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Autor Thema: Mineralienmüllhaufen  (Gelesen 17402 mal)

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Offline geomueller

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Mineralienmüllhaufen
« am: 16 Jun 06, 20:16 »
Hallo alle,

ich will hiermit mal wieder eine kleine Diskussion anstoßen und zwar über ein Unsitte die mich schon seit Jahren aufregt.

Ich war heute mal mit dem Fahrrad unterwegs zum Astrolithbruch in Neumark (ohne Werkzeug, nur mal so). Dort musste ich feststellen was ich anderwo auch schon öfters beobachtet habe, nämlich das einige Mineraliensammler Mineralien die sie nicht gebrauchen können einfach an anderen Fundpunkten entsorgen! So fand ich heute in Neumark z.B. Skutterudit und andere Derberze die wahrscheinlich von den Halden in Schlema/Hartenstein stammen.

Ich finde das eine Unsitte gegen die man was unternehmen sollte. Klar der erfahrene Sammler erkennt das es sich hier um den Mineralienmüllhaufen eines anderen Sammlers handelt, aber so manch junger Sammler dürfte manchmal ins grübeln kommen und irritiert sein.

Da ich mich vom Fahrrad fahren mal ausruhen musste :P hab ich das Fremdmaterial (ca. 15 Stücke) eingesammelt und in der Mülltonne entsorgt.

Klar fällt beim Sammeln immer genügend Material an was man nicht brauchen kann, das bessere davon sammle ich immer und gebe es der Jugendgruppe der Geraer Mineraliensammler der Rest wird ordentlich entsorgt.

Was meint ihr dazu und wie verfahrt ihr mit euren Sammelabfällen.

Gruß Jürgen

Offline Tobi

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #1 am: 16 Jun 06, 20:33 »
Hi,

ich muss auch sagen, dass ich das unter aller Sau finde >:( Und seitdem ich neulich hier im Forum vom "Fund" der Clara-Stufe im Taunus gelesen habe, ist mein Glaube an das Gute im Menschen noch geringer geworden als er ohnehin schon war :( Ich meine, wenn man die Sachen die es auch an der Fundstelle gibt, liegen lässt für spätere Besucher, weil man wesentlich besseres Material hat, ist das sogar sehr nett. Aber Fremdmaterial, das ist ganz große Kacke, um's mal deutlich auszusprechen! >:( Und wie geomueller schon richtigerweise sagte, für Unerfahrene kann es zu großer Verwirrung führen.

Gruß

Online loismin

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #2 am: 16 Jun 06, 20:50 »
Hallo

Ich finde das auch unmöglich daß Material von fremden Fundstellen einfach irgendwo entsorgt wird.

Ich bin dazu übergegangen, da ich hauptsächlich MM sammle und von da her sowieso mehr Material mitnehmen muß
um daheim zu schauen, ob was gutes dabei ist, die Sachen wo ich öfter bin auch dort wieder hinzubringen.
Denn wenn ich das auch nicht mehr brauchen kann, so freut sich vielleicht ein Jungsammler oder so immer noch
daran.
Den Rest, der wirklich nichts mehr ist wird im Baustoffhof über den Bauschuttcontainer entsorgt.

Gruß
Loismin

Offline smoeller

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #3 am: 16 Jun 06, 22:43 »
Hallo,

Sehr wichtiges und interessantes Thema.
Ich entsorge meine Abfälle auch immer auf der Bauschuttdeponie oder gebe sie anderen Sammlern, die nicht die Gelegenheit haben, in die Berge zu fahren.
Hier mal eine kleine Auflistung einiger Funde aus dem Schwarzwald, die als Abfall anderswo entsorgt wurden:
- Azurit auf Baryt von der Clara auf der Sophia-Halde in Wittichen
- Chrysokoll und Malachit auf Fluorit (Clara) im Laßgrund bei Hausach
- Aktinolith, Granat usw. aus Österreich auf der Clara
- Ammonitenreste auf der Clara
- Silber! von der Grube Clara auf dem Parkplatz im Haigerachtal (Silberbrünnle)
- geschnittener Amethyst (Brasilien?) im Weilerbach bei Lahr

All dies sollte eigentlich für den erfahrenen Schwarzwaldsammler erkennbar sein, was ist aber mit Jungsammlern und Sammlern, die das erste Mal in den Schwarzwald kommen? Jeder sollte nur das am FO wieder abladen, was auch dort weggeholt wurde.

Und was ich schon auf der Halde der Reichen Zeche bei Freiberg gefunden habe, geht auf keine Kuhhaut. Eine Markasitknolle mit xx von 15 cm Durchmesser (Misburg?), einige geschnittene Achate (definitiv kein Zeug aus Sachsen, sondern Südamerika), eines Tages sogar eine ganze Kiste kg-Schwerer Achate aus Schlottwitz.

Mein Apell an alle Sammler: Ladet keine Mineralien an Orten ab, wo sie nicht hingehören.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Erik

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #4 am: 17 Jun 06, 22:30 »
Zum Thema "für Unerfahrene kann es zu großer Verwirrung führen":

Als ich gerade angefangen hatte zu sammeln fand ich in einem Haufwerk im Stbr. Sommer (so etwa die Typlokalität für Spessartin) einige sehr schöne und auch recht große Stufen mit rotbraunen Grossularkristallen bis 3cm aus Schrießheim/Odenwald. Damals kannte ich mich natürlich überhaupt nicht aus und war überrascht und sehr erfreut so überaus leicht 'ne Menge "Spessartine" zu finden... :P

Ich kam aber dann zwar relativ schnell darauf daß die Stücke nicht von dort stammen können - der richtige Fundort wurde im Laufe der Zeit herausgefunden und schließlich landeten die Stücke bei ebay (so hatte doch noch was davon) - trotzdem war das sehr ärgerlich. Denn würde ich mich an dem Fundort nicht auskennen, lägen die Stufen sicher immer noch mit falscher Bezeichnung in der Sammlung.

Meine Abfälle habe ich bisher übrigens alle im Garten "entsorgt": Entlang des Gartenzauns unter Büschen, Bäumen und am Teich aufgeschüttet, mit einer Trockenmauer befestigt und mit Farn und Efeu bepflanzt - schaut gar nicht mal schlecht aus. Allerdings ist hier jetzt leider auch Schluß ::)

Gruß, Erik
« Letzte Änderung: 18 Jun 06, 09:13 von Erik »

Offline Schluchti

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #5 am: 18 Jun 06, 12:07 »
Ja, das ist recht ärgerlich, wenn man als unerfahrener Sammler damit nicht rechnet.

Beispiele:

Pöhlaer Stufen (teilweise sogar mit angeklebtem Etikett!) auf der 371/II
Amethyste aus dem Wolkensteiner Gebiet auf der 371/II
Uranocircit aus Bergen auf dem St. Lorenz Gegentrum, Halsbrücke.


Deswegen immer bei Funden direkt an der vordersten Stelle, besonders wenn sie "gehäuft" auftreten, vorsichtig sein.

Offline geomueller

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #6 am: 18 Jun 06, 14:06 »
Hallo alle,

wie ich sehe sind wir uns da alle einig, was hier wohl auch nicht anders zu erwarten war.
Würde mich freuen wenn es noch mehr Meinungen und Erfahrungen zu dem Thema gibt.

Gruß Jürgen

Offline hatiras

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #7 am: 19 Jun 06, 08:27 »
hallo,

eine andere meinung habe ich dazu auch nicht. ich gehöre eher zu den unerfahrenen sammlern, die über die untypischen mineralien grübeln würden.
wenn ich zeit und muße habe, sortiere ich gleich an ort und stelle noch mal aus, damit ich nicht so viel schleppen muss.
der rest wird zu hause entsorgt. entweder über die mülltonne oder als packlager im privatweg.
das kann keine sammler mehr irritieren ;-)

gruß

hatiras

MM-Bär

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #8 am: 19 Jun 06, 11:01 »
Moin,

Liebe Leute, seht das doch mal positiv: Was spart Ihr da an Reisekosten ein!! Wozu nach Baden-Würstchenberg fahren, wenn das Clara-Material in den ganzen Republik verstreut liegt - sogar im tiefsten Sauerland ;D ;D
Es soll sogar welche geben, die im Duisburger Hafen das Clara-Konzentrat nach Mineralien durchwühlen  ;D ;D :o

Im Ernst: Das ist und bleibt eine Sauerei, aber keine Erscheinung unserer Tage. Schon 1980 fand ich im Frankenwald in einem damals recht unbekannten (aber sehr interessanten) Steinbruch Fremdmaterial aus 50 km Umkreis. Sogar der hochwertige MM-Abfall war mit Klebepfeilen markiert, da musste man gar nicht lange unter dem Bino mustern  :o ...

Offline michaelh

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #9 am: 19 Jun 06, 15:31 »
Hallo Feunde,
gebe euch in dem Punkt recht. Fundstücke werden von mir grob am Fundort vorsortiert und anschliessend dann daheim aussortiert.
Die aussortierten Teile schnappen sich dann meistens meine Kinder oder ich entsorge sie.

Habe aber schon auch Verständnis für die Verursacher der Mineralienmüllhaufen.  Hierbei handelt es sich sicher um Mineralienliebhaber, denen das Herz bricht, wenn sie die aussortierten Fundstücke wegschmeissen müssten. Die nehmen dann lieber die Fundstücke zum nächsten Steinbruch mit, da dort die Chance am grössten ist, dass sie von einem Sammler/Mineralienliebhaber gefunden werden.

Als 08/15-Mineraliensammler freut man sich sicher auch über schöne Stücke, auch wenn sie nicht unbedingt aus der Gegend stammen.

Gruß aus Wien

Michael

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #10 am: 19 Jun 06, 17:02 »
Aussortiertes habe ich immer den Nachbarskindern geschenkt (wer keine hat, könnte auch Material zum nächsten Kindergarten [nix Giftiges!] oder zur nächsten Schule bringen).

Offline Conny3

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #11 am: 19 Jun 06, 18:24 »
Ich verbringe das Aussortierte in meinen Garten oder fülle Schlaglöcher an Mutterers Waldhäuschen bei Krölpa/Pößneck vorbeiführenden Waldweg aus. Außerdem bekommt die Waldorfschule immer etwas von meinen Funden mit ab (Mineralogieunterricht). Mit der Ablagerung von Fremdmaterial habe ich auch schon so meine Erfahrungen gemacht. Auf der Clara fand ich zum Bsp. schon einmal einen Dioptas, der definitiv nicht von dort sein soll (laut Aussage von Clarasammlern vor Ort). Früher sind mir auch immer mal Abfälle von Achatschleifereien im Gelände bei Idar-Obersten aufgefallen. Da war sogar mal ein Stück bearbeiteter Malachit sowie zahlreiche Achate aus Brasilien mit dabei (zum Teil bearbeitet). Das scheint dort in dem Gebiet gang und gebe zu sein. Auch bei Marburg (Steinperf) habe ich schon einmal eine ganze Sammlung entdeckt.

Gruß Conny

Arminius

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #12 am: 21 Jun 06, 00:07 »
mmmhhh.... ich muss ehrlich gestehen, dass ich kürzlich eine Kiste Tongeoden in einem alten Steinbruch, der inzwischen auf Bauschuttverwertung umgestiegen ist , entsorgt habe. Dabei habe ich auch kein schlechtes Gewissen gehabt...

Wenn ich mir allerdings eure Beiträge so durchlese, denke ich auch, dass die Entsorgung in "aktive" Sammelbereiche
völlig unangebracht ist. Vor allem wenn eine Unterscheidung vom orig. Vorkommen noch schwierig ausfällt.
Ich frage mich allerdings, ob diese extreme "Vermischung" nicht stark von "Händler-Sammlern" ausgeht, wenn quer durch Deutschland Funde aus aller Welt auftauchen. Im Normalfall packt man sich doch nicht den Kofferraum mit "Müll" voll um ihn 500km weit zu fahren und dort zu entsorgen und ne Kiste weniger schöne Achate fährt man wohl auch nicht öfters mit sich herum...

Aussortiertes habe ich immer den Nachbarskindern geschenkt (wer keine hat, könnte auch Material zum nächsten Kindergarten [nix Giftiges!] oder zur nächsten Schule bringen).

Habe neulich einem unglücklich aussehendem Jungen im Supermarkt einen kleine Quarzkristall, den ich noch in meiner Hosentasche hatte, geschenkt. Erst sah er wieder zufriedener aus, als er dann aber nach 2 Minuten mir den Kristall wiederbringen musste, weil seine Mutter wohl nicht wollte, dass er diesen "Stein" von mir behält, war das Grinsen wieder vorbei und ich konnte langam verstehen warum er so unglücklich war... :(

Aber Mineralgieunterricht an der Schule ist mal was feines - solange der nicht auf theosophischen/anthroposophischen Grundlagen beruht. Und da bin ich mir bei Rudolf Steiner und seinen Lehren nicht ganz sicher...

Gruß,
Armin

Offline Tobi

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #13 am: 21 Jun 06, 09:27 »
Habe neulich einem unglücklich aussehendem Jungen im Supermarkt einen kleine Quarzkristall, den ich noch in meiner Hosentasche hatte, geschenkt.

Mit 'nem Quarzkristall in der Tasche zum einkaufen - so muss das sein! ;D 8)

Offline Grenzton

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Re: Mineralienmüllhaufen
« Antwort #14 am: 25 Jun 06, 22:41 »
Da ist mir auch schon passiert, und zwar in Solnhofen.
Allerdings waren es Fossilien. Einige grüne Ammoniten und feiner Schieferton mit Blattabdrücken. Weiß der Geier wo die her stammen.

Kalle