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Autor Thema: Neue Publikation "Vulkanemissionen" online - Bitte um kritische Diskussion  (Gelesen 1761 mal)

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Offline giantcrystal

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Hallo aus Mittelfranken

Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, zwei neue geologisch - bergbauliche Publikationen auf meine Homepage www.mineral-exploration.de online zu stellen :

www.mineral-exploration.de/mepub/pfeifenkopf.pdf

etwas für die Freunde des historischen Kohlebergbaus, sowie

www.mineral-exploration.de/mepub/vulkanemissionen.pdf

Hier geht es um die bisher unterschätzte Gefährdung der deutschen & europäischen Energieversorgung durch Vulkanemissionen

Gerne einmal hereinschauen und gerade bei der zweiten Publikation würde ich mich über eine kritische Diskussion des Artikels freuen.

Gück Auf

Thomas


Offline berthold

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Hallo Thomas,

vielen Dank für Deine Überlegungen zu den Auswirkungen von Vulkanemissionen auf unsere Energieversorgung. Ich gebe zu, über solche möglichen und drastischen Auswirkungen habe ich mir noch nie Gedanken gemacht - und ich fürchte dass ich da nicht alleine bin.

zur Diskussion:
Zitat
Im Falle eines größeren Vulkanausbruches > VEI 5 ist längerfristig mit hohen Feinstaubgehalten in der Stratosphäre zu rechnen, die die Sonneneinstrahlung deutlich vermindern. Ebenfalls ist mit immer wiederkehrenden Staubablagerungen auf den Solarmodulen selbst zu rechnen. Im ungünstigen Fällen können die vulkanischen Stäube / Aerosole hohe korrosive Bestandteile wie Fluorwasserstoff (z.B. Laki-Ausbruch 1783-1785 auf Island) enthalten, die das Glas der Solarmodule dauerhaft anätzen können. In jedem Falle ist eine starke Leistungseinbuße der Solarkollektoren anzunehmen !
Ich kann  mir nicht vorstellen dass eine Leistungseinbuße im Prozent-Bereich durch geogenes anätzen der Glasoberfläche von Solarkollektoren eintritt. Ätzen von Glas mit Flusssäure wird industriell vielfach gemacht und führt nicht zu einer wesentlichen Verschlechterung der Transmission. Im Gegenteil, gerade in der Solartechnik entspiegelt man durch Ätzung die Oberfläche und erzielt dadurch sogar einen höheren Wirkungsgrad. Staubablagerungen z.B. auf den Solarzellen sind ein bekanntes Problem, allerdings sind staubabweisende Oberflächen - wie sie praktisch zwingend in Wüstenregionen notwendig sind - heute Stand der Technik. Das halte ich für einen Nebenkriegsschauplatz. Die "starke Leistungseinbuße der Solarkollektoren" würde ich also nicht "in jedem Fall" sondern nur für sehr hohe Feinstaubgehalte in der Stratosphäre im Weg des Sonnenlichts zum Kollektor vermuten.

Zitat
Es ist jedoch zu befürchten, das der Aspekt „vulkanische Feinstäube / Aerosole“ (ggf. zusätzlich korrosiv) bei der Konstruktion bisheriger Windturbinen kaum hinreichend beachtet wurde.
Richtig, das vermute ich auch. Nur welche Auswirkungen sind im Ernstfall zu erwarten? Bei den geringen Drehzahlen und nicht gerade filigraner Ausführung der wenigen beweglichen Teile erwarte ich keinen kurzfristigen Ausfall, eher eine geringfügige Senkung der Lebensdauer. 

Angesichts der unzureichenden Grundlastfähigkeit vieler regenerativen Energiequellen muss ein möglichst breiter Energiemix das Ziel sein. Als einzige wirtschaftlich halbwegs machbare Speichertechnik müssen Pumpspeicherkraftwerke (aus)gebaut werden. Ebenso wichtig ist die bessere Vernetzung und natürlich die Weiterentwicklung energiesparender Technologie. Es gibt eine Reihe von Ansätzen die in der Problematik hilfreich sein können, von der Strom-Boje bis zum Null-Energie-Haus. Man muss es nur politisch wollen. Stein- und Braunkohlebergbau gehören noch zum Mix, die Verbrennung von fosslilen Brennstoffen sollten wir wegen der CO2-Problematik jedenfalls nicht forcieren.

Gruß
Berthold

Offline triassammler

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Hallo Thomas,

ich schließe mich Bertholds Lob dahingehend an, dass mir der Artikel einige Zusammenhänge vor Augen geführt hat, über die ich bislang in dieser Form nicht nachgedacht habe.

Ganz grundsätzlich muss ich aber das fast völlige Fehlen von Quellenangaben bemängeln. Der Hinweis auf "einschlägige Literatur" ist mir da bei weitem nicht genug, zumal dieser nur für Tab. 1b gilt und die Herkunft der sonstigen Informationen in dem Artikel unklar bleibt. Über die natürliche (nicht in der industriellen Fertigung gewollt herbeigeführte) Korrosion von Glas habe ich mich selbst mal vor Jahren belesen, und das Fazit der Publikationen war, dass es sich um einen marginalen Effekt handelt, der bei mechanisch nicht beanspruchten Glasbauteilen zu vernachlässigen ist. Besonders hier hätte es mich interessiert, auf weiterführende Literatur hingewiesen zu werden, die Deine abweichende Sicht der Dinge stützt. Ohne quantitative Angaben (auch bezüglich der Abnutzung von Windkraftanlagen) hängen für mich die Einschätzungen und damit auch die Schlussfolgerung Deines Artikels etwas in der Luft und erscheinen teilweise unbegründet. Der Artikel hat daher für mich eher essayistischen Charakter.

Ich hoffe, ich habe so früh am Morgen nicht zu vernichtend kritisiert...?

Gruß,
Rainer