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Autor Thema: Eisen/Arsen/Schwefel  (Gelesen 8552 mal)

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Offline uwe

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Eisen/Arsen/Schwefel
« am: 23 Dec 13, 16:54 »
Angeregt durch die an anderer Stelle geführten Diskussion über den "Geyerit" wirft sich bei mir folgende Frage auf:

Gibt es zwischen Löllingit/Arsenopyrit/Pyrit eine Mischungsreihe, bei der "Geyerit" irgendwo zwischen Löllingit und Arsenopyrit liegt? Oder würde da Arsenopyrit auf Grund des anderen Kristallsystems nicht dazwischen passen?

Was sagen die studierten Mineralogen/Geologen dazu?

Offline Gerhard

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #1 am: 23 Dec 13, 20:35 »
Hallo Uwe
Ich weiß nur über Geyerrit(Geierrit)
,das  der Mineraloge Breithaupt den in Geyer gefundenen Arsenkies den Namen Geyerit gab. Er gab in mit der
Härte 6,5 an. Der Geyerit besteht aus 58,94  As
                                                        32,92 Fe
                                                         1,37 Sb
                                                          6,07 S
und eine nachfolgende Auseinandersetzung unter Mineralogen führte zu der Erkenntnis ,das das sogenannte
einfache Arseneisen mit der Härte 5 Löllingit heißt und das aus zwei dritteln gestehende Arseneisen den Namen
Leukopyrit .
also verstehe ich darunter Geyerit liegt in der Mitte und ist ein Mineral der Klasse -Sulfide und Sulfosalze.
Doch Du nanntest den Namen Arsenopyrit auch Thalheimit genannt. Er wurde doch in Thalheim endeckt und nicht in Geyer?? Willst Du damit geklärt haben ,ob dieses Mineral in die oben genannte Reihe eingegliedert werden kann??
Bin auch gespannt auf die Aufkärung
Gruß Gerhard

Offline uwe

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #2 am: 23 Dec 13, 21:42 »
Von den Namen der Minerale mal abgesehen, gehe ich von den Summenformeln aus. Also

FeAs2 -> FeAsS -> FeS2 (Löllingit -> Arsenopyrit -> Pyrit).

Nun ist meine Frage, ob sich die 3 Minerale in einem natürlichen Aggregat zu Mischkristallen zusammenschließen können. Da könnte dann  Löllingit mit etwas Arsenopyrit der schwefelhaltige Löllingit = Geyerit sein. Wenn dem so ist, müßte es dann auch arsenhaltigen Pyrit geben - also ein Mischkristall aus Pyrit und Arsenopyrit?

Abgesehen davon bin ich der Meinung, daß es in der Natur ohnehin nur selten "reine" Minerale gibt.

Gruß und Frohe Weihnachten
Uwe


Offline Emil Box

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #3 am: 24 Dec 13, 00:07 »
% As in Pyrit bei Doelter:
2,77 Arnsberg, Rheinisches Schiefergebirge (1853)
1,73 Hüttenberg, Kärnten (1911)
andere weniger
0,67 Schneeberg, Sachsen

Frohe Weihnachten
Milo

Offline smoeller

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #4 am: 24 Dec 13, 10:01 »
Hallo,

Markasit (nicht Pyrit!) und Löllingit kristallisieren beide in derselben Raumgruppe Pnnm. Allerdings sind die Gitterparameter a und b beim Löllingit größer, der c-Parameter kleiner.
Es gibt keine durchgehende Mischbarkeit, denn bei der Zusammensetzung FeAsS (Arsenopyrit) findet eine andere (monokline) Anordnung der Atome statt.
In Sulfiden/Arseniden sind zumindest beschränkte Mischbarkeiten nichts ungewöhnliches, man denke nur an Safflorit/Rammelsbergit/Löllingit oder Skutterudit/Ni-Skutterudit.

Glück Auf!
Sebastian

Offline uwe

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #5 am: 24 Dec 13, 17:55 »
Danke Sebastian, das war die Aussage die mich interessiert hat.

Gruß und Frohe Weihnacht
Uwe

Offline balvan

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #6 am: 25 Dec 13, 18:39 »
Ich verstehe nicht.

Es gibt keine durchgehende Mischbarkeit, denn bei der Zusammensetzung FeAsS (Arsenopyrit) findet eine andere (monokline) Anordnung der Atome statt.

Geyerit zwischen durch Arsenopyrit und Lollingit.Keine Mischbarkeit hier.Dann ist Geyerit eigenstandig also.Extra Mineral aber nicht erforschen in Universitat.
Petr.

Offline openpit

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #7 am: 25 Dec 13, 19:10 »
Hallo,

zwischen Pyrit, Arsenopyrit und Löllingit bestehen keine isomorphen Reihen, lediglich ein diadocher Ersatz. Hingegen kommen häufig enge Verwachsungen der genannten Spezies vor, welche unter anderem aus der Entmischung von HP- und HT-Phasen hervorgehen können. So beschreibt unter anderem CLARK [1960, Economic Geology, pp. 1345 und pp. 1631] ebensolche.
Wo „Geyerit“ einzuordnen ist, ist mir nicht bekannt, da ich diesen bis dato nicht kannte, möglicherweise stellt er aber eine der genannten Verwachsungen dar.

Glück Auf!
Micha

Offline smoeller

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #8 am: 25 Dec 13, 20:40 »
Hallo,

Geyerit ist nicht eigenständig. Ist ein Löllingit , bei dem ein Teil des Arsens durch Schwefel diadoch ersetzt ist. Wie weit das geht, entzieht sich meiner Kenntnis. Offenbar ist weit vor dem halben Ersatz As durch S (also Arsenopyrit) Schluß, denn dann passen die Radien der Schwefelionen nicht mehr zur Struktur des Löllingits, es bildet sich eine andere (monokline) Struktur heraus, die des Arsenopyrits. Bei noch mehr Schwefel entsteht irgendwann eine weitere rhombische Struktur, die des Markasits.
Die engen Verwachsungen sprechen für Mischungslücken zwischen Löllingit und Arsenopyrit einerseits und Arsenopyrit und Markasit/Pyrit andererseits. Ähnliches findet man übrigens zwischen CaCO3 (Calcit) und MgCO3 (Magnesit), dazwischen liegt nur ein einziger Bereich mit der Zusammensetzung CaMg(CO3)2 (Dolomit), die übrigen Bereiche sind bei Raumtemperatur als ein homogener, einheitlicher Mischkristall weitestgehend inexistent. Nur bis zu einem bestimmten Grad kann der Calcit Mg aufnehmen. Höhere Mg-Gehalte als diese Grenze sind immer Verwachsungen von Calcit und Dolomit. Genauso wohl auch bei den Sulfiden. Bei höheren Temperaturen allerdings steigt die Mischbarkeit. Es entstehen dann Mischkristalle, die z.B. zwischen Arsenopyrit und Markasit liegen. Beim Abkühlen zerfallen diese unter Bildung eines fast reinen Arsenopyrits und eines schwach arsenhaltigen Markasits, wobei die Zusammensetzung des ursprünglichen Mischkristalls die Volumenanteile der beiden Mineralarten bestimmt. So entstehen die Verwachsungen.

Glück Auf!
Sebastian

Offline uwe

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #9 am: 26 Dec 13, 10:16 »
Das war wieder interessant, danke!

Aber was bedeutet diadoch? Beim googlen kommt da ein Feldherr Alexander des Großen heraus oder ein diesbezügliches Spiel. Dieser Feldherr kann aber sicher nichts mit der Struktur von Kristallen zu tun haben  ;).

Gruß
Uwe

Offline Axinit

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #10 am: 26 Dec 13, 14:30 »
Servus Uwe,

schau' doch einfach einmal hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Substitution_%28Mineralogie%29

Diadocher Ersatz ist einfach der Ersatz eines Atom A mit der Ladung n durch ein Atom B mit der gleichen Ladung; d.h. der Ladungshaushalt (= Prinzip der Elektroneutralitaet im Festkoerper) wird nicht beeinflusst.

GA

Harald

Offline uwe

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #11 am: 26 Dec 13, 15:43 »
Danke Harald, jetzt ist es klar.

Uwe

Offline Fritzi

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #12 am: 27 Dec 13, 20:48 »
Hallo,

auch im Lehrbuch der Mineralogie von Rösler wird der Begriff Diadochie kurz und verständlich erklärt.

BG
Claudia

Offline Embarak

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Re: Eisen/Arsen/Schwefel
« Antwort #13 am: 28 Dec 13, 00:12 »
Hallo Uwe,

Zitat
Aber was bedeutet diadoch? Beim googlen kommt da ein Feldherr Alexander des Großen heraus...

Also mein google bietet da schon ein paar hits  :D

http://www.geodz.com/deu/d/Diadochie
http://de.wikipedia.org/wiki/Substitution_%28Mineralogie%29

Aber wenn ich mich richtig an ein uraltes posting erinnere, hast Du den Rösler auch.  :)

Viele Grüße
Norbert