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Autor Thema: Gebogene Kristalle  (Gelesen 7454 mal)

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Offline Collector

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Gebogene Kristalle
« am: 08 Aug 06, 13:06 »
Hallo,

wer hat überzeugende Erklärungen, wie und warum manche Kristalle sich biegen - obwohl sie eigentlich sehr fest sind ? Kann es sein, das dies rein tektonisch bedingt ist oder gibts noch andere Ursachen ?

Geschehen diese Biegungen während des Wachstums (warum ?) oder danach (warum ?)

(siehe Beispiel Stibnit und Schörl). Suche Antworten

danke
collector

Offline ims

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #1 am: 08 Aug 06, 13:23 »
Hallo,
ich habe mal davon gehört, dass das mit der Auskristallisationsgeschwindigkeit zusammen hängt, wenn der Kristall an verschiedenen Stellen unterschiedlich schnell wächst, z.B. auf der linken Seite wenig Wachstum, auf den rechten Seite starkes Wachstum und somit kommt eine nach Biegung links zustande. Ich weiß nicht ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Grüße IMS
« Letzte Änderung: 08 Aug 06, 13:33 von ims »

Offline smoeller

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #2 am: 08 Aug 06, 13:42 »
Hallo,

Bei Stibnit ist es häufig mechanische Einwirkung.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Tobi

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #3 am: 08 Aug 06, 13:50 »
@smoeller: Die mechanische Einwirkung durch Einflüsse in der Natur oder die mechanische Einwirkung chinesischer Mineralienhändler...? :o ;)

Offline Krizu

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #4 am: 08 Aug 06, 14:05 »
Hallo,
ich habe mal davon gehört, dass das mit der Auskristallisationsgeschwindigkeit zusammen hängt, wenn der Kristall an verschiedenen Stellen unterschiedlich schnell wächst, z.B. auf der linken Seite wenig Wachstum, auf den rechten Seite starkes Wachstum und somit kommt eine nach Biegung links zustande. Ich weiß nicht ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Grüße IMS

Hallo,

das halte ich eher für ein Gerücht.
Wenn die linke Seite schneller wächst, als die Rechte, entstehen Wachstumsstufen.

MfG

Frank

Offline smoeller

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #5 am: 08 Aug 06, 14:40 »
Hallo,

Mit Sicherheit beides.  So kennt man gebogene Antimonite aus Deutschland, die sicher auf natürliche Weise gebogen sind, ebenso Glimmer, Amphibole und Pyroxene.
Habe mal eine Antimonitdruse gefunden, in der die Antimonite durch den Druck des Spaltens der oben angewachsenen xx verbogen waren.
Bei Halitblättchen kann man den Effekt sogar durch Erwärmen verursachen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #6 am: 08 Aug 06, 15:32 »
U.a. Oberflächenspannung der Lösung, aus welcher der Kristall wächst?

Offline Krizu

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #7 am: 08 Aug 06, 16:22 »
Hallo,

unter synthetische Kristalle im Lexikon ist ein Bi4Ti3O12-Kristall, der nur durch die Oberflächenspannung gehlaten in die Lösung wuchs. Auch der ist gerade, bis auf die Stufen auf der Oberfläche.

Wenn ein Kristall so kumm ist, muessen eigentlich Mehrlinge - wie beim Rutil - oder eine Reihe an Versetzungen im Spiel sein.

MfG

Frank
(just my two cents)

Offline Collector

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #8 am: 08 Aug 06, 16:49 »
Hallo

ich möchte weiteren potentiellen Antworten nicht vorgreifen, aber ....

-daß diese Biegungen auf natürliche Weise entstanden sind, ist ein Schluß in sich selbst
-daß Biegungen durch das Spalten enstehen, ist kaum nachvollziebnar, wenn man sich den dicken Turmalin oben ansieht
-daß, wenn die linke Seite schneller als die recht wächst, Wachstumsstufen entstehen, ist auch klar
-daß Oberflächenspannungen eine Rolle spielen, müsste vertieft werden, könnte aber ein Weg zur Erklärung sein
-Versetzungen ? Mehrlinge ? Kaum denkbar bei Stibnit und Turmalin.

Interessant für mich ist, daß bisher niemand tektonische Einflüsse erwähnt hat

-daß chinesische Mineralienhändler Kristalle biegen, ist nicht bewiesen und dürfte bei einem gebogenen Schörl weder mechanisch noch chemisch noch physikalisch nachvollziehbar sein

Nun denn, erst mal Dank für die Anregungen; so ganz zufrieden bin ich aber bisher mit keiner Antwort; finde aber auch nichts in der mir zugänglichen Literatur.

gruß
collector

Offline Krizu

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #9 am: 08 Aug 06, 16:54 »
Hallo,

Biegen durch bearbeiten:
Doch es ist möglich an dünnen Schichten kleiner als etwa 100µm beim Saphir.
Beim Schleifen - möglicherweise analog durch natürliche Prozesse- entstehen in der Oberfläche Versetzungen. Da diese nur auf einer Seite des Kristalls vorhanden sind, entsteht ein Druck. Raus kommt statt eines geraden Wafers eine Chipslette. Dimensionen gleich! Die dinger können locker 15mm über der Werkbank liegen!

Spalten:
Oberflächliceh Versetzungen werden vom Kristall abgespalten.

die Tektonik müsste:
a.) langsam wirken
b.) vermutlich mit Temperatur (beides möglich)
dann könnte der Kristall in meinen Augen über Versetzungen ausweichen.

Mfg

Frank
MfG

Frank

Arminius

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #10 am: 08 Aug 06, 19:08 »
Hallo Collector,

Ich kenne eine Stufe aus Ueffeln, auf der ein gebogener Quarzkristall (ca. 6cm) sitzt. Der Sammler hatte mir die Entstehung so geschildert (wenn ich mich recht erinnere), dass

A) Die Kluft beim Wachstum auseinander driftete (es kamen wohl auch Fadenquarze aus der Kluft), und
B) Die Erdschichtung sich während des Wachstums langsam geneigt hat bzw. kippte.

Seine Theorie untermauerte er noch mit  irgendwelchen anderen Genrationen von Quarz auf der Stufe, die dann wieder "normal" ausgebildet waren und weiteren Kristallen, die dann wieder einen anderen Winkel zu den ersteren gestanden hätten.... (das bekomme ich aber nicht mehr  richtig zusammen, bin halt Anfänger)

Vielleicht hilft Dir das in Deiner Tektonik-Vermutung weiter (die ich als Anfänger am logischsten finde).

Gruß,
Armin

Offline stollentroll

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #11 am: 09 Aug 06, 20:50 »
Der Turmalin kann durch tektonische Einflüsse gebogen sein, wenn er eingewachsen gewesen ist. Er wurde dann vielleicht herauspräpariert oder hat sich vom Gestein gelöst. 

Offline montanpark

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #12 am: 09 Aug 06, 23:09 »
Moin,
bei dem Schörl ist Tektonik die Ursache, da kann man am Kristall ja die Scherflächen sehen. Die Antimonite aus China werden gerne mal durch die Jungs etwas präpariert. Beim Antimonit ist die Translation gut ausgeprägt, d.h. auch natürliche Ursachen kommen in Frage. Wenn aber ein Kristall gerade und der direkt daneben gebogen ist, sollte man zumindest bei Antimoniten chinesischer Provenienz Obacht walten lassen. Durch Erhitzen lassen die Stufen sich nämlich in nahezu beliebige Biegungsformen bringen. Habs selbst an einem kleinen Stück mal probiert .. geht!  ;D

Generell habe ich in meinem schon längeren Mineralogenleben einige gebogene Kristalle gesehen, deren Wachstumsstörungen überwiegend auf tektonische Vorgänge zurückzuführen waren.

Irgendwo hatte ich auch mal nen Artikel dazu, ich such mal und grab ihn ggf. aus und poste das Zitat,

Grüße
Roger

Offline Harjo

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #13 am: 09 Aug 06, 23:18 »
Hi,

Ich glaube auch eher an was Thomas und Roger sagen, wenn ich den Turmalin auf das Bild genau betrachte sehe ich eigentlich keine gebogene Kristalflachen, eher ein gerissener x das den eindruck weckt gebogen zu sein, also tektonisch, aber nog eine erklarung konnte sein:
Ich war gerade dran etwas restmaterial von Hagen aus zu sauren (auf die suche nach unbekanntes ;) ), es ist auffallend das die Millerite eingewachsen im Calcit sehr oft in allerhand forme gebogen sind warend die frei in drusen gewachsenen xx vollig gerade sind (und, Montanpark, es gibt gerade UND gebogene xx nebeneinander bei meine Millerite.....besser noch es gibt Korkenzieher, gebogene, gerade, halb korkenzieher halb gerade u.s.w. neben einenader.....das wurde mich wirklich interssieren, wieso den eine x so und den andere x anders, und der dritte wieder anders warend die alle von dieselbe generation sind und auf dieselbe stelle wachsen....).
Vielleicht ist es dann eher die oberflachenspannung von die spatere losung (also der Turmalin oder der Millerite ist schon da und dan kommt noch Calcit (oder Quarz, oder..)) einen wichtigen Faktor fur die distortion von die xx, nur so'ne gedanke.....
  
Gruss

Harjo
« Letzte Änderung: 09 Aug 06, 23:27 von Harjo »

Offline smoeller

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Re: Gebogene Kristalle
« Antwort #14 am: 09 Aug 06, 23:25 »
Hallo,

Würde aber auch in jedem Falle Versetzungen in Kristallen nicht ausschließen wollen. Wenn Elementarzellen zueinander in gleichem Richtungssinn versetzt bzw. verkippt sind, dann entsteht eine Krümmung im Kristall.
Dies dürfte bei Lockenmalachiten oder bei den ringförmig gebogenen Jamesoniten der Fall sein. Sie sind frei in Drusen gewachsen, hat mit Tektonik also nichts zu tun. Man diskutiert hier den Einbau von Fremdelementen als Ursache für Baufehler.

Glück Auf!
Smoeller

 

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