Funde.
Wenn ich Mineralien verkaufe, so geschieht dies lediglich zur Reduktion überschüssiger Stücke.
Niemals wird ein Sammler mit seinen Eigenfunden auch nur annähernd die Kosten einer solchen Exkursion decken können. Selbst wenn ich alle gefundenen Stücke verkaufen würde (und könnte, wohl jeder weiß wie schwierig das ist), käme ich auf weniger als die Exkursionskosten. An der Clara müsste ich schon jeden Tag 3-4 Rankachite oder so etwas finden, um nur annähernd die Gesamtkosten wieder reinzuholen.
Manche Fundstellen erfordern stundenlange Recherche und womöglich noch die Suche in sämtlichen Bibliotheken und einen halben Tag im Netz. Bei anderen findet man nach einem halben Tag Suche im steilen Gelände drei kleine Stückchen von was seltenem. Wenn sich die Suche dann nach ein paar Jahren mal auszahlt, will man natürlich nicht, dass jeder kommt und die Halde oder der Felsen bald einem Bombentestgelände gleicht.
In dem Quarzgang beim Silberbrünnle fanden sich vor einigen Jahren noch gute Stüfchen mit sek. Bleierzen. Als sie dann (kubischen) Schapbachit dort entdeckten, haben sie dort mit Sprengkapseln gearbeitet. Jetzt ist dort ein kleiner Tagebau mit Wasserlache. ZU finden kaum noch was.
Da brauche ich mir nun wirklich nicht mehr zu überlegen, ob ich eine kaum erforschte Fundstelle veröffentliche.
Noch kann man im Schwarzwald nahezu überall (ausser in einigen Steinbrüchen) noch ungestört suchen. Die Förster sind manchmal am Anfang noch reserviert bis verärgert (wegen der Löcher im Wald), tauen dann auf und geben sogar noch Tipps. Nur sollte man ihre Freundlichkeit nicht auf die Probe stellen. Sonst enden bald alle Sammler auf dem Polizeirevier.
Wer Interesse an FO im Schwarzwald/Kaiserstuhl hat, kann diese jederzeit von mir bekommen.
Als Regionalsammler ist man auch auf Infos anderer Sammler angewiesen. Man bekommt diese meist auch problemlos. Allerdings muss man immer auch daran denken, dass die Informanten meist auch schon die Fundstelle abgesucht haben. Man wird nach dem erfolgten Besuch aber auch darauf achten erst einmal selber einen Querschnitt durch die Paragenese bekommen zu haben. Erst dann gibt man seinerseits den Fundort weiter.
Werde immer abwägen zwischen dem Risiko, die Fundstelle weiterzugeben und diese bald darauf in zerstörter Form wiederzusehen und dem berechtigten Interesse der Allgemeinheit. Grundsätzlich sage ich auch nicht, dass es "meine" (private) Fundstelle ist, wenn jemand Interesse daran hat, bin aber vorsichtig, solange noch nicht alle von dort bekannten Mineralarten in meiner Sammlung sind, an wen ich die Infos gebe.
Denke, dass jeder Sammler ein wenig egoistisch ist und gern einmal ein paar Infos für sich behält. Wen wunderts, wenn die FO hinterher total zerstört sind und man nur noch Coladosen in drei Metern Tiefe findet.
Glück Auf!
Smoeller
Karen_Kasumi:
Huhu^^
Ich hab mir grad die Mühe gemacht und tatsächlich einmal alle eure (mit wahrscheinlich noch größerer Arbeit geschriebenen) Beitraäge durchgelesen und muss sagen: ich stimme euch zu :).
Ich persönlich denke, dass man dem Wert eines Minerals eigentlich gar nicht an dem messen kann, was man auf der Börse, etc. dafür bekommt. Viel größer und wichtiger sind doch die Erfajrungswerte und Erinnerungen, die man damit verbindet, also die individuelle Bedeutung für einen Sammler. Ich selbst sammle ja noch nicht sehr lange und habe deswegen nur weniges Gutes in meinem Schrank (also Selbstgefundenes, nicht Gekauftes!).
Einen kleinen Granat besipielsweise (nur 3mm Durchmesser) war der erste, den ich je in meinem Leben gefunden hatte. IM Prinzip ist er wertlos, aber ich würde ihn für keine Summe der Welt hergeben wollen, weil er mir so viel bedeutet. Damals saß ich zwei geschlagene Stunden am Ufer der Binn und hab den Sand durchgewühlt und ein paar kleine Granate zu Tage gefördert. So was macht mich einfach nur glücklich :D Auch wenn die Differenz von Wert gegen Mühe sich stark vergrößert..... ;)
Ihr kennt das Gefühl doch bestimmt auch, diesen gewissen Stolz auf sich selbst, auch wenn es etwas völlig Unspektakuläres ist *freundlich lach* .
Zum Preisgeben der Fundstellen: Leider kann ich da kaum mitreden, da ich selbst quasi (ich sage nur quasi, weil ich gleicg nachsehen werde, ob es eine, wo ich schon öfters war, hier im Forum gibt...wenn nicht, dann gibts sie gleich :D) kaum eigene Fundstellen entdeckt habe. Aber ich persönlich schätze es sehr, wenn man hier im Forum (oder per PN) von Fundstellen erfährt.
Neuestes beispiel: Die völlig selbstlos gegebene genaue Beschreibung der Fundstelle beim Gibelsbach. ich weiß nicht, wie dankabr ich dafür sein soll! Ich werde diesen Sommer auch wohl dahin fahren. An dieser Stelle noch mal ein großes Lob an denjenigen, der das reingestellt hat. DANKE!
Auf so was bin zum Beispiel ich doch angewiesen, da sich meine Ahnung von Fundstellen bis jetzt auf einer Skala von hoch bis niedrig relativ weit unten bewegt *gg* Allerdings hat mir diese Erfahrung und dieses Forum auch gezeigt, dass ich, sollte ich mal eine entdeckt haben, diese hier auch gerne preisgeben werde. Denn hier weiß ich, dass die Sammler die hier sammeln, auch Acht auf die Natur geben und vorsichtig sind, oder ? *smilü* In sofern ist der Mineralienatlas einfach genial. (ich hoffe, dass klang jetzt nicht allzu pathetisch :-\ )
Na ja^^ Hoffentlich hab ich euch nicht verärgert oder so, bin ja doch noch relativ unerfahren *grins* Aber ich fand dieses Thema doch einfach sehr wichtig.
mfg,
eure Karöööön :D
MM-Bär:
--- Zitat von: smoeller am 28 Jul 06, 17:50 ---Werde aber einen Teil der FO, die ich sehr gut kenne, wohl nicht im Lexikon veröffentlichen. Dies hat weniger mit Geheimniskrämerei zu tun, als mit der berechtigten Sorge um die Fundstellen und der Sorge vor Raubgräbern. Jedem Mitglied des Mineralienatlas und jedem interessierten Sammler, der an mich herantritt, werde ich gern weiterhelfen.
--- Ende Zitat ---
Moin, Smoeller!
Ja, diese Denke ist absolut i.O. und findet (meine) volle Zustimmung. Hier steht kein Neidgedanke im Vordergrund, sondern nur der Schutz der eigenen Arbeit ( wie von Dir geschildert, habe ich für andere Regionen auch hinter mir) und die tiefe Mißachtung sog. "Mitnehmer", die allzu materiell eingestellt sind. Und - ganz wichtig: Der Schutz unseres Hobbies!
Chapeau, SMoeller!
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