Hallo Markus
dass das Internet die Welt verändert hat, ist schon richtig; insofern sollte man diese interessante Variante, wie von Alfredo P. erwähnt, nicht unterschätzen.
Hohe Preise, hauptsächlich verursacht durch einige wenige, den Weltmarkt im Hi-End dominierende US- und europäische Dealer, sind jedoch älter als das Internet. Die Ursachen sind etwas anders, basieren aber meist auf denselben immer wieder angewandten Spielregeln und Szenarien:
*1. An verschiedenen Orten der Welt gibts interessante Mineralien, die i.d.Regel durch traditionellen Bergbau oder durch "Specimen mining" gefördert werden.
*2. Es ist dann aber nicht so, dass sich vielleicht irgendein Reisender oder Sammler an diesen Ort der Welt verirrt und dann auf gut Glück "Wow" auf schöne Mineralien stößt, die er der armen Sau von Bergmann für nen Appel und n' Ei abluchst. Nein, im Gegenteil. Wird heute morgen sonstwo auf der Welt was gefunden, was Gewinn verspricht, weiß es 3 Stunden später die kaufkräftige Riege der US- und Europa-Dealer; wobei die Reviere ziemlich scharf abgegrenzt sind. (Die Amis dort, wo englisch gesprochen wird, die Franzosen in Vietnam und Westafrika).
*3. Die ganz großen im Geschäft (Amis) haben eigene bezahlte lokale Leute (Mineralienspione) vor Ort in der Nähe der Minen stationiert oder beschäftigen Einkäufer, die das ganze Jahr weltweit unterwegs sind
*4. Berichtet der Mann vor Ort oder Einkäufer, dass die Neufunde lukrativ sind, erhält er den telefonischen Auftrag: Kaufen ! ALLES was rauskommt. (Bps.: einer der jüngsten Funde attraktiver Vanadinite, ca. 1.000 bis 1.200 Stufen (!) wurde komplett von X...X in den USA gekauft. Weitere Beispiele: Prehnite und Epidote aus Mali, Aquamarine und Jeremejewite aus Namibia, Super-Granate aus Brasilien, rosa Fluorite aus Pakistan, Tansanite aus Tansania, Liddicoatite aus Madagaskar etc etc etc.).
*5. Wie rechnet sich das ? Zuerst hat der Käufer die Freiheit, jeden Preis der Welt zu gestalten. In diesen Preisen stecken natürlich die Einkaufspreise (Bergmann-Abgabepreise), sowie die Gewinnspannen der lokalen Mittelsmänner, die Löhne der "freien" Mitarbeiter vor Ort, Schmiergelder, die Transport- und Marketingaufwendungen und natürlich ein satter Gewinn. Oft ist es so, dass, wenn z.Bsp. in einem Lot von 1.000 Stufen auch nur 3 oder 4 Hi-End-Stufen sind, diese schon den gesamten Aufwand für den Gesamtkauf finanzieren können. Alle anderen 996 Stufen sind 100% Gewinn ! Von diesen 996 gehen 980 in den Markt, meist über Dealer der 2. Liga. 16 werden vom Superdealer in eigenem Namen verkauft. Nur Rennpferde sind billiger !
*6. Ich habe selbst 2 mal die Erfahrung mit den Exklusivkäufern gemacht. Irgendwann in den 1970er Jahren stand ich in Marokko vor einem Riesenstapel Holzkisten mit etwa 6.000 - 7.000 der zu den weltbesten zählenden, tiefblauen Azuritstufen aus Touissit sein. Leider konnte ich nicht eine einzige Stufe daraus erwerben - nur anschaun - da die gesamte Menge bereits an einen US-Dealer verkauft war.
Ähnliches passierte meiner Frau und mir In Uis in Namibia bei einem Händler, vor uns etwa 10 Tische, übersät mit ausgesucht schönen glasklaren Amethystquarzen. In Unkenntnis der Situation, aber im Glauben, dass wir bei einem seriösen Händler sind, suchten wir uns ein paar schöne Kristalle aus und legten sie zur Seite. Irgendwann platzte ein junger US-Dealer in den Raum und schrie uns an: "What the hell are you doing with my quartzes ?". Irgendwann verstanden wir, dass dieser Dealer die gesamte Monatsproduktion der Arbeiter vom Brandberg, mehrere tausend Stücke, komplett aufgekauft und tw., obwohl physisch noch in Namibia, schon in den USA weiter verkauft hatte.
*7. Eine Abwandlung dieser Spielregel ist, dass einige Dealer den Schürfern vor Ort schon "auf Verdacht" jeden Monat eine bestimmte Summe zahlen, damit diese, sollten sie auf einen guten Fund stoßen, diesen nur und exklusiv dem Dealer zukommen lassen. Wie heißt es so schön ? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing !
Lange Rede, kurzer Sinn: Was wenige wissen ist, dass - zumindest was die Mineralien der etwas besseren Sorte angeht - der Weltmarkt von wenigen, meist US-Dealern dominiert wird; ein sehr ähnliches Spiel wie das der Banken mit den verdummten Menschen.
Sollten die bolivianischen Bergleute wenigstens ab und zu soviel für ein Mineral bekommen, wie sie es in ebay sehen, sei es Ihnen vergönnt. Meist ist es aber nicht so. Die Monster-Gewinnspannen werden woanders erzeugt und eingestrichen.
Nachdem ich wieder einmal bei einem bekannten US-Dealer einen spanischen Aragonitkristall mit 6 cm Länge und 2,5 cm Durchmesser für 260.- US$ Fixpreis als verkauft gesehen habe, bin ich auch langsam überzeugt, wie Harald es schrieb, dass Selbersammeln die eigentliche Quintessenz des Mineraliensammelns ist. Alles andere ist Profit, Gier, Jagd nach Egotrips und kindisches Machtstreben.
Gruß
collector