Mineralien / Minerals / Minerales > Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification
Wie werden die deutschen Mineralnamen festgelegt
Schluchti:
Ob es offizielle deutsche Namen gibt? Na ich denke schon. Gerade die von deutschen Autoren erstbeschriebenen Minerale, die auch weiterhin als solche anerkannt sind, haben sicher einen originär deutschen Namen, aus dem dann nur eine englische Fassung abgeleitet wurde. Wir würden dann den Originalnamen durch eine zweite Ableitung davon ersetzen. Dabei vermag ich wirklich keinen Sinn zu erkennen.
Zudem ergeben sich aus meiner Sicht bei der Ersetzung durch die englischen Namen weitere Unschönheiten und Brüche: Tetraedrit würde nach diesem Schema zu Tetrahedrit werden. Einen Tetraheder kennt die deutsche Sprache aber ebensowenig, wie ein Tetrahedron. Warum sollen wir uns Hilfskonstruktionen anderer Sprachen zu erleichterten Aussprache bedienen, denen wir nicht bedürfen und die unserer Sprache fremd sind? Gleiches gilt für die schon erwähnte englische Transkription von "koni" = "coni". Würden wir dann auch Quarz durch Quartz ersetzen? Beryll durch Beryl? Zirkon durch Zircon? Wismut durch Bismuth? Silber durch Silver? Cinnabarit durch Cinnabar?
Ich meine, auf diese Weise würden wir nur das nächste Namenschaos (wenn ein solches denn überhaupt existieren sollte) verursachen.
stollentroll:
Die Sache ist nicht ganz so einfach. Viele der originär deutschen Namen sind heute gar nicht mehr in Gebrauch, und die scheinbar originär deutschen Namen sind z.T. gar nicht so alt und z.T. auch gar nicht originär deutsch.
Nur einige Beispiele:
Emplektit - der originale deutsche Name ist "Strahliges Wismuth-Kupferrerz"
Eulytin - "Wismutblende"
Miargyrit - "hemiprismatische Rubinblende"
Pitticit - "Eisenpecherz"
Pyrostilpnit - "Edle Feuer-Blende"
Torbernit - "Grüner Glimmer", "Torberit", "Chalkolit"
Hausmannit - "Blättricher Schwarz-Braunstein"
Manganit - "Prismatoidisches Manganerz"
und weitere.
Niemand wird zu diesen originär deutschen Namen zurück kehren wollen und die heute im deutschen gebräuchlichen Namen sind z.T. garnicht von deutschen Mineralogen vergeben worden.
Einige der Minerale wurde ursprünglich in lateinisch beschrieben. So z.B. das Wismut, von Agricola als "bisemuthum". Eine Schreibweise Bismut oder Bismuth wäre hier also eigentlich eine Annäherung an die originale Form.
"Erythrin" ist auch kein original deutscher Name, sondern aus dem französischen "erythrine" abgeleitet. Der viel ältere originale deutsche Name lautet "Kobold-Blüthe", aber wer will diese Schreibweise denn heute noch verwenden ?
Die im deutschen verbreitete Schreibweise von Mineralen mit "-lith" am Ende ist z.T. nicht original. Der Roselit wurde ohne "h" beschrieben, erst später wurde im deutschen Roselith gebräuchlich.
Anderes Beispiel, der Silvialit. Im Original ohne "h", in den großen deutschen Mineralzeitschriften mit "h".
Die Beispiele lassen sich fortführen.
Umbenennungen oder Veränderungen in der Schreibweise hat es immer gegeben, das ist nichts ungewöhnliches.
Originär deutsche Schreibweisen mit Umlauten werden auch international beibehalten, z.B. Trögerit, Köttigit usw. Dazu gibt es auch eine aktuelle Veröffentlichung der IMA.
Es geht nicht darum, die englischen Namen generell zu verwenden wie Silver, Quartz (obwohl, wenn man eine Umfrage unter deutschen Schülern macht, dann würde ich wetten, dass mindestens 20 % "Quartz" schreiben würden), Beryll usw. Niemand wird das Wort "Silber" ersetzen wollen.
Ich würde es aber voll und ganz unterstützen, das völlig überflüssige "-h" an Ende wegzulassen (zumal es sowieso nicht gesprochen wird), und ich bevorzuge auch Schreibweisen wie "Cobalt......" statt "Kobalt..." (z.B. Cobaltlotharmeyerit, es heißt ja auch Cobaltit und nicht "Kobaltit", und das Elementsymbol ist ja Co) und "Clino...." statt "Klino...." (es ist sowieso kein deutsches Wort).
Eine Anpassung an die international übliche Schreibweise halte ich hier für sehr sinnvoll.
Glück Auf,
Thomas
Schluchti:
Ja, das ist natürlich richtig, daß es zahlreiche Beispiele der alten zusammengesetzten deutschen Mineralnamen gibt (die eigentlich eher Mineralbeschreibungen sind), die heute überholt und nicht mehr gebräuchlich sind. Aber zahlreiche der "neuen" deutschen oder eingedeutschten Namen sind inzwischen etabliert und haben auch Eingang in den Sprachschatz und sogar den Duden gefunden (wobei ich letzteres nicht überbewerte, möglicherweise aber ein Lehrer, der seinen Schülern derartige Neuschöpfungen ankreiden könnte).
Das Weglassen eines -h am Ende ist auch aus meiner Sicht vernünftig, da es offenbar eine zeitlang "Mode" war, dieses "h" hinzuzufügen.
Wenig logisch erscheint, und da hast Du ebenfalls recht, auch die unterschiedliche Verwendung von "Kobalt-" (Kobalt-Zippeit, Kobaltaustinit, Kobaltkoritnigit, Kobaltpentlandit) und "Cobalt-" (Cobaltarthurit, Cobaltit, Cobaltlotharmeyerit, Cobaltlotharmeyerit, Cobalttsumcorit). Ein Vereinheitlichung wäre da sinnvoll.
Mir scheint es, insbesondere bei der zunehmenden Ersetzung von "k" (Kobalt, Karbonat) und "z" (Silizium, Kalzium) durch das englische "c", eine schleichende Anglifizierung auch von Teilen der deutschen Fachsprache zu geben, die in der Allgemeinsprache nicht mit vollzogen wird, ja dort vielmehr genau in der umgekehrten Richtung abläuft. Existiert indes kein englisches Wort mit gleichem Wortstamm, werden offenbar auch in Teilen der Fachsprache (konsequenterweise?) die später geschaffenen deutschen Namen beibehalten und nicht durch die englischen ersetzt (z.B. bei Kalium oder Natrium). Was ist dies nun für ein Effekt? "K" wird durch "C" ersetzt, wo es im Englischen bei gleichem Wortstamm so ist. Völlig andere Wörter dürfen indes bestehen bleiben. Dient dies der Vereinheitlichung des Verständnisses?
Krizu:
Hallo,
Elemente: Meines Wissens stammt die Regelung aus der Chemie (Iupac ?) und ist auch im Duden zu finden.
Silicium
Calcium
Bismut
Iod
Mein Doktorvater hatte eine Abneigung gegen neudeutsch. So war ein Shutter ein elektromechansicher Verschluss! Da ich Bismuttitanat gemacht habe, durfte ich zu Ihm rein und hören wwas den los sei. Da habe ich den Duden auf den Tisch gelegt.
Die Frage ist, wie weit die Vereinheitlichung geht. Da hilft nur der Duden in der akuellen Neufassung.
MfG
Frank
stollentroll:
Dass in der Fachsprache eine Tendenz zum Ersetzen von K durch C (Carbonat, Cobalt, ...) besteht und in der Allgemeinsprache nicht bzw. eine gegenläufige Tendenz, würde ich so nicht bestätigen. Ein einfacher Test, wie weit die allgemeine Verbreitung ist, lässt sich ja mit Google machen, Suche nur nach deutschen Seiten:
Karbonat: 36.000 Treffer
Carbonat: 113.000 Treffer
oder
Kobalt: 453.000 Treffer
Cobalt: 619.000 Treffer.
Man kann sich jetzt drüber streiten, wie repräsentativ das ist. Aber die Tendenz ist eindeutig, und das Internet ist ja schon lange kein "Fachnetz" mehr.
Glück Auf
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