Auch wenn sich die Diskussion langsam von Schneebrots Kernfragen wegbewegt (obwohl die Kontroverse ihm vielleicht zeigt, dass es schwer ist, pauschale Aussagen über ein Geologiestudium zu treffen und Erfahrungen sehr subjektiv sein können), bin ich doch überrascht, was für Vorstellungen zum Thema Studium und Beruf anscheinend existieren. Dass das Studium nicht einfach eine verlängerte Schulzeit ist, wo einem alles hinterhergetragen wird, sollte doch klar sein. Da muss schon jeder Student selbst auf die sinnvolle Ausarbeitung eines Studienplans achten, wissen was er will, sich fachlich entsprechend orientieren...
Und was Praktika angeht: Zumindest im Bereich der Geologie ist mir nicht bekannt, dass hier ein oder mehrere Praktika als Prüfungsvoraussetzung erwartet werden. Und wenn: Es gibt Möglichkeiten, zumindest nach den Aushängen in meinem ehemaligen Institut zu urteilen. Vom 4-wöchigen paläontologischen Praktikum als Grabungshelfer (unbezahlt, Unterkunft und Verpflegung frei) bis zur (leidlich bezahlten) Teilzeitstelle in Ingenieursbüros war da alles geboten. Darf ich als Student ernsthaft erwarten, wie ein "Großer" bei meinem Praktikum bezahlt zu werden? Kann ich das nicht auch mal langfristig sehen, das erworbene Wissen als Gewinn und Investition in die berufliche Zukunft, statt zu denken: Für 15 € die Stunde steh ich morgens aber nicht auf.... ?
Der Grund für die durchaus hohe Abbruchquote im Geologiestudium liegt unter anderem darin, dass es von vielen Studenten nicht als "bequem" empfunden wird - eine Exkursion wird durchgeführt, auch wenn es regnet oder friert, das Programm muss ja absolviert werden. Einige kommen mit den körperlichen Anforderungen der Geländearbeit (ganztägige Profilaufnahme in Südspanien bei 40° C ist nicht immer lustig) nicht zurecht. Wieder andere stellen fest, dass es nichts wird mit dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, und bevorzugen einen Abschluss mit "eleganterem" Nimbus... Meine Feststellung ist, dass die Absolventen, die es durchziehen und schaffen, duchweg begeisterte, engagierte und tüchtige Leute sind.
Wie von giantcrystal bemerkt:
Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.
Niemand trägt einem ein Jobangebot hinterher! Man muss sich darüber im Klaren sein, was man will, wer man ist, was man kann, und das muss man aktiv an den Mann/die Frau bringen! Nicht nur in der Geologie muss man sich als Arbeitnehmer richtig verkaufen können. Gesundes (!) Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist gefragt! Niemand wird einem einen Job übertragen, wenn man an der eigenen Fähigkeit, ihn zu bewältigen, zweifelt. Das sind die soft skills, die genauso viel zählen wie fachliche Kompetenz.
Speziell Jobs, die Entwicklungs-, also Aufstiegspotenzial, besitzen, verlangen es, dass man in der Lage ist, vor Vorgesetzten, Mitarbeitern, Untergebenen seine Meinung fundiert zu vertreten und Entscheidungen sicher und selbstständig zu treffen.
Darauf bereitet das Studium leider generell nicht oder nur ungenügend vor. Zwar gibt es an den meisten Unis das Angebot von Rhetorikkursen, und in meinem Studium wurde auch das Erarbeiten und öffentliche Vortragen wissenschaftlicher Vorträge in einem gesonderten Seminar geübt, aber den grundlegenden Charakter eines Menschen kann das Studium nicht formen, genauso wenig, wie die Schule den Eltern die grundlegende Erziehung ihres Kindes abnehmen kann.
Meiner Beobachtung nach scheitert die Ergreifung des "Traumjobs" tatsächlich oft genug daran, dass man sich die Herausforderungen nicht zutraut, sich den Stress oder Aufwand nicht machen möchte und dann doch lieber den Weg des geringsten Widerstands geht, der leider oft genug an einem einsamen Schreibtisch endet, wo man dann die Tätigkeit des "einer unter vielen" erledigt.
Und sollte es doch mal mau mit den Berufsaussichten sein: Das Geologiestudium bietet eine so breit gefächerte Ausbildung und Wissensbasis, dass man in vielen Bereichen als Quereinsteiger unterkommen kann!
Gruß,
Triassammler