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Autor Thema: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?  (Gelesen 14363 mal)

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Offline berthold

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #15 am: 16 May 11, 09:25 »
Hallo,

so ein Szenario kann ich mir nicht vorstellen. Die Knackpunkte sind:

- wenn ein Pyrit herausfäll hinterlässt er als Abruck seine Anwachsstelle - die ich aber nicht sehe
- Auseinanderbrechen eine Fluorits in der {100} Fläche (auf der die Pyrite sitzen) ist bei der guten {111}-Spaltbarkeit von Fluorit nicht zu erwarten
- ein durch Herausfallen entstandener Hohlraum würde nicht in Pentdagondodekaeder-Form zuwachsen
- das gesamte Stüfchen zeigt keine Indizien die für eine tektonische Beanspruchung sprechen.

Nein, so kann das nicht entstanden sein. Es muss wohl ein nachträglicher Lösungsvorgang gewesen sein. Nur fehlen mir dafür die Spalten/Kanäle auf denen die Lösung zirkulieren konnten.

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #16 am: 16 May 11, 10:44 »
Hallo,

ich stell jetzt mal zwei gemeine Fragen/stelel Aussagen in den Raum  ;D :
- Warum muss es PYrit sein, nur weil Pyrit in der nähe sitzt?
Es ist naheliegend, aber muss es richtig sein?
- Pyrit hat eine gewisse Löslichkeit für andere Sulfide. Bist du sicher, dass der "ist schon weg"-Pyrit die gleiche Zusammensetzun hat wie der "ist noch da"-Pyrit?

MfG

Frank

Offline berthold

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #17 am: 16 May 11, 11:08 »
Hallo,

also chemische Selektion ?

Warum es Pyrit sein muss: Weil kein anderes aus dem Wölsendorfer Revier bekanntes Mineral Pentagondodekaeder bildet. Selbst wenn man ein hier noch nicht bekanntes Mineral vermuten würde, es bleiben nicht viele übrig. Und die Bildungsbedingungen müssten auch noch stimmen. Es scheint zudem auch so, dass diese "fehlenden Pyrite" epitaktisch im Fluorit eingewachsen waren. Pyrit ist im wahrsten Sinne des Wortes naheligend: wenige mm entfernt in der gleichen Wachstumsschicht und eben auch als Pentagondodekaeder.

Über die Zusammensetzung der  "ist schon weg"-Pyrite kann ich logischerweise nichts sagen. Aber warum sollte ein Pyrit eine andere Zusammensetzung haben als ein 3 mm entfernte Kollege in der gleichen Wachstumsschicht?  Und würde eine eher keine Schwankung in der Chemie zu der Erscheinung führen dass ein Pyrit komplett aufgelöst wird, der Nachbar dagegen frisch erscheint?

Gruß
Berthold

Offline Krizu

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #18 am: 16 May 11, 11:34 »
Hallo,

ich kann nur für die Sulfide eines mir gut bekannten Erzkörpers sprechen. Innerhalb eines mikroskopischen Oktaeders wechselte das Material von (Fe,Ni)S_x zu (Ni,Fe)S_x . Falls du die Möglichektien hast: Ein Materialkontrastbild im REM eines Pyrits aus dem Bereich.
Der weitere Zerfall wird imho autokatalytisch vom Limonit gefördert...

Just my 2cts...

Frank

Offline cmd.powell

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #19 am: 23 May 11, 15:29 »
Sorry, war länger nicht da...

@Berthold: Ok, so wie Du es beschreibst, ist ein "Herausbrechen" in der Tat extrem unwahrscheinlich. Da bleibt nur noch eine nachträglich Auflösung einiger Kristalle. Wie und warum ausgerechnet einige XX gelöst wurden und andere anscheineind noch nicht mal angelöst wurden kann ich aber auch nicht sagen. Ebenso wie Du kann ich mir nur schwer vorstellen, das sich die Pyrite auf solch geringen Abständen derart chemisch unterscheiden, das einige vollständig und spurlos gelöst werden und andere "taufrisch" erscheinen. Die von Frank vorgeschlagene Lösung klingt zwar recht plausibel, erklärt aber auch nur bedingt die hohe beobachtete Selektivität.
Ich habe ein ähnliches Problem mit Fundstücken von Helgoland: Dort konnte man vor einigen Jahren noch Mottramit-Perimorphosen auf Galenit finden. Nun sind auf den Fundstücken einige Galenite noch im Kern erhalten, andere vollständig weggelöst. Stutzig wurde ich erst, als ich auf einer Stufe nur oberflächlich angegriffene Galenit-XX mit dünner Mottramitkruste direkt neben nur noch als Hohlräumen erhaltenen Kristallen gefunden hatte. Da ich in der Nähe der Mineralisationen bis heute noch keine Kupferminerale gefunden habe tendiere ich hier zu irgendeinem primären Kupfersulfid.

BTW: Laut mindat gibt es in Wölsendorf auch Skutterudit, Nickelskutterudit und Gersdorffit - die bilden auch Pentagondodekaeder !

Offline berthold

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #20 am: 23 May 11, 16:36 »
Hallo,

Zitat
BTW: Laut mindat gibt es in Wölsendorf auch Skutterudit, Nickelskutterudit und Gersdorffit - die bilden auch Pentagondodekaeder !

jein.  :-\ Richtrig, Skutterudit, Nickelskutterudit und Gersdorffit werden auf dem Wölsendorfer Revier genannt. Diese drei Sulfide haben als einzige Wölsendorfer Mineralien Arsen in ihrer Formel und schon deswegen bin ich skeptisch und wollte der Sache nachgehen. Doch bisher Fehlanzeige auf ganzer Linie. Weder ist mir ein Beleg dieser Mineralien in irgendeiner Sammlung bekannt noch konnte ich feststellen von wem die Aussage kommt (sicher vor 1975, da hier von H. Ziehr ohne Quellenangabe Gersdorffit und Skutterudit in der Sulfidparagenese aufgelistet wird). Selbst wenn diese Arsenmineralien in frei in Fluorit eingewachsenen Kristallen vorkämen - was ich nicht glaube - es bedürfte noch eines weiteren Zufalls: Pentagondodekaeder ist für diese Mineralien ja nicht umbedingt die typische, häufige oder gar vorherrschende Kristallform.

Es wird auf eine nachträgliche Auflösung von Pyrit hinauslaufen. Warum einzelne Kristalle (nicht) betroffen sind könnte mit unterschiedlich guter Kapselung zu tun haben.

Gruß
Berthold

Offline Jochen1Knochen

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #21 am: 24 May 11, 20:58 »
Hallo!
Ich habe sechseckige Fluorite.Keine Ahnung momentan wie diese Kristallform heißt.Aber können diese durchsichtigen Kristalle nicht auch Fluorit sein,bzw. gewesen sein,wenn das jetzt Hohlräume sind?Eventuell siehst du unterm Mikroskop die sechste Ecke noch.
Im Lexikon sind zwar viele Kristallzeichnungen beim Fluorit,aber meine sechseckigen hab ich dort auch nicht gefunden.Weiß da jemand etwas darüber?
Gruß Jens

Offline cmd.powell

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #22 am: 24 May 11, 21:12 »
Hi Jens

Bei "sechseckige" Fluoriten dürfte es sich um Hexaeder/Oktaeder-Kombinationen handeln. Das "Problem" mit dem Fluorit ist, das er die "falsche" Symnetrieklasse hat: Er besitzt drei vierzählige Achsen (egentlich nur eine, da kubisch, aber erstmal egal), d.h., das alle Flächen auch viermal vorkommen müssen (gegenseitige Überlagerung ist natürlich möglich). Diese Symnetrievorraussetzung angewendet ergibt, das ein Pentagondodekaeder nicht beim Fluorit vorkommen kann. In der Kristallklasse, in welcher der Pyrit kristallisiert gibt es keine vierzähligen Achsen, daher ist der Pentagondodekaeder möglich. Für ein tiefergehendes Verständniss verweise ich an dieser Stelle auf weiterführende Literatur wie z.B. dem Kleber oder Klockmann, dort gibt es auch recht einleuchtende Kristallzeichnungen.

Grüße

Markus

Offline Jochen1Knochen

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Re: durchsichtige Pyrit-Petagondodekaeder oder was?
« Antwort #23 am: 24 May 11, 21:42 »
Danke Markus!
Da hab ich mal einen Ansatzpunkt zur weiteren Suche!
Gruß Jens

 

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