Hi
Wahrlich ein interessanter Ansatz: Sammeln als "Geisteskrankheit". Aber so richtig kann ich mich mit dieser Aussage nicht anfreunden (ebensowenig wie so manch anderer hier). Ich sehe im Hang zum Sammeln auch eher die alte genetische Vorbelastung des Jägers und Sammlers. Uralte Verhaltensmuster, welche mal unser Überleben gesichert haben, würde ich nicht als Krankheit bezeichnen. Vielleicht zielt die Aussage des Psychologen eher auf eine übertriebene Sammelleidenschaft hin, wobei hier eine klare Grenze schwer zu ziehen sein wird.
Aus eigener Erfahrung kann ich folgendes dazu sagen: Bisher erscheinen mir Menschen, welche in irgendeiner Form einer Sammelleidenschaft folgen, "lebendiger"*1 und/oder aufgeschlossener zu sein als solche, die dieses nicht tun. Dazu muss ich noch ergänzend sagen, das diese Beobachtung nur dann zutrifft, wenn sich die entsprechende Person auch mehr oder weniger intensiv mit dem Sammelhintergrund auseinander setzt. Leute, die einfach nur Bierdeckel (oder hübsche Steine) sammeln, zählen also nicht dazu.
Wenn sich aber die sammelnde Person nicht nur dem mechanischen Sammelprozess hingibt, sondern auch die - sofern vorhanden - theoretischen Grundlagen etc. erarbeitet, trifft meine Beobachtung zu. Das ist letztlich sicherlich auch logisch, da man durch sein spezielles Interesse sich automatisch aus der Masse hervorhebt und somit auch automatisch eine andere, möglicherweise auch erweiterte Sicht auf die Dinge erhält. Man erweitert schlicht und ergreifend seinen Horizont. Das trifft auf Sammler von Dingen mit großem naturwissenschaftlichen Bezug besonders zu, da man über das Sammelgebiet zu der entsprechenden Naturwissenschaft und somit zu einem größeren Wissenpotential und letztlich sogar einem erweiterten Weltbild gelangen kann. Denkt man diesen Ansatz konsequent zuende, so muß man es als erstrebenswert ansehen, Dinge mit naturwissenschaftlichen Bezug zu sammeln, da man auf diese Weise zu einem, tja, weiseren Menschen wird - die Einarbeitung in den theoretischen Teil vorausgesetzt. Das ist natürlich nur meine bescheidene Meinung zu dem Thema, da ich mich persönlich so sehe. Falls diese Vorgehensweise einem Psychologen als Geisteskrankheit erscheint, so schließe ich mich Tobi an und bin gerne Krank. Ein Freund von mir hat es einmal noch deutlich drastischer formuliert: "Wenn 'normal' das ist, was alle Anderen sind, bin ich froh, nicht 'normal' zu sein !"
Oder ganz anders Betrachtet: Wie wurden den die Grundlagen für die Naturwissenschaften, speziell Mineralogie und Geologie gelegt ? Irgendwelche Menschen haben angefangen, systematisch Minerlien/Steine zu sammeln und festgestellt, na hoppala, da gibt es ja Zusammenhänge, Verbindungen und man kann daraus Erkenntnisse mit allgemeiner Gültigkeit ableiten. Das sich bei allen Quarzen auf der Welt die Flächen unter den gleichen Winkeln schneiden kann man nur herausfinden, wenn man auch Quarze aus aller Welt hat, ergo sammelt. Ok, diese Betrachtungsweise funktioniert defintiv nicht bei Bierdeckelsammlern u.ä..
Mein persönliches Fazit: Mineraliensammeln ist ein erstrebenswertes und wissenserweiterndes Hobby. Wenn man sich dann noch mit den entsprechenden theoretischen Grundlagen beschäftigt, macht man sicher nicht verkehrt.
P.S.: Es ist natürlich auch logisch, das ich mich nicht selber als geisteskrank bezeichen kann (Geisteskranke erkennen grundsätzlich ihre eigene Geisteskrankheit nicht). Und mein Hobby muß ich in einem positiven Licht und evtl. sogar mit einem höheren Sinn sehen, ansonsten wäre ich ja wirklich geisteskrank...
*1: "lebendiger" in dem Sinne, das sie mehr mit ihrem Leben, insbesondere ihrer Freizeit, anzufangen wissen und durch die Vorfreude auf Sammelereignisse und/oder das Zusammensein mit Gleichgesinnten mehr Freude erfahren.