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Autor Thema: Material aus einem Bergeller Pegmatit  (Gelesen 3512 mal)

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Offline guefz

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Material aus einem Bergeller Pegmatit
« am: 03 Oct 11, 23:07 »
Hallo,

ich habe hier ein Stück, das ich im Sommer gefunden habe. Es stammt aus einem Pegmatitblock, den ich im Drögh dal Frachic gefunden habe. Das Pegmatitmaterial zeigt im Feldspat kleine Risse, in denen neben Feldspat, Quarz und Glimmer auch teilweise weitere Mineralien kristallisiert sind. Die gelben Nadeln auf dem Foto dürften Uranophan-beta sein, der von dort beschrieben ist (leichte Radioaktivität ist messbar: 0,4-0,5µS/h in 5mm Abstand). Unter den gelben Nadeln sitzen hier aber noch klare Kristalle mit rechteckigem Querschnitt und einfacher Kopffläche. An anderen Pegmatit-Fundstellen dieser Gegend wurden lt. Bedogne bereits Bavenit und Bertrandit nachgewiesen, daher geht mein erster Verdacht in diese Richtung. Beryll gab es in diesem Block jedenfalls an mehreren Stellen.

Was ist eure Meinung dazu?

Günter

Online Josef 84,55

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #1 am: 04 Oct 11, 13:57 »
Hallo Günter,
ich würde die farblosen Kristalle eher als Stilbit (o. Stellerit) bestimmen, ich kenne aber die die Fundstelle nicht.
Bei Bertrandit währe die Streiffung an den Seitenflächen eher quer, nicht längs der Kristalle.
Wahren die Berylle frisch oder angelöst?
Grüße Josef

Offline guefz

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #2 am: 04 Oct 11, 19:34 »
Hallo Josef,

Stilbit ist monoklin, kann da so eine gerade Kopffläche vorkommen? Stellerit ist orthorhombisch, da würde es passen. Stellerit ist in meinem Buch aber nicht für Pegmatite dieser Gegend erwähnt, sondern nur Spalten im Tonalit. Der Pegmatit, um den es hier geht, ist aber im Granodiorit, was Stellerit aber wohl nicht völlig ausschließt.

Was den Bertrandit angeht habe ich jetzt noch eine andere Stelle in dem Buch gefunden. Dort ist von meist tabularen Kristallen die Rede, was hier dann eher gegen Bertrandit spricht. Bavenit ist dagegen in Gruppen von radialstrahligen Kristallen gefunden worden.

Die Berylle waren meist frisch außer sie saßen neben radioaktiven Mineralien. Ich habe einen halbwegs intakten Uraninit Kristall gefunden und viele zersetzte Reste, daher eben auch die Uranophan-beta Kristalle.

Weitere Ideen?

Günter

Offline smoeller

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #3 am: 05 Oct 11, 10:10 »
Hallo,

Bertrandit möchte ich nicht ganz ausschließen. Der tafelige Kristall oben in der Mitte (links von der rechten Uranophan-Rosette) sieht mir sehr danauch aus. Typisch für Bertrandite ist ein fischschuppenähnlicher (perlartiger) Glasglanz auf den Tafelflächen (ähnlich wie manchmal beim Apophyllit). Im Steinbruch Dörfel in Sachsen habe ich Bertrandite gefunden, die diesen hier sehr ähnlich sahen.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #4 am: 05 Oct 11, 13:21 »
"Stilbit ist monoklin"

Zeigt aber immer pseudo-orthorhombische Morphologie.

Online Josef 84,55

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #5 am: 05 Oct 11, 13:38 »
Hallo
stimmt ausschließen kann man Bertrandit nicht, der Glanz von Stilbit und Bertrandint auf {100} ist manchmal sehr ähnlich. Ein Zwilling würde sicher auf Bertrandit deuten (Kopffläche als Drachenviereck).
Am wahrscheinlichsten ist für mich Stilbit. Sichere Bestimmung durch XRD.
Grüße Josef

Offline guefz

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #6 am: 05 Oct 11, 18:29 »
Hallo,

danke für die Kommentare. Ich werde es also erstmal bei dem großen Fragezeichen belassen und die Zeolithe zur Liste der Möglichkeiten hinzufügen.

Günter

Offline guefz

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Re: Material aus einem Bergeller Pegmatit
« Antwort #7 am: 12 Jan 12, 20:19 »
Hallo,

mittlerweile liegen mir Raman-Messdaten zu einem der klaren Kristalle vor. Das Ergebnis ist aber nicht so ganz eindeutig. Einzig Bavenit und Bertrandit kann man jetzt ausschließen, da deren Spektren nun gar nicht zur Messung passen. Die Messung passt auf den ersten Blick recht gut zu den Rruff-Referenzen für Stilbit-Ca und Stellerit, auf den zweiten Blick gibt es da aber noch zwei Unterschiede, die ich hier zur Diskussion stellen möchte. Neben den Referenz-Spektren aus der Rruff-Datenbank habe ich noch dieses Paper ausgewertet.

Ich habe einmal die Messwerte mit den Referenzen zu Stilbit-Ca von Rruff in ein Diagramm geplottet und zum anderen die Messung mit den Stellerit-Referenzen in ein zweites Diagramm. Da ich die Maxima im Moment noch nicht direkt in die Diagramme plotten kann, habe ich sie in die folgende Tabelle gesetzt, zusätzlich auch die Maxima aus der Stilbit-Referenz aus dem oben genannten Paper (Abb.13). Eingeklammerte Werte sind nur schwach aus der Umgebung hervortretende Maxima.

MessungRruff R050106Rruff R050012MozgawaRruff R070535Rruff R060483Rruff R040174
Stilbit-CaStilbit-CaStilbitStelleritStelleritStellerit
153145(151)155156+160(150)
(226)234
290297(290)
413406409413410408410
457(455)457458458460458
480
499494496497495496497
515(516)
629610615611623615625
792790786799794792
111411081135

Viele Banden stimmen mit den Referenzen recht gut überein, nur die in der Messung vorhandenen Banden bei 480 cm-1 und 515 cm-1 finden sich in den Referenzen nicht wieder. Kann das von den evtl. unterschiedlichen Anteilen Ca, Na und K in den Proben herrühren oder gibt es dafür eher andere Gründe?

bis denn

Günter

PS: @Stefan: Wäre es möglich, auch SVG-Vektorgrafiken für Anhänge in den Posts zuzulasssen?

 

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