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ARD Weltspiegel - Mineraliensuche in Mibladen
giantcrystal:
Hallo aus Mittelfranken
Auch ohne den Beitrag gesehen zu haben :
Ich kann Tobi und Loismin nur beipflichten und ergänzen : Wir hier in Mitteleuropa leben in einem vergleichbaren Paradies, was Ernährung, Sozialleistungen, Menschenwürde, Gesundheitssystem und Wohlstand anbelangt. Wir alle, Hartz IV Empfänger eingeschlossen !
Andere Länder sind nicht so gut dran und da braucht man gar nicht sehr weit zu fahren (Was ich vor etwa einem Jahr beim Besuch von Rudnany in der Slowakischen Republik gesehen habe...auweia...)
Schuld sind wir daran nicht, sondern in erster Linie Korruption, eigenes Missmanagement und fehlende Bildung.
Betroffenheit : JA, aber was hilft es, wenn es dabei bleibt ? Helfen kann man nur, wenn man etwas unternimmt und das kann nicht sein, in Zukunft auf Mineralien aus Drittweltländern zu verzichten. Genau durch diesen Verzicht hilft man den Menschen dort nicht, ganz im Gegenteil !
Glück Auf
Thomas
Collector:
Also lasst nun mal die Sentimentalität weg !!
Ich finde Kinderarbeit auch nicht in Ordnung !!
Aber in anderen Ländern gelten halt nun mal andere Regeln als bei uns im " gesitteten und reichen " Deutschland.
Und bevor sie jämmerlich verhungern ist das allemal besser !
Und ich bin mit solchen Filmen die so effekthascherisch daherkommen immer ein wenig vorsichtig !
Und wenn Bleiglanz so giftig ist, müßte ich schon lange tot sein >:D
Nichts für ungut und jedem seine Meinung aber schaut mal ins Gesicht von den Kindern die da abbauen, seht ihr da irgendwelchen Dreck im Gesicht oder sowas ?
Ich schäme mich nicht für meine Vanadinitstufen, weil wenn ich diese nicht kaufen würde, müßten einige von dort verhungern und verdursten oder nach Deutschland kommen !
Hallo
ich kann loismin, tobi und thomas nur voll zustimmen. Dieser Film ist 100%-ige Effekthascherei und zeugt von absolutem Unverständnis für die lokalen Gegebenheiten und von Unwissen .
Ich bin seit 1970 jedes Jahr 2-3 mal in Mibladen, war grade vor 3 Wochen wieder dort. Ich verbinge meist immer einen ganzen Tag mit den Vanadinit-Suchern und bin mit einigen von ihnen befreundet. Bisher konnte ich weder die beiden im Film gezeigten "Kinder" sehen, noch habe ich bisher Kinder in auch nur einer Grube oder einem Loch erlebt.
Die aktuelle Suche geht bis in Teufen von 96 m. (die im Film erzählten 10 m gehören der Vergangenheit an.). Die Bergleute seilen sich mittels einer Winde ab, die in der Regel von 2-4 Mann betrieben wird; es muss dafür soviel Kraft aufgewendet werden, dass diese Arbeit garnicht von 2 Kindern gemacht werden kann. Die Vanadinite kommen in Gesteinstaschen vor, welche über Monate hinweg ausgearbeitet werden. Oft sind die Hohlräume so groß, dass darin mehrere Männer stehen können; in einer der kürzlich von mit besuchten Gruben gab es sogar eine Dusche und Toilette unter Tage. Es wird in abgestimmten Schichten gearbeitet; einige schlafen in ihren Pausen untertage oder kochen sich ihr Mittagessen.
(im Film werden Kinder gezeigt, die im Liegen, äußerst beeengt, irgendwas abklopfen - das ist kein Vanadinitabbau !) (siehe unten Bilder)
Im Vanadinitgebiet arbeiten zwischen 20-25 Mann, je nach Fundlage können es mehr oder weniger sein. Kinder sind nicht dabei.
Auch in der aufgelassenen Grube Aouli gibt es absolut keine Kinderarbeit; ab und zu steigt noch mal ein älterer ehemaliger Bergmann in die Gänge, die ihm bekannt sind, aber es werden immer weniger Leute, die untertage gehen.
Vor 30 Jahren war Mibladen ein elendes Bergwerksdorf, arm, dreckig und trocken, mit Lehmhütten und ab und zu einer Ziege. Der Ort Midelt war ein Kaff am A..... der Welt, welches nur französischen Legionären, der französischen Minengesellschaft und ein paar wenigen Reisenden bekannt war.
Seit in Mibladen von erwachsenen Männern - niemals von Kindern - Vanadinite, Cerussite und Baryt für den Mineralienmarkt gesucht und gefunden werden, gibt es im Dorf Mibladen feste Häuser, es gibt in jedem Haus Wasser und Strom, eine Schule und ärztliche Versorgung.
Sich für seine Vanadinitstufe aus Mibladen zu schämen, ist total kindisch. Das Gegenteil sollte der Fall sein: Je mehr die Bergleute verkaufen können, je besser ihr erzielter Preis ist, umsomehr können sie am allgemeinen Wohlstand teilnehmen.
Im Vergleich zu den Gegebenheiten vor etwa 40 Jahren hat sich das Leben für fast alle Menschen in Mibladen positiv geändert: Dank der Vanadinite . Dank der Mineralien. Aber auch Midelt hat sich dank der Mineralien (nicht nur) zu einer geschäftigen Kreisstadt mit Hotels, Verwaltungszentren, vielen Geschäften und Krankenhaus entwickelt, welche mittlerweile sogar vom Tourismus entdeckt wird.
Dies nur am Rande, um etwas Schmalz von der falschen Rührseligkeit zu nehmen, die so mancher bei effekthaschenden Berichten über die "Dritte Welt" und "Kinderarbeit" an den Tag legt. Dieser Film des Weltspiegel zeugt nicht von journalistischem Können und journalistischer Verantwortung. Er ist schlichtweg ein auf Stimmung gemachter Füll-Beitrag in einer Saure-Gurkenzeit, wo es mal keinen täglichen Kriegs- oder Mordbericht gibt.
Effekthaschend wie dieser Film ist auch die Bigotterie der Sammler, die sich sofort über den gezeigten Beitrag aufregen - ohne die Hintergründe zu kennen, ohne selbst vor Ort gewesen zu sein .
Kinderarbeit: Im übrigen: In Deutschland darf ein Kind ab 15 „jobben“ – und das tun nicht wenige ! Und Kinderarbeit nur in Entwicklungsländern ? Ganz bestimmt nicht – auch im Europa des 21. Jahrhunderts. ( s.a. > http://www.planet wissen.de/politik_geschichte/menschenrechte/kinderarbeit/kinderarbeit_in_europa.jsp)
Gruß
collector
Sebastian:
Hmmm ihr habt mich nachdenklich gestimmt.
Weggegeben hätte ich das gute Stück eh nicht 8)
Aber man sollte trotzdem immer genau darauf schauen
was man kauft und seine augen nicht vor Unrecht verschliessen.
Danke für einen Bericht aus einer anderen Perspektive.
Dadurch lässt sich das ganze besser beurteilen.
Aber einen Trugschluss darf man nicht verachten : Wenn man eine Stufe kauft,
Das die Schürfer auch davon profitieren. Das tun im grossen mass nur die Händler.
Egal wo in der Welt (sierra leone etc.)
Gruss sebastian
Alcest:
Wie schon bereits gesagt: Welcher Anteil unseres täglichen Luxuses hat einen schneeweißen Hintergrund? Die Bauteile unserer Technik müssen irgendwo herkommen. Sei es der Bleiakkumulator im Auto, das Quecksilber in den Energiesparlampen. Ob der Verzicht auf Galenit oder Cinnabarit dem einen Abbruch tut? Dann wird das Zeug einfach oxidiert und anderweitig verwendet. Auf Licht und Autos wird jedoch niemand verzichten.
Selbst weggeworfene Technik landet meist in Drittwelt-Ländern und wird dort von Kindern zusammengeklaubt und verbrannt, um an die teuren Metalle zu kommen.
Ich selbst habe kein schlechteres Gewissen, wenn ich mir Schwermetallminerale zulege als wenn ich mir einen Fernseher kaufe.
Wieviele Stufen von diesen 5,5 "Kindern" landen effektiv noch auf dem Markt?
"Seit Anfang 1999 und in bedeutender Menge im Jahr 2000 gelangten Neufunde hervorragender, brillantglänzender Kristalle, besonders aus dem Tagebau-Schacht Acif (Verballhornung von ACF) auf den Mineralienmarkt. Die Preise für Top-Stufen schnellten in astronomische Bereiche, wobei selbst Miniaturstufen für US$ 3.000 und Top-Endstufen für bis zu US$ 100.000 verkauft wurden. Angefacht von diesen enormen Gewinnmöglichkeiten standen während des Vanadinit-Booms bis zu 170 Zelte auf der Abbau-Ebene, mehr als 1.000 Schürfer gruben sich bis zu 8 m tief in die Vanadinit-führende Reicherzzone. Heute im Jahr 2006, nachdem der Boom nach 2001 abgeklungen war, leben noch ca. 300-350 Menschen in Mibladen, von denen der größte Teil vom Mineralienhandel lebt; in Mibladen und Midelt gibt es mehr als 300 Mineralienhändler. Es werden nach wie vor Vanadinitstufen geborgen, deren Qualität jedoch bei weitem nicht an die Perfektion und Schönheit der 2000er Funde heranreicht."
Da kann es auch nicht sein, dass allzu viel von diesen Kindern stammt, die mit Hammer und Meißel bewaffnet sind.
Und: welchen Anteil mögen die von uns gesammelten Minerale am Umsatz von Edelsteinen haben? Nicht viel, denke ich. Man werfe nur Blutdiamanten in den Raum.
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In der Zwischenzeit hat Collector etwas gepostet.
Ich war auch sehr verwundert, wie hier 15-jährige bettelarme "Kinder" mit neuen Lampen umherturnten. Für die engen Gänge hat die HD-Kamera auch erstaunlich gut gepasst.
Sei's drum. Da bin ich direkt wieder froh, nichts an die GEZ zu zahlen.
Tobi:
Die generelle Frage wäre sowieso, ob man das sog. Specimen Mining (also das gezielt auf unversehrte und optisch ansprechende Stufen ausgerichtete Suchen nach Mineralien) überhaupt in moderner "Sklavenarbeit" machen lässt. Betreiben diese Art von Abbau nicht eher Leute, die bewusst "mit Auge" suchen und denen der Erhalt möglichst ästhetischer Mineralien ein Anliegen ist - also mehr oder weniger die Händler selber? Collector sagte ja schon, dass er da ganz andere Erfahrungen gemacht hat als in dem ARD-Bericht und dass der Anteil an armen Kindern in den Maulwurflöchern des Atlasgebirges gar nicht so extrem ist ...
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