Hallo,
ein trauriger stimmender Artikel, in dem die Verbitterung des Autors deutlich mitschwingt

Es ist unserer heutigen Lern- und Arbeitswelt mit ihrer ständig geforderten "Flexibilität" geschuldet, dass viele nicht mehr in der Lage sind, sich über längere Zeit am Stück hinweg mit einem Thema zu befassen. "Multitasking" ist das Zauberwort, wobei geflissentlich verdrängt wird, dass ein "Multitasker" nicht mehrere Aufgaben in derselben Zeit erledigt, sondern lediglich Scheibchen abarbeitet und sich die gesamte Abarbeitung aller Aufgaben dann doch wieder zeitlich summiert. Von Flüchtigkeitsfehlern dabei ganz abgesehen... Die Auswirkungen sind aber IMHO eindeutig: Für langfristige Tätigkeiten fehlt die Konzentration, nach einer kurzen Zeitscheibe verlangen Körper und Gehirn nach einem Reizwechsel, weil sie bereits darauf trainiert sind. Die Zerstückelung von Sendungen in TV und Radio trägt diesem Trend Rechnung - oder unterstützt ihn auch noch.
Gerade deshalb ist das Sammeln für mich eine willkommene Abwechslung vom Arbeitsalltag, und es wäre zu wünschen, dass man dies als Gegenpol zur Multitasking-Zivilisation auch den Jüngeren näherbringen könnte.
Die Frage nach dem Wert eines Eigenfunds halte ich eigentlich nicht für verwerflich: Kinder und Jugendliche sind sicher am Anfang begeistert, einen "Schatz" gefunden zu haben, und wollen natürlich wissen, wie wertvoll dieser ist. Die Abstumpfung kommt dann mit der Zeit von ganz allein, wenn man seine Funde immer besser selbst bestimmen und in den Fundstellenkontext einordnen kann, woraus sich dann ja auch der sammlerische Wert ergibt.
Bendenklich wird es erst, wenn der allererste Eigenfund, dem ein Wert von 10 ct attestiert wurde, aus diesem Grund keine Wertschätzung erfährt und gleich wieder weggeworfen wird.
Man kann aus dem Artikel aber auch schöne Lehren ziehen: Allen voran die, dass man sein Kind dahingehend sensibilisiert, dass es beim Mineraliensammeln um weit mehr als schnöden Mammon geht, und dass der frühe Vogel den Wurm fängt und nicht derjenige, der bis 11 Uhr am Vormittag ausschlafen will.
Ein anderes angesprochenes Problem finde ich schwerwiegend: Der Autor sagt von sich, sich als Jugendlicher die Werkzeuge etc. für sein Hobby durch Nebenjobs finanziert zu haben. Das ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr so einfach - der traditionelle Ferienjob (der mir zu meiner Zeit als Schüler auch maßgeblich dabei geholfen hat, Ausgaben rund um die Sammlung zu decken) wird kaum mehr vergeben. Firmen haben in den Ferienzeiten Produktionsverringerungen bereits einkalkuliert und seit Jahren wohl auch keinen wirklichen Bedarf mehr, diese durch jugendliche Ferienarbeiter auszugleichen. Man kann viel über die "faule Jugend" lästern, Fakt ist aber auch, dass sie nicht mehr so viele Möglichkeiten zur Betätigung in der Erwachsenenwelt hat wie früher. Und dann wird stattdessen eben gedaddelt...
Grundsätzlich beneide ich die heutige Jugend nicht, die ja irgendwie das Gefühl vermittelt bekommt, dass die Erwachsenen sie in fast allen Bereichen an den Rand stellen und nicht ernst nehmen (TV statt Familienleben, Daddeln statt Ferienjob...).
Mein Kommentar geht jetzt wirklich stark am Thema vorbei, aber das musste mal raus in Anbetracht des verlinkten Artikels...
Gruß,
Rainer