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Chlorargyrit

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wilbi:
Hallo Michael, Deinem letzten Satz möchte ich widersprechen. In der alten Literatur sind viele Hinweise darüber insbesondere auch wegen Fälschungen. Dabei muß man das reine Hornsilber und das Buttermilcherz zusammen sehen. Der von Frank berteits erwähnte Lommer schrieb schon 1776: "Man hielte Johann-Georgenstadt allein für dessen Vaterland (soll heißen Erstfundstelle), und ich habe zu bemerken, daß wie die Menge der Mineraliensammler durch das eingebrochene Hornerz nicht zu befriedigen gewesen, ein zu gleicher Zeit auf hiesigem Gebirge eingebrochener Hornstein mit gestricktem Silber, gewinnsüchtigen  Stufenhändlern zur Gelegenheit diente, hiermit in manchen Sammlungen die Lücken vom Hornerz listig auszufüllen.
Eine der ältesten Stufen vom Hornerz/Buttermilcherz liegt im Naturkundemuseum in Berlin und die sind sehr stolz auf dieses wohl älteste Stück der Sammlung. Der Mineraloge Karsten der mit Klapproth in Berlin forschte, hat für dieses Stück um 1790 die damals unglaubliche Summe von 25 Talern bezahlt. Es muß damals wohl schon als ganz was Besonderes gegolten haben.
Glückauf willi

wilbi:
Hallo, hier  mal ein besonders schönes Stüfchen von Chlorargyrit aus St. Andreasberg.Natürlich nur BB 1 mm.

argentopyrit:
Hallo, an alle Spezialisten und Interessierte!

Allgemeine Frage, auch an Walpurgin als Silberspezialist: 1. Sind die Oberflächenwässer im Freiberger Revier aggressiver als im Harz?
Meines Wissens ist Chlorargyrit ( Ag-Cl) nur sehr schwer löslich ( Wikipedia-Chlorargyrit ). Im Harz, insbesondere in Andreasberg und zwar auf der Grube Alter Theuerdank auf dem Beerberge hat sich der Chlorargyrit jedenfalls nicht aufgelöst. Hier konnte man den Chlorargyrit so finden, wie er ca. 1550 also in der allerersten Bergbauperiode ( nur als Information für die Andreasberg-Silbersteckbriefbeschreiber in diesem Forum ) in Andreasberg auch abgebaut wurde. (Siehe alte Literatur zB. Henning Calvör). 2.Gehört der Chlorargyrit ( um den geht es doch hier) jetzt zu den Sulfiden? Und war es nicht so, das nach der Wende jede Menge Silbererze aus dem Freiberger Revier vor allem Sulfide und an allererster Stelle Akanthit auf den Markt kamen? Also, man muß sich schon wundern was hier so beschrieben wird, aber auch darüber ,das keinem der Andreasberg und Chlorargyrit-Experten diese Diskrepanzen auffallen.


Viele Grüße und Glück Auf M.Groß ( Argentopyrit

Ps. Meine Chlorargyrite stammen alle ausnahmslos von Untertage, gefunden habe ich sie allerdings alle auf der Halde auch in Paragenese mit Karbonaten.
     
 

Axinit:
Servus,

Chlorargyrit ist Silberchlorid (AgCl) und damit ein HALOGENID, kein Sulfid.

Das Loeslichkeitsprodukt (und nur auf dieses kommt es an) von AgCl betraegt 10 hoch -14; damit ist dieses Mineral zwar in Wasser schwer- aber nicht unbedingt voellig unloeslich. Die Loeslichkeit kann zudem auch durch die Anwesenheit anderer geloester Stoffe stark beeinflusst werden (Stichwort: Komplexbildner). So erhoeht sich z. B . die Loeslichkeit von AgCl in Wasser in der Anwesenheit von Ammoniak um viele Groessenordnungen.

GA

Harald

ganomatit:
Hier noch einmal ein Auszug von Thomas Witzke http://tw.strahlen.org/typloc/chlorargyrit.html. Ich hoffe Herr Witzke wird es verstehen, wenn ich hier sein Beitrag zitiere: "Während man das Silberchlorid im Erzgebirge beim Bergbau im Bereich von Gangausbissen und den oberen Teufen neben gediegen Silber sicher öfter angetroffen hat, rückten mit fortschreitender Teufe die Silbersulfide und der silberhaltige Bleiglanz in den Mittelpunkt. Besonders im 15. und 16. Jahrhundert konnten die Bergleute noch größere Stücke von dem Mineral gewinnen, so dass sich daraus die von MATHESIUS, FABRICIUS und ALBINUS erwähnten Schnitzereien fertigen ließen. Es sind Massen bis mehrere Pfund bekannt. Die bedeutendsten Fundorte waren Johanngeorgenstadt, Schneeberg, Freiberg, Annaberg und Marienberg. Heinrich Martin KLAPROTH schreibt 1789:
"Bey einer im vorigen Sommer gemachten kleinen mineralogischen reise nach Dresden und Freyberg, zog im Churfürstl. Mineralienkabinette zu Dresden, unter andern, die derbe, mehrere Pfunde wiegende, Hornerzstuffe meine Aufmerksamkeit auf sich; wahrscheinlich noch ein glücklich gerettetes Ueberbleibsel aus dem, für den sächsischen Bergbau so gesegneten 16ten Jahrhunderte, da, nebst mehrern sehr reichen Anbrüchen von Silbererzen, dergleichen derbes Hornerz in Maßen von 100 und mehreren Pfunden gebrochen hat."
Wie realistisch die Angabe zu Funden von Massen von über 100 Pfund durch KLAPROTH ist, lässt sich heute nicht mehr sagen. Carl HINTZE (1915) erwähnt ein 4 kg schweres Exemplar von der Grube Gotthelf Schaller in Johanngeorgenstadt und ein 10 kg schweres von Himmlisch Heer in Annaberg. Mit der Verlagerung des Bergbaus aus der Oxidations- und Zementationszone in die primären Gangbereiche wird das Silberchlorid deutlich seltener gefunden und gerät nahezu in Vergessenheit. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Literatur über das Mineral sehr spärlich und die Beschreibungen gehen nicht über die Angaben von MATHESIUS hinaus.

In seinem Buch über das Probieren der Erze geht Lazarus ERCKER 1629 nur kurz auf das Silbermineral ein:
"Deßgleichen Horn Ertz / das ist durchsichtig wie ein Horn / unnd seynd beyde sehr Reich am Silber".

Auch in den Mineralsammlungen bzw. Naturalienkabinetten gibt es zu dieser Zeit offenbar nur wenige Belege, wie aus den publizierten Katalogen zu entnehmen ist. Der anonym 1683 herausgegebene Katalog des ein Jahr vorher verstorbenen Naturalien-, Kunst- und Büchersammlers Élie BRACKENHOFFER (1618-1682) aus Strasbourg im Elsass verzeichnet das Mineral:
"Minera argenti cornea, Horn-Silber-Ertz auß Meichsen"
Mit "Meichsen" ist nicht die Stadt, sondern das Fürstentum Meißen gemeint.

In dem Naturalienkabinett von Johann Jacob SPENER (???? – 1692), Professor für Physik und Mathematik an der Akademie zu Halle, findet sich nach dem von Johann Martin MICHAELIS 1693 veröffentlichten lateinisch/deutschen Katalog ein Exemplar des Minerals [als PDF-File]:
"Minera plumbi cum cornea Freibergensis"       "Glantz mit Hornertz von der Gn. G. zu Freyberg"
Bei dem "Glantz" handelt es sich um Bleiglanz, wie aus der lateinischen Version ersichtlich ist. Mit "Gn. G." ist die Grube "Gnade Gottes" gemeint, die vom 17. bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Falkenberg bei Freiberg bestand. Leider gibt MICHAELIS keine Beschreibung der Stufe.

In dem "Mineral- und Bergwercks-Lexicon" von 1743 von MINEROPHILO FREIBERGENSI (wahrscheinlich ein Pseudonym des Freiberger Lexikographen Johann Caspar ZEISIG) wird ersichtlich, dass das Mineral inzwischen recht selten geworden ist:
"Hornfarb-Silber, dergleichen hat ehemals zu Marienberg gebrochen, welches durchsichtig gewesen, und beym Lichte geschmoltzen."

Der Mediziner und Forschungsreisende Johann Ernst HEBENSTREIT führt in dem "Museum Richterianum" von 1743, dem Katalog der bedeutenden Mineraliensammlung des Leipziger Kaufmanns und Ratsherrn Johann Richter, eine Stufe
"Weiß Hornglaßerz, mit gelber lettiger Erde, von der Catharina, zu Johanngeorgenstadt. Tab. 4. No. 14.
Dergleichen Erz bricht sehr seltsam. Es ist sehr derb und geschmeidig, und so man dinne Schnittgen davon abschneidet, siehet es wie Horn aus."
HEBENSTREIT veröffentlicht in dem Buch eine Reihe von kolorierten Kupferstichen der beschriebenen Mineralstufen. Darunter befindet sich auch das hier erwähnte Exemplar "Hornglaßerz". Es handelt sich offenbar um die früheste Darstellung des Minerals." aus Hompage Thomas Witzke

Frank Heise

 



 

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