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Autor Thema: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)  (Gelesen 8445 mal)

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Offline jlies

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #30 am: 21 Feb 25, 11:03 »
Hast du in die Literatur, die Oliver dir rausgesucht hat, überhaupt mal reingeschaut!? Dort geht es nur um Werkzeugfunde ....

Davon ab verstehe ich überhaupt nicht, was du mit deiner Argumentationskette sagen willst ...

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #31 am: 21 Feb 25, 11:58 »
Ja Jörn, die habe ich gelesen.

Ich hatte Jaap Beuker NACH der Veröffentlichung dieser Publikation von Klaus Hirsch zu den Steinen befragt. Ich gehe davon aus, dass auch ihm diese bekannt war.  Ich finde seine Argumentation hierzu schlüssig, habe mir aber dennoch Gedanken dazu gemacht. Und es geht mir hier auch nicht um die wenigen Artefakte, die gefunden wurden.

Nochmal als Zusammenfassung:

Menschen in der Steinzeit bewegten sich in dem von mir markierten Gebiet, nutzten die von MIR gesammelten Steine innerhalb dieses Gebietes aber scheinbar nicht. Dafür muss es einen Grund gegeben haben. Zumindest als Tauschmittel oder zur Herstellung kleinerer Werkzeuge, wie Pfeilspitzen hätte man sie doch nutzen können. Schon allein weil so ein kräftig beständiges Rot eine Seltenheit in der Steinzeit war.

Du weißt doch, wer Jaap Beuker ist, oder?

Auch wenn er auf archäologischer Seite zu finden ist und hier nicht hergehört.



« Letzte Änderung: 21 Feb 25, 12:16 von Wiesenkerbel »

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #32 am: 21 Feb 25, 12:31 »
Eine weitere geologische Erklärung wäre:

Der Helgoländer Feuerstein wurde glazial bis in das heutige Gebiet der Nordseeregion verschoben und von dort aus durch den genannten Tsunami ins heutige Ostfriesland.

Denn auf der Baustelle zur Verlegung der Gaspipeline gab es eine Schicht mit feinem Sand und vielen gebrochenen Balken und anderen Holzstücken. In den Ritzen der gebrochenen Holzstücke waren Muscheln zu finden.

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #33 am: 21 Feb 25, 17:34 »
Eine Überlegung war ebenfalls, dass sie durch die vielen Sturmfluten ins Landesinnere getragen wurden aber ich finde keinen Hinweis auf eine Sturmflut, die viel weiter südlich als Aurich ins Land ragte. Was nicht heißen soll, dass es keine gab. Die Aufzeichnungen reichen nur bis ins Mittelalter zurück 

Ich möchte niemanden hier nerven. Ich will es nur möglichst genau wissen und das Forum hier scheint mir eine sehr gute Möglichkeit hierfür zu sein.

Offline oliverOliver

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #34 am: 21 Feb 25, 18:39 »
ist ja auch ein spannendes Thema ....

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #35 am: 21 Feb 25, 18:46 »
Ja danke Olli - es gibt immer und überall was spannendes zu entdecken und hier im Forum tummeln sich Experten aus allen hilfreichen Fachkreisen herum, darum erhoffe ich mir viel von meinem Beitritt.

Offline neuron

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #36 am: 21 Feb 25, 22:33 »
Nur als Hinweis, ich hatte mal eine Mineraliensammlung aus der Nähe von Vechta übernommen und der Sammler hat viele Kiesgruben im Umland dort besucht und viele bis Hühnereigroße Bernsteine von dort geborgen.

Will sagen, "Die Eine Sturmflut" gibt's wahrscheinlich nicht, sondern das Material liegt vermtl. schon Jahrtausende dort im Hinterland, als die Küstenlinie noch ganz anders verlief.

Gruß
Swen

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #37 am: 22 Feb 25, 10:04 »
Ja, ärchäologisch gesehen gibt es immer wieder mal Zeitabschnitte, in denen scheinbar keine oder kaum Siedlungspuren zu finden sind. Und es war schon mutig, das heutige Ostfriesland ohne Deichbau zu besiedeln.

In den Kieskuhlen hier in den Landkreisen fand ich nur sekundär verfärbte Feuersteine.

 Ich bin in der Gemeinde Huntlosen auch Eigentümerin einer Tonkuhle. Dort habe ich leider auch keinen einzigen roten Feuerstein gefunden, obwohl die Kuhle dicht am natürlichen Verlauf der Hunte liegt.

Einen Bernstein habe ich dort gefunden- ist ja nicht soweit von Vechta entfernt  :)

Eigentlich sollte ich das grün markierte Gebiet mal systematisch weiter Richtung Süden (also südlich von Edewecht) absuchen, um zu schauen, bis wohin sie zu finden sind. Ich berichte dann hier.

 

Offline jlies

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #38 am: 22 Feb 25, 12:45 »
Ist die Karte hier bekannt?

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #39 am: 24 Feb 25, 11:31 »
Vielleicht liest dies jemand, der mir helfen kann, jotnischen roten Buntsandstein vom Helgoländer Buntsandstein zu unterscheiden.

Und könnte dies ein Plattenflint sein, der nur auf Helgoland zu finden ist?

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #40 am: 24 Feb 25, 11:34 »
Da habe ich versehentlich nur ein Bild gesendet, sorry.

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #41 am: 01 Mar 25, 08:31 »
Es fällt mir schwer hier noch andere Gesteinsarten oder sogenannte Leitgeschiebe vorzustellen weil ich - wie gesagt - oftmals Horn- und Feuersteine gar nicht unterscheiden kann   ;D
Ich fokussiere mich beim Sammeln, auf das was mir gefällt: Rote Feuersteine, Hühnergötter,  Wallsteine, wie beim Bau der  Gaspipeline. Die Wallsteine mit den roten Farbeinschlüssen hatte hier eh schon gezeigt.

Falls ein Fachkundiger sich jedoch gern näher mit diesem Thema beschäftigen möchte, gebe ich gerne die Geodaten zu den Fundorten und stelle dafür auch meine Sammlung zur Verfügung.

Ansonsten bedanke ich mich für die freundliche Aufnahme in diesem tollen Forum. Und sorry, dass der Beitrag in meiner Begeisterung doch etwas lang geworden ist.   :-*  :-*  :- :-*

Viele liebe Grüße!





« Letzte Änderung: 01 Mar 25, 08:39 von Wiesenkerbel »

Offline jlies

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #42 am: 02 Mar 25, 12:15 »
Horn- und Feuerstein sind grundsätzlich das Selbe: Chalcedon; also mikro- bis krypptokristalliner Quarz. Gerade dazu hast du hier im Forum unendliche Recherchemöglichkeiten.

Die Benutzung der unterschiedlichen Begriffe für Hornstein oder im Englischen Chert sind leider besonders unter Laien nie trennscharf oder sauber, was viel zur Unübersichtlichkeit und Unverständlichkeit des Themas beiträgt.

Feuerstein hat sich in D besonders für kreidezeitliche Hornsteine verbreitet.

Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #43 am: 21 Jul 25, 20:58 »
Hallo,

ich habe in der Zwischenzeit die geochemischen Zusammenhänge mithilfe einer digitalen geowissenschaftlichen Fachplattform, den Publikationen von Jaap Beuker und meiner Cousine B. (Chemiestudentin) weiter “durchdrungen”.

Vielleicht könnt ihr euch denken, dass es mir bei den Fundplätzen mit so hohem Aufkommen von rotem Feuerstein auch um eine mögliche archäologische Interpretation ging.

Auch wenn es sich zunächst nur um vorläufige Erkenntnisse handelt, möchte ich sie hier veröffentlichen, ohne auf Richtigkeit zu bestehen und in der Hoffnung, dass mich jemand korrigieren mag:

Mir wurden in den letzten Monaten drei Hauptprozesse erläutert, die in der Literatur übereinstimmend genannt werden, wenn es um sekundäre und scheinbar primäre Rotverfärbungen von Feuerstein geht (z. B. Bodenprozesse mit Eisenoxiden, Redoxverhältnisse in Wechselfeuchtböden, spätglaziale Grundwasserzirkulation etc.).

Das hat mir sehr geholfen, meine eigenen Beobachtungen im Ammerland und in Ostfriesland besser einzuordnen.

Vielleicht hilft diese Auswertung auch anderen, die mit roten Feuersteinen konfrontiert sind.

Also…

Warum es rote Feuersteine auch außerhalb von Helgoland gibt:

Sekundäre Rotverfärbung von Feuerstein – welche Prozesse verursachen sie?

Eisenhaltige Bodenlösungen + Huminsäuren

Wenn Feuerstein über lange Zeiträume mit eisenhaltigem Grundwasser oder Bodenlösung in Kontakt steht – vor allem bei sauren pH-Werten, wie sie in Mooren oder humosen Böden vorkommen –, dann dringt Eisen in die Mikroporen des Silices ein.

Je nach Oxidationsstufe des Eisens färbt sich der Stein:

Fe²⁺ (reduziert) → kaum sichtbar, eher grünlich/bläulich

Fe³⁺ (oxidiert) → intensiv rötlich, bräunlich, gelblich
(Karminrot, Ziegelrot bis Braunrot – genau wie auf meinen Bildern hier im Beitrag)

Der Übergang kann dabei langsam und tiefgreifend erfolgen – über Jahrtausende.

Thermohydraulische Zirkulationen in glazial überprägten Sedimenten

In der späten Weichsel-Eiszeit gab es intensive Schmelzwasserbewegungen im Untergrund – oft verbunden mit Druckschwankungen und wechselnden Redoxbedingungen. Diese Prozesse:

-transportieren Eisen,

-bewirken lokale Konzentrierungen,

-sorgen für rote Überprägung – wie möglicherweise in meinen roten Feuersteinen.

Wenn das Wasser zirkuliert, kommt es nicht flächig, sondern lokal punktuell zur Anreicherung.

Verwitterungs- und Bodenbildungsprozesse nach der Eiszeit:

Nach dem Rückzug der Gletscher kamen die Feuersteine an die Oberfläche – z. B. durch:

-Frosthebung,

-Abschwemmung,

-Landwirtschaft in der Neuzeit.

An der Oberfläche unterliegen sie dann:

-Verwitterung (Sauerstoff, Wasser),

-Einwirkung organischer Stoffe (Humus, Pflanzenwurzeln),

-und Wechseln zwischen Sauerstoffüberschuss und Sauerstoffmangel, etwa in wechselfeuchten Böden.

Das führt zu weiterer Einlagerung von Eisenverbindungen, Oxidation, Verfestigung der Farbe – bis tief ins Innere.

Viele meiner hier vorgestellten Feuersteine weisen Windgloss auf.
Jaap Beuker erklärte mir, dass ein Helgoländer Feuerstein niemals Windgloss zeigt.

Windgloss + Rotfärbung = Beleg für einen sehr alten Sekundärprozessm

Der Windgloss zeigt:

Diese Steine lagen bereits rot verfärbt in der Tundra, ungeschützt, lange vor dem Holozän.
Die Rotfärbung ist also nicht jung, sondern spätestens spätglazial abgeschlossen.

Um auf die Feage zurückkommen, die mich bei Eröfgkung dieses Beitrages so sehr beschäftigt hat:

Wenn ein Feuerstein nun durchgehend rot ist – woher weiß man dann, ob das „primär“ oder „sekundär“ ist?

Zunächst:

Primär rot bedeutet:

Der Feuerstein ist bei seiner Entstehung (Diagenese) in der Kreidezeit rot geworden – das Eisen war schon im Sediment vorhanden, wurde im Gestein eingebaut, bevor es verfestigt wurde.

Sekundär rot bedeutet:

Der Feuerstein war ursprünglich grau, gelb, beige o. Ä., wurde aber lange nach seiner Entstehung durch äußere Prozesse rot verfärbt – zum Beispiel durch eisenhaltiges Wasser, Bodenprozesse oder Gletscherumlagerung.

Beide Varianten können vollständig durchgefärbt sein. Und unter dem Mikroskop sieht das oft verblüffend ähnlich aus.

Aber warum sehen sich primär und sekundär rot verfärbte Feuersteine im Dünnschliff so ähnlich?

Weil:

Beide enthalten Fe³⁺-Oxide (z. B. Hämatit oder Goethit), die für das Rot verantwortlich sind.

Diese Eisenoxide lagern sich in Mikroporen oder zwischen Silicakörnern ein.

Unter dem Mikroskop erscheinen sie als feine, rot schimmernde Partikel, die im Silicagel „schweben“.

Wenn das Eisen wirklich in jede Pore eingedrungen ist und über Jahrtausende stabil geblieben ist, kann das optisch tatsächlich wie ein primärer Helgoländer wirken!

Die Unterscheidung liegt nicht im „Wie sieht er innen aus?“ sondern im:

Wie sieht der Bruchverlauf aus? Die Oberfläche einer frischen Bruchfläche? Welche Fossilien enthält er? Welche Einschlüsse?

Denn selbst wenn das Eisen tief eingedrungen ist, bleibt die Genese sekundär, wenn:

– der ursprüngliche Feuerstein andersfarbig war,

– das Eisen später durch Wasser, Boden oder Druckprozesse eingetragen wurde,

– oder der Kontext eindeutig zeigt: kein Kreidegestein in der Nähe, kein Kontakt zu helgoländischem Primärvorkommen.

Diese Infos basieren auf mehreren geowissenschaftlichen Quellen – v. a. zur Sedimentpetrologie und Kreidezeit-Flintgenese.

Leider finde ich die Einzelnachweise gerade nicht alle wieder, aber die Zusammenfassung ist fachlich korrekt. 

Abschließend eine persönliche Einschätzung zur Frage:
Was bedeuten diese Recherchen für archäologische Fragestellungen?

Vermutlich (!) hatten diese vielen roten Steine am Festland für Menschen der Steinzeit keine Bedeutung, denn:

Nur weil sie heute rot sind, waren sie das damals vielleicht noch nicht (Fe-Verwitterung braucht Zeit & Sauerstoff).

Einiges spricht einfach für eine lokale geologische Rotfärbungsstätte oder ein besonderes Substrat, das diese Steine entweder konzentriert eingebettet hat oder über Jahrtausende aus tieferen Schichten emporgearbeitet wurde (Frost, Pflug, Erosion?).

So viele rote Feuersteine an einem Ort – das ist nicht „Verlust“ oder “Zurücklassen” von Tauschgut, das extra aus Helgoland herangeschafft wurde - es ist Ablagerung.
Und zwar entweder natürlich oder bewusst (Kult- oder Begräbnisplätze) aber nicht zufällig.

Niemand – wirklich niemand – verliert tausende oder zigtausende rot leuchtende Steine auf einem Fleck. Auch nicht über Generationen hinweg.

Das ist kein „Zufallsfundspektrum“, wie es bei normalen Rastplätzen, “Schleifplätzen” oder Tauschorten zu erwarten wäre.


Offline Wiesenkerbel

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Re: Rote Feuersteine (Ostfriesland/Ammerland)
« Antwort #44 am: 21 Jul 25, 21:08 »
Dennoch bin ich sicher, dass man vereinzelt auch echten roten Helgoländer Feuerstein am Festland finden kann.

Aber dies ließe sich nur durch chemische Isotopenanalyse (nur im Labor!) feststellen, dass es sich tatsächlich um einen solchen handelt:

-Mit RFA oder LA-ICP-MS kann man Elementzusammensetzung und Spurenelemente messen.

-Helgoländer Feuerstein hat sehr spezielle Signaturen (z. B. Mangan, Strontium-Verhältnisse)

Letztendlich also nur labortechnisch nachweisbar.