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Autor Thema: Adamin  (Gelesen 5179 mal)

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Offline Torben

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Adamin
« am: 29 Jul 06, 14:32 »
Hi!

Sowohl der farblose, wie auch der gelbe Adamin werden nur als Adamin bezeichnet.
Weiß jemand von euch, woher der gelbe dann seine Farbe bekommt?
Sind das Limonitpartikel, die eingebaut werden?

Viele Grüße

Torben

Offline smoeller

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Re: Adamin
« Antwort #1 am: 29 Jul 06, 14:51 »
Hallo,

Würde sagen, dass sind keine Limonitpartikel, sondern es wird einfach für Zn2+ ein anderes Kation eingebaut. Könnte bei gelber Farbe gut Fe sein, bin mir aber jetzt hinsichtlich der Wertigkeit nicht ganz sicher. Im erstemn Moment würde ich aber wegen der Stöchiometrie auf Fe2+ tippen. Müsste man im Ernstfall untersuchen.
Ganz hell grünlichgelber Adamin (so ein Eigenfund von Lahr im Schwarzwald) enthält geringste Spuren von Cu2+ (Mischkristall mit Olivenit), nur geht hier der Einbau nicht so weit, dass der grüne Farbton der Varietät Cuproadamin auftritt.

Glück Auf!
Smoeller


Offline Torben

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Re: Adamin
« Antwort #2 am: 30 Jul 06, 23:16 »
Hi!

hmm, von einem Ferroadamin hab ich aber noch nichts gehört. Oder geht der Fe2+-Gehalt nicht soweit, daß man von Fe-Adamin sprechen kann?
Ojeoje, außerdem ist Fe2+ in Verbindungen doch vorwiegend grün, während Fe3+ eher die gelb-braunen Farben erzeugt. Und dreiwertige Kationen können doch nicht so einfach statt zweiwertigen eingebaut werden, oder?  :-\

Beim rosa Adamin, ist das dann nicht sowohl Kobalt- als auch Manganadamin?

Mit schwer grübelnden Grüßen

Torben

Offline smoeller

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Re: Adamin
« Antwort #3 am: 31 Jul 06, 09:11 »
Hallo,

Habe meine Adamine von Lahr noch mal genauer betrachtet. Es gibt tatsächlich auch blassgelbe Adamin-xx, die durch Cu2+ gefärbt sind. Selbst auf der Cuproadamin-Stufe ist gelblicher Adamin drauf. Bei etwas höherem Cu-Gehalt schlägt die Farbe allerdings sofort ins bläulichgrüne um.
Könnte also auch tatsächlich Cu als Farbgeber sein.
Zum Mangan: In der Regel ist die rosarote Farbe Co. Mn2+ ist nur ein schwach farbgebendes Ion. Mangansulfat ist lediglich hellrosa. Da müsste man den armen Adamin schon tüchtig mit Mangan vollpumpen, bis man einen tiefrosa Effekt hat. Man vergleiche Manganocalcit und Rhodochrosit.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Torben

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Re: Adamin
« Antwort #4 am: 31 Jul 06, 16:00 »
Hi!

Ok, das merk ich mir mal, daß Cu2+ Adamin auch gelblich machen kann. Mit der Frage nach dem Warum werde ich demnächst irgendeinem armen AC-Dozenten fürchterlich auf die Nerven gehen  8)

Jup, Mangansulfat ist tatsächlich blass rosa, wie ander Mn2+-Salze auch.
Ok, Also rosa Adamin = fast immer Cobaltadamin  :D

Torben

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Adamin
« Antwort #5 am: 31 Jul 06, 17:25 »
In oxidativ gebildeten Sekundärmineralien ist grundsätzlich kein Fe2+ zu finden.
Bsp.: Beudantit-Crandallit-Gruppe, Tsumcorit-Gruppe, Brackebuschit-Gruppe etc.
Viele Formeln, in denen Fe2+ angegeben wird, sind mit Vorsicht zu genießen, solange keine Mößbauer-Analyse vorliegt, aus der ein glaubwürdiges Fe3+/Fe2+-Verhältnis hervorgeht.

Offline Gregor

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Re: Adamin
« Antwort #6 am: 31 Jul 06, 19:32 »
reine Fe2+ Salze sind stets farblos, verunreinigte (da reichen bereits sehr geringe Verunreinigungen mit z. B. Fe3+) sind grünlich...
Fe3+ Salze sind rostrot bis braun...

Ein zweiwertiges Kation wie z. b. Zink kann generell nicht durch ein dreiwertiges ersetzt werden, durch ein zweiwetiges, das noch dazu die passende Größe hat, aber durchaus (also Co2+ zum Beispiel aber auch Cu2+, die stehen ja alle in einer Nebengruppe und haben ähnliche Ionenradien...)


Offline Torben

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Re: Adamin
« Antwort #7 am: 31 Jul 06, 21:01 »
Zitat
solange keine Mößbauer-Analyse  vorliegt

hm, dazu gibt es hier leider keinen Lexikon-Eintrag. Was ist das für eine Analysenart? Wo kann man dazu Info finden? :)

Offline smoeller

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Re: Adamin
« Antwort #8 am: 31 Jul 06, 23:07 »
Hallo,

Mößbauer-Spektroskopie ist ein wenig schwierig zu erklären. Literatur dazu ist meist für den Ungeübten schwer zu verstehen.

Ich versuche es mal auf die einfache Art:
Bei der Mößbauer-Spektroskopie wird ein Mößbauer-aktiver Kern (z.B. Eisen-56) mit Gammastrahlung beschossen. Das besondere am Versuchsaufbau ist, dass die Strahlenquelle auf einem beweglichen Schlitten sitzt. Bei der Messung wird die Quelle von der Probe wegbewegt und wieder drauf zu. Es werden pro Analyse mehrere 100 solcher Messungen gemacht.
Auf die dahinterstehende Physik werde ich nicht eingehen. Hat was mit Magnet- und Quanteneffekten zu tun.
Im Mößbauerspektrum erhält man im allgemeinen eine Art "Parabel" mit zwei Minima, die Symmetrisch zur Mitte (Nulllinie) liegen. Das zeigt dann an, dass Fe2+ in der Probe vorliegt. Werde mal mein Olivinspektrum suchen. Der Abstand der Peaks von der Nullinie ist ein Maß für die Quadropol-Aufspaltung und gibt Auskünfte über Bindung und Valenzeffekte.
Liegen zwischen den beiden Minima und der Nullinie noch einmal zwei Peaks, so deutet das auf das gleichzeitige Vorhandensein von Fe3+ hin. Je höher die Wertigkeit, desto kleiner die Peaks und desto näher sind diese an der Null-Linie.

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Smoeller

Offline Torben

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Re: Adamin
« Antwort #9 am: 31 Jul 06, 23:34 »
Ah! Damit kann ich mir schonmal ein Bild von der Sache machen  :)
Da kommt natürlich die Frage auf, was einen Kern Mößbauer-aktiv macht, und wodurch er sich damit auszeichnet. Klingt schonmal nach einer Isotopengeschichte.

Zitat
Auf die dahinterstehende Physik werde ich nicht eingehen. Hat was mit Magnet- und Quanteneffekten zu tun.
Schade! Kennst du ein gutes Lehrbuch, wo was darüber drinsteht?
Nächstes Jahr steht meine Diplomprüfung PC an, da ist ein wenig Extra-Wissen immer empfehlenswert! Damit gehört die Methode damit zum weiten Feld der Spektroskopie,oder?

Torben

Offline Krizu

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Re: Adamin
« Antwort #10 am: 01 Aug 06, 09:16 »
Hallo,

ja, es ist Spektroskopie.

Das ganze klappt nur in kristallinen Materialien und besonders gut am Fe Übergang.
Die Spektrallinien (Gamma) muessen schmal sein, damit der Effekt zu messen ist.

Wenn ein Gamma-Quant emittiert wird, erfährt der Kern einen Rückstoß. Im Kristall sitzt das Atom relativ fest und der gesamte Kristall "bewegt" sich (naja eher nicht  8) ). Deshalb hat die Linie keine Dopplerverbreiterung.

Das war der einfache Teil. Jetzt kommt die Elektronenhülle. Der Kern wechselwirkt mit der Elektronenhülle. Einige Orbitale haben ja auch recht hohe Elektronenaufenthaltswahrscheinlichkeiten im Kernbereich! Somit sieht der Kern ein leicht geändertes Potential, die Gamma-Emmision ist verschoben, je nach Umgebung.

Jetzt kommt der Trick der Detektion. Wenn der Empfänger (Fe-Kristall) leicht bewegt wird, wird das System verstimmt (Dopplereffekt). So können die geänderten Energien detektiert werden.

Beispiel:
Wenn ein Gamma-quant nach oben fliegt, muss er ja gegen das Erdschwerefeld angehen. Es verliert einen Teil seiner Strahlungsenergie. Mit der Mößbauer-Spektroskopie kann dieser geringe Energie-Verlust detektiert werden.

Ungefähr klar?

MfG

Frank

Offline Torben

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Re: Adamin
« Antwort #11 am: 01 Aug 06, 14:27 »
Hi!

Ah, ja, jetzt hab ich eine Vorstellung davon, wie das funktioniert!
Klingt echt spannend! Ich muß zugeben, Dopplereffekt war mir sogar als Idee gekommen, als smoeller vom beweglichen Schlitten schrieb.  :)
Und der Trick an der Sache ist gegenüber der Röntgenstrukturbestimmung, daß man hier eben Fe2+ von Fe3+ unterscheiden kann, richtig?

Gruß
Torben

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Adamin
« Antwort #12 am: 01 Aug 06, 17:41 »
"... gegenüber der Röntgenstrukturbestimmung, daß man hier eben Fe2+ von Fe3+ unterscheiden kann, "
Wenn man nur einen oder mehrere Fe-Plätze in der Struktur hat, auf dem keine weiteren Verunreinungen vorhanden sind, kann man anhand von Fe-O-Bindungslängen und bond-valence-Berechnungen sehr gut Fe2+ und Fe3+ unterscheiden. Schwieriger wird's eben, wenn man z.B. zusätzlich weiteree 2-, 3- oder 4-wertige Elemente auf demselben Platz hat.

Offline smoeller

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Re: Adamin
« Antwort #13 am: 01 Aug 06, 21:40 »
Hallo,

Habe zuhause noch irgendwo ein Skript zur Mößbauer-Spektroskopie. Sind nur 2 oder 3 Seiten, da stehen aber die Begriffe erklärt. Könnte ich vielleicht nächste Woche scannen und dir zusenden.

Glück Auf!
Smoeller

 

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