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Autor Thema: St. Andreasberg. Bitte um Meinung  (Gelesen 4170 mal)

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Offline chertbreaker

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St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« am: 17 Jun 18, 22:32 »
Hallo!
Ich habe hier zwei Stufen aus St. Andreasberg. Beides mit Ganggestein Calcit, Quarz und Baryt (verwachsen).
Bei der einen Stufe ist ein Silberblech, das ich identifizieren konnte, mit Silberprüfsäure. Dies ist auch auf dem zweiten Foto rot eingekreist
Was könnte das andere Mineral sein, das fast schneeweis glänzt und auch auf der Stufe zu finden ist? Bleiglanz oder anderes? Hier wäre eure Meinung gefragt.

Bei dem dritten und vierten Foto zeigen sich Dendritenartige Gebilde. Mit Prüfsäure (Silberprüfsäure vom Juwelier) gab es keine Reaktion.
Hier wäre auch eure Meinung gefragt.
Härte, Strichfarbe etc... ist bei so teilweise filligranen Sachen natürlich ein Problem, also seht mir es nach, wenn ich es nicht mitliefere, aber
Vieleicht hat jemand so etwas schon gesehen,  oder in seiner Sammlung.  Nach entsprechender Bestimmung und Reinigung kommen dann auch professionellere Fotos in das Lexikon.


Offline harzgeist

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #1 am: 18 Jun 18, 10:41 »
Schon über 100 Aufrufe und noch keine Meinung ...
Na dann mach ich mal den Anfang  ;D

Zuerst mal zu dem zweiten Stein (ich vermeide mal das Wort 'Stufe'). Das Teil hat ganz offensichtlich schon sehr lange Zeit im Boden, vielleicht sogar in einem Bach gelegen, wobei der Calcit schon teilweise (durch Humussäuren und CO2) gelöst ist. Was so aussieht wie Dendriten sind Lagen von anderen Mineralen, die im Calcit eingewachsen sind und widerstandsfähiger gegen Auflösung sind. Meist handelt es sich dabei um filigrane Gebilde aus Quarz, aber auch Zeolithe sind möglich oder winzige Erzminerale, die auf dem Quarz aufgewachsen sind. So, wie auf den letzen beiden Fotos zu sehen, ist das typischer Leaverit. Also entweder gleich entsorgen oder den Calcit in 5% HCl (nicht stärker) auflösen und auf eine Überraschung hoffen.

Zu dem ersten Stein kann ich wenig sagen, außer dass das erste Foto total verwackelt ist. Auf dem zweiten ist an der vorderen Ecke vermutlich Bleiglanz. Ich hatte aber mal eine Silberstufe in der Sammlung, wo das Silber ein ähnliches (schwammartiges) Aussehen hatte.
Auf die Prüfsäure des Juweliers würde ich nicht viel geben, die ist dazu gedacht, Silber von anderen METALLEN zu unterscheiden. Hier kommt es aber darauf an, es von ERZEN zu unterscheiden, und diese können sich durchaus gegenüber der Säure wie Silber verhalten.
Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal von allen anderen dort vorkommenden Erzen ist die Duktilität. Das heißt du kannst es biegen, schneiden, dehnen ohne dass es dabei zerbricht, mit anderen Worten, es verhält sich bei mechanischer Beanspruchung wie ein Stück Butter  ;)
Ob das tatsächlich der Fall ist kannst nur du selbst herausfinden.

Thomas

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #2 am: 18 Jun 18, 12:38 »
Ja, ist biegbar. Jetzt kann ich auch den Zangenabdruck erkennen........  ;)
Ich habe die Kritik aufgenommen und für berechtigt empfunden. Stein wurde besser in Szene gesetzt.  Bild 1 und 2

Den "Dendritenstein" habe ich mal aufgeschlagen, jetzt sieht er schon nach Erz aus, aber Na ja.

Bild 5

Ich habe noch mehr gefunden, die die Bezeichnung Stufe aber wirklich verdienen. Nachfolgend im nächsten Post

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #3 am: 18 Jun 18, 12:42 »
So hier mal die anderen "Stufen":

Fundort war wie Du schon bemerkt hattest ein Bach. War an der "Silberhütte" und am Bachlauf wurde gebaggert. Dort lag noch einiges rum.

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #4 am: 18 Jun 18, 12:45 »
Bild 3 ist übrigens Bleiglanz und kein Metallrückstand. Der bröckelt.

Offline ganomatit

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #5 am: 18 Jun 18, 16:16 »
In der Silberhütte wurden in den letzten Betriebsjahren Erze aus anderen Distrikten verhüttet. Also diese Stücke können von sonst wo sein. Außer von Sankt Andreasberg! Frank Heise

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #6 am: 18 Jun 18, 17:02 »
Ich empfinde die Begründung als etwas dürftig. Wieso sollen die Minerale von sonstwo sein, außer aus Andreasberg? Kann das von der Morphologie ausgeschlossen werden? Ich finde es können sowohl Erze aus Andreasberg, als auch aus Übersee sein. Wobei nicht klar ist, welche Erze und in welcher Form überhaupt aus Übersee importiert wurden, in den 1,5 Jahren in denen das passierte. Ich würde es von der Morphologie und von der Logistik eher unschlüssig finden, wenn die aus Übersee so importiert wären. Da würde jeder doch Heutzutage Erzkonzentrate nehmen. Logistisch doch viel sinnvoller, erst recht zur damaligen Zeit, wo die Transportkosten noch höher waren.Weis jemand welche Erze dort in den 1,5 Jahren verhüttet wurden?
Aber am Fundort ändert das ja nun auch nichts, egal wie sie dort hingelangt sind. Oder soll ich Fundort sonstwo, ausser Andreasberg angeben?
« Letzte Änderung: 18 Jun 18, 17:18 von chertbreaker »

Offline ganomatit

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #7 am: 18 Jun 18, 17:42 »
Gib doch einfach Andreasberg/Silberhütte ein als Fundort. Da kannst Du nichts falsch machen. Zwar dürftige Angabe und Morphologie unsicher!

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #8 am: 18 Jun 18, 18:43 »
Also ich weis wo ich sie gefunden habe. An der alten Papierfabrik von Andreasberg kommend ist eine kleine Ausbuchtung wo gebaggert wurde. Dort ist auch der Fundort gewesen. Oberhalb sind die Überreste der alten Arsenikhütte und Treibherde, wo auch im Boden noch die Altlasten schlummern (Alte Treibtiegel mit Schwermetallresten wunderbar blau schimmernd/ Cu-Arsenate).

Was mir immer nochunklar ist, wieso kategorisch ausgeschlossen werden kann, dass die Stufen aus Andreasberg sind und importierte Erze sind. Laut den Aussagen sprechen Morphologie/Paragenese dagegen. Aber was spricht denn Morphologisch/Paragenetisch gegen die Herkunft aus den hießigen Gruben, soweit das auf den Bildern ersichtlich ist? Darauf habe ich keine Antwort bekommen und das interessiert mich ja nur.





 
 

Offline Harzsammler

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #9 am: 18 Jun 18, 18:57 »
Was mir immer nochunklar ist, wieso kategorisch ausgeschlossen werden kann, dass die Stufen aus Andreasberg sind und importierte Erze sind. Laut den Aussagen sprechen Morphologie/Paragenese dagegen. Aber was spricht denn Morphologisch/Paragenetisch gegen die Herkunft aus den hießigen Gruben, soweit das auf den Bildern ersichtlich ist? Darauf habe ich keine Antwort bekommen und das interessiert mich ja nur.
...weil Original Erz von St.Andreasberg nun mal anders aussieht.
Wer solches schon sehen durfte wird den Unterschied erkennen.

Offline harzgeist

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #10 am: 18 Jun 18, 19:27 »
Das zweite Stück aus dem Eingangspost wird schon aus dem Revier stammen, ist aber kein Erz, sondern Haldenmaterial, das ja oft auch für Bauzwecke verwendet wurde. Wie schon gesagt, ich würd's in die Säure legen. Vielleicht kommt ja unter dem Calcit was zum Vorschein.

Das erste Stück sieht in der Tat nicht nach St. Andreasberg aus. Das Metall sieht irgendwie wie eine aufgesetzte Plombe aus. Das kenne ich so von dort nicht. Wenn es vom Hüttengelände kommt, wäre auch eine (Teil)verhüttung nicht auszuschließen. Allerdings dürfte es sich dann um Blei handeln. Keine Ahnung wie da die Prüfsäure drauf reagiert.

Übrigens, der Frank ist wohl der beste Kenner des Andreasberger Reviers, der hier im Atlas aktiv ist!!!

Thomas

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #11 am: 18 Jun 18, 20:30 »
Das habe ich nicht in Frage gestellt bei der Sammlung die Frank hat. :)
Meine Absicht war aber auch zu erfahren wieso er so etwas beurteilt und nicht das Fachwissen in Frage zu stellen. Mich interessiert wieso und warum. Ich war auch in den Museen Samson und Roter Bär, habe auch die Fotos im Netz verglichen.
Ich sehe den Untersched nicht unbedingt.


Ich würde das aber auch gerne mal können! Deshalb habe ich vieleicht ein wenig zu penetrant nachgefragt.

Ich würde sogar Urlaub machen dafür, um es zu erlernen. Mich interessiert die Industriegeschichte und deshalb sammel ich. Für mich sind die Erze egal wo sie herkommen mögen Zeitzeugen. Auch wenn ich sagen könnte dieses Erz wurde damals aus diesen und jenen Gründen importiert, wäre es eine sehr wertvolle Erkenntnis was den Industriestandort angeht. Stamme aus der Chemiebranche



Offline Erzsucher

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #12 am: 18 Jun 18, 20:38 »
in den Anfängen meiner Sammelei habe ich Mitte der 70er Jahre mal einen sehr alten ehem. Steiger in Barbis/Bad Lauterberg besucht und zwei sehr schöne Stufen erhalten. Dabei hat er mir auch eine ca. 5x4x2 cm große Stufe mit reichlich gediegenem Silber auf/in Matrix gezeigt. Nach seinen Angaben stammte die von der Silberhutte und soll als Förderort aber Sudbury/Canada gehabt haben. Er hatte sie seit Jahrzehnten. In diesem Zusammenhang habe ich das erste mal von der Verhüttung fremder Erze in Andreasberg erfahren.

Gruß
Erzsucher

Offline chertbreaker

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #13 am: 18 Jun 18, 21:29 »
Danke für den Hinweis. So etwas ist für mich viel Wert. Für mich war es auch interessant die Verhüttungspraxis mal aus der Nähe zu sehen. In der Nähe des Fundortes waren alte Hüttenöfen die neben dem allgemeinen Verhütten speziell zum Auffangen von Arsenikdampf gebaut sind (Mit großen Kammern).Daneben waren auch Reste aus der Pigmentherstellung (Kupferarsenide)  Das letzte Erz ist lichtes Rotgüldigerz in Carbonat/Barytgang mit Galenit und Pyrit. Also ein Arsenhaltiges Erz das auch silberhaltig ist. Zu der Hütte/Verhüttungspraxis passen die anderen Erze dann aber nicht unmittelbar. Denn die sind nicht unbedingt hoch Arsenhaltig, hätten in anderen Öfen wirtschaftlicher verwendet werden können.

Auch neu war für mich, dass früher wirklich das Erz selber aus Übersee importiert wurde. Ich habe in den Museen auch einen Einblick in die Arbeit der Pochjungen/Pochfrauen haben dürfen. Ich hätte wie gesagt aus logistischen und wirtschaftlichen Gründen erwartet, dass wenigstens kleingemahlene Erze/oder auch schon Konzentrate verschifft wurden, wiedas heute bei Schüttgutfrachtern im Hamburger Hafen auch der Fall ist. (Nimmt ja viel weniger Raum ein und die Transportkosten wären kleiner, wenn nur das Hocherzhaltige Material und nicht das Beiwerk auch noch transportiert wird.)

Offline Sebastian

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Re: St. Andreasberg. Bitte um Meinung
« Antwort #14 am: 18 Jun 18, 22:51 »
Also proustit ist das letzte ganz sicher nicht.
So einfach ist es mit dem Silber nicht....
Eher Hämatit.
Gruß Sebastian

 

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