Moin
Schwefelleber (Kaliumsulfid) wird wahrscheinlich wenig hilfreich sein. Die von mir geschilderte Nachweismethode basiert darauf, das sich Cerussit (Bleicarbonat) nicht in verdünnter Salzsäure lösen lässt, ganz im Unterschied zu Aragonit oder Calcit. Aragonit kann durchaus mit Cerussit verwechselt werden, da er ähnlich nadalige Kristalle bildet. Hier würde verdünnte Salzsäure zur Unterscheidung ausreichen: Aragonit schäumt, Cerussit nicht. Leider gibt es mehr als zwei Minerale, die in farblosen oder weißen Nadeln auftreten können, besonders bei der Grube Clara. Auch konz. Salzsäure löst Cerussit nicht auf, jedoch vermag 10% Salpetersäure dies, ggf. auch 3%ige. Das hängt wahrscheinlich zum Einen mit der Säurestärke zusammen und zum Anderen auch damit, das sich ein lösliches Bleisalz (Bleinitrat) bildet. Tatsächlich hat Salpetersäure einen kleineren pks-Wert als Salzsäure, ist somit also schwächer als diese, aber es bildet sich ein lösliches Salz. Alternativ könnte man ja auch noch Perchlorsäure ausprobieren, die ist eine der stärksten Säuren überhaupt und viele Perchlorate sind leicht wasserlöslich, so auch Bleiperchlorat. Leider ist das - mal wieder - rein akademisch, da Perchlorsäure noch "schlimmer" ist als Salpetersäure.
Egal, der nächste Schritt bei dem Nachweis, ob es sich um Cerussit handelt oder nicht, ist, das man in der Lösung, so sie sich den bildet, die Bleiionen nachweist. Diesen Nachweis kann man mit einer typischen Fällung erhalten, z.B. als Sulfat (bildet Bleisulfat oder Anglesit), Chlorid (bildet Cotunnit) oder auch Sulfid (bildet Galenit). Das Chlorid ist noch vergleichsweise gut löslich, daher könnte der Nachweiß als Bleichlorid scheitern. Sulfat und Sulfid sind extrem schwer löslich und geben sicher eine Fällung. Sulfid könnte jedoch noch unspezifischer sein, da viele Nebengruppenelemente schwerlösliche Sulfide leifern. Wenn man Verunreinigungen mit z.B. Kupfer in der Probe hat, bekommt man auch eine schwarze Fällung, hier ist Sulfat etwas spezifischer.
Insgesamt ist es nicht einfach nur mit chemischen Mitteln eine klare Analyse durchzuführen und man sollte stehts Blindproben mit den verwendeten Chemikalien durchführen um sicher zu stellen, das dort nicht irgendwelche Verunreinigungen drin sind. Dafür gibt es die Chemikalien mit dem Kürzel p.a. oder z.A. was "zur Analyse" bedeutet. Man sollte jedoch auch nicht vergessen, das am Anfang der Mineralogie nur auf chemische Bestimmungsmethoden zurückgegriffen werden konnte. Ist heute bei den ganzen Abkürzungen wie EDX, XRD etc. aber etwas in Vergessenheit geraten. Klar, an die Leistungsfähigkeit der modernen Analyseverfahren reicht die Chemie nicht mehr ran, aber dem Laien kann sie noch den einen oder anderen praktischen Dienst erweisen, würde einem die EU nicht Knüppel zwischen die Beine werfen.
Ich zum Beispiel mochte den sehr einfachen Test, ob man nun Anglesit, Cerussit oder Leadhillit/Susannit hat: Ein Kriställchen abgeprockelt und unter dem Binokular in einen Tropfen 10% Salpetersäure geschoben, hatte ich die Antwort. Anglesit: es passiert nichts. Cerussit: das Kriställchen löst sich unter leichter Gasentwicklung. Leadhillit/Susannit: das Kristallchen löst sich unter leichter Gasentwicklung und ein Rest in Form des ehemalichen Kristallfragmentes bleibt unglöst zurück, der Sulfatanteil von Leadhillit/Susannit. Kostet vielleicht 5 Eurocent und dauert maximal 5 Minuten. Ok, ob es nun Leadhillit oder Susannit ist, das bekommt man auf diese Weise nicht heraus.
Ein anderer "Klassiler" ist die Unterscheidung von Azurit und Linarit (ist auch heute noch machbar): Azurit schäumt in verdünnter Salzsäure, Linarit nicht und wird weiß (das ist das ausfallende Bleichlorid).