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Neid unter den Sammlern

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Ingrid:
Hallo,

also ich muß Stefan voll Recht geben, wenn ich an die vielen, vielen Stunden denke, die wir auf den Autobahnbaustellen verbracht haben.
Das Problem ist, ein Außenstehender wird niemals die Zeit und die Mühe sehen, die man in seine Sammlung investiert hat.
Man begreift das erst, wenn man selber mal dabei war. Ich habe einen getroffen, der hatte an einem Tag Ceratiten Eimerweise abtransportiert. Am nächsten Tag kam er wieder, aber erfolglos. Danach habe ich diesen "Sammler" niemehr getroffen, der dachte wohl er könnte jeden Tag sowas wie Kartoffeln auflesen, leider ist das nicht so. :'(
Ich bin über jedes Fossil froh, das gefunden wurde, denn auf einer Halde oder Erddeponie bzw. unter der Fahrbahndecke hat auch keiner was davon. Es muß auch nicht in meiner Sammlung sein, denn wenn ich wieder mal mehr sehen möchte, gibt es ja noch die Sammlerfreunde.

Diese Fundstellen konnte man auch nicht publik machen, denn so schnell sie da waren, waren sie auch schon wieder komplett verschwunden.
Man mußte schnell alles nehmen, was man kriegen konnte. Von Ausbeute kann hier nicht die Rede sein.

Wer neidisch ist, ist selber schuld!!! ;D ;D ;D

Gruß
Ingrid

Findus:
Hallo zusammen,
egal, wie man es nimmt, es wird immer geteilte Meinungen über irgend eine Sache geben, dass dabei der nunmehr schon so viel besprochene Neid dabei nicht fehlen darf, liegt in der Natur der Dinge.
Was ich allerdings absolut nicht ab kann, und da steht bei mir der Neid an hinterster Stelle, ist, wenn sich "Sammler" - oder sollte man besser sagen: "Räubersammler" egal wo auch immer, über, - unter Tage mit schwerem Gerät ans Werk machen, um letztendlich ihre Sammelleidenschaft - oder besser: Gier, zu vergolden.
Ich sammle nunmehr schon seit fast  15 Jahren und habe bislang noch kein einziges Stück verkauft. - Selber Schuld, wird wohl der eine oder andere jetzt sagen, womit er natürlich nicht ganz unrecht hat. Ist mir letztendes auch piepegal, soll jeder machen, was er will..... so und jetzt kommen wir zu einem Punkt, an dem ich manchmal ausrasten könnte: Wenn Du Stefan meinst, dass es eben auch Leute gibt, die sich durch das Sammeln ihren Lebensunterhalt oder ihr Kilometergeld für die Exkursionen erarbeiten, dann kannn ich da gerade noch mithalten. - Wenn es aber dann "Sammler?" gibt, die wie bereits oben erwähnt, eine Fundstelle, koste es was es wolle, -nach mir die Sintflut, abbauen und dadurch das Sammeln verboten wird, weil z.B. geologische Bodendenkmäler maschinell zerstört werden, dann hört bei mir der Spass auf.
Ob man dann noch von Neid sprechen kann, wenn man auf Börsen diese Stufen sieht, und hinterher erfahren muss, dass an seit langen Jahren besuchten Fundstellen plötzlich Verbotsschilder angebracht werden, nur weil einige "Sammler" sich mit den derart gemachten Funden mal wieder eine Exkursion bezahlen lassen, möchte ich stark bezweifeln.
Ob man nun neidisch ist, oder nicht, ob man eine Fundstelle für sich behält oder nicht, sind Fragen von Selbstdisziplin bzw. Abwägen von verschiedenen Fakten. Was aber niemals aufkommen darf ist, dass wir in unseren Reihen gewissenlose "Sammler" als unsere Kollegen betrachten, und gleichzeitig wissen, dass es ihnen nur ums Geld geht.
Was nützt es mir, oder noch schlimmer was nützt es einem Anfänger unseres schönen Hobbies, der zwar weiss, dass es hier und dort diese und jene Mineralien gibt, man aber aufgrund der Tatsache, dass leider Verbote ausgesprochen werden mussten, weil sich einige wenige nicht an die Regeln hielten, und man für den Rest der Zeit dort nicht mehr sammeln darf oder aufgrund bestimmter Vorkommnisse die Behörden nicht mehr ein Auge zudrücken, sondern - verständlich - jeden, der erwischt wird, sofort mit einer Anzeige belegen?

Meiner Meinung nach darf jeder neidisch sein, wie er will, er selbst wird es wohl kaum als Neid empfinden, das wird eher von der Umgebung so aufgedichtet,  nach dem Motto: hättste wohl auch gerne! Ich selbst freue mich auch über jede schöne Stufe, die ich bei meinen Sammlerkollegen zu sehen bekomme, nur sind dies eben Kollegen, die Ihre Schätze nicht an die grosse Glocke hängen um hoffentlich jemanden zu finden, der das maximale dafür bezahlt, - und dann noch der bittere Nachgeschmack mit den Überbleibseln der "Sammelleidenschaft" dieser "Kollegen". Dann ist es mir lieber, ich weiss gar nicht, was es an manchen Fundstellen so alles gibt, kann dafür dort aber noch viele Jahre in Ruhe sammeln und auch mal mit dem Revierförster, wenn er gerade mal vorbei kommt, gemütlich plaudern und ihm meine Funde vom Tag zeigen, ohne Angst haben zu müssen, verjagt zu werden.

Grüsse,
Bernd ;)

   

Stefan:
Hallo,

ich denke es ist ein heißes Thema, was gut zu den sommerlichen Temperaturen passt :-) . Ich möchte mit euren Meinungen einen Überblich für unsere Kollegen schaffen, wie die "Gehimniskrämer", "alten Hasen" und "Newbies" darüber denken und welche Beweggründe evtl. dahinter stehen.

Vielen Dank für die sehr sachlichen Beiträge.

Gruß Stefan

 

Ralf:
Es ist erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit sich das an den Haaren herbeigezogene Gerücht hält, man könne mit Eigenfunden Geld verdienen. Jeder der über halbwegs fundierte kaufmännische Grundkenntnisse verfügt, muß eigentlich den Kopf schütteln. Ich denke die so etwas behaupten, erklären auch voller Überzeugung man könne an Geldspielautomaten oder im Spielkasino Gewinne machen.
Ich werde jetzt auch nicht den Versuch machen, dies mathematisch zu belegen. Jeder soll sich doch mal ehrlich hinsetzen und seine Kosten und vor allem Zeitaufwände zusammentragen und dann ausrechnen, wieviel er finden und vor allem verkaufen muß um Geld zu verdienen. Im Ausland mag es anders sein, aber in unserem Land sind solch lukrativen Fundmöglichkeiten so dermaßen selten, daß man besser Lotto spielt.
Das gefährliche an solchen Gerüchten ist jedoch, daß manche Sammler das wirklich glauben, bzw. die Möglichkeit in Betracht ziehen. Das ist der Hauptgrund, warum in vielen Kellern und Garagen tonnenweise Material lagert in der Hoffnung, es irgendwann einmal gewinnbringend verkaufen zu können.
Beispiel gefällig:

In Mendig hat man früher dem Raupenfahrer unter der Woche 10 D-Mark zugesteckt. Dafür hat er einem dann eine Hauynträchtige Schicht abgedeckt oder das Siebgut mit den Auswürflingen an die Seite gefahren, damit man in aller Ruhe sammeln konnte. Nun ist´s ja so, daß die dem Fundort nahe wohnenden Sammler oft und gerne unter der Woche in die Grube gingen. Wurde die richtige Schicht gesiebt, konnte man an einem Tag mehrere Zentner Auswürflinge sammeln. Kein Witz !!
Aus Neid, Dummheit oder nur um sich interessant zu machen, begannen einige Idioten ( sorry) den Raupenfahrern von unheimlichen Geschäften zu erzählen, die diese Sammler mit den Auswürflingen oder den gefundenen Hauynen machten. Da wurden fast täglich Hauyne für mehrere tausend Mark gefunden. Auswürflinge wurden auf dem Sammlermarkt für 20 Mark das Kilo verkauft. Angeblich !!!
Völliger Blödsinn.
Die Raupenfahrer wurden aber dadurch so aufgebracht, daß sie anfingen das Siebgut selber zu durchsuchen und die Auswürflinge an Sammler zu verkaufen. Kostete ein Eimer voll zunächst einen zehner, kletterte der Preis schnell auf bis zu 50 DM. Zuletzt forderten die Fahrer 100 Mark wenn Sie das Siebgut über den Tag an die Seite fuhren, nicht ohne es zuerst selbst zu durchsuchen. 50 Mark für das freilegen von 5m Hauynschicht waren bald schon normal. Für 3 Minuten Arbeit wohlgemerkt. Das wiederum führte dann schnell dazu, das die Arbeiter durch die Nebentätigkeiten zu sehr von Ihrer Arbeit abgehalten wurden, was nun dem Besitzer der Grube gar nicht gefiel. Auch beschwerten sich Sammler beim Besitzer, daß Sie so hohe Summen für die Gefälligkeiten zahlen sollten. Bald darauf wurde den Arbeitern strikt verboten, mit den Sammlern Geschäfte zu machen und wir sind nur haarscharf an einem generellen Sammelverbot vorbeigeschrammt. Heute hat sich die Situation zum Glück wieder einigermaßen beruhigt, aber die goldenen Zeiten sind vorbei.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie sich solch blödsinnigen Gerüchte negativ auf das Sammelgeschehen auswirken. Drum hört bitte endlich auf mit dem elendigen Thema Geld verdienen. Es funktioniert nicht.

Wo liegt denn nun wirklich der Hase begraben ?

Meiner Meinung nach in unserer Passion. Bei fast allen Sammlern ist das Finden doch wesentlich wichtiger als das besitzen. Schließlich ist es doch das Entdecken einer Kluft oder einer unberührten Halde, was uns am meisten fasziniert. Da ist es doch vollkommen selbstverständlich, daß man einen solchen Fund in Ruhe bergen möchte und vielleicht ein oder zwei gute Freunde daran teilhaben lässt. Schließlich bekommt man von denen auch die Rückmeldung bzw. kann deren Funde auch bewundern und sich mit ihnen freuen. Was " fremde " wegschleppen, bleibt doch meist verborgen. Weiter will man doch auch nicht riskieren, daß durch das Fehlverhalten anderer ein Sammleverbot verhängt wird. Und ganz selbstverständlich schleppt man dabei mehr Material mit, als man für die eigene Sammlung gebrauchen kann. Schließlich möchte man sich ja auch das Beste aussuchen. Und der Rest?? Nun, da wird sicher auch mal das eine oder andere besondere Stück verkauft, auch wenn es in aller Regel nicht die Kosten deckt. Der größte Teil wird jedoch später vertauscht  oder verschenkt.
Das ist doch völlig normal und in keinster Weise anrüchig.
Ebenso normal ist es doch auch, das jeder gerne Informationen über bisher unbekannte Fundstellen haben möchte. Die Krux liegt doch bei denjenigen, die sich einbilden einen Anspruch auf solche informationen zu haben. Die sich dann lauthals beschweren das sie keine Infos bekommen und die Entdecker einer Fundstelle als Ausbeuter und Geschäftemacher diskreditieren.
Diese Leute sind die eigentlichen Neidhammel und Gerüchtestreuer. Die sollten sich doch mal fragen, warum Ihnen keiner Fundstellentips gibt. Warum haben sie denn keinen Freundeskreis unter den Sammlern die gerne Ihre Funde mit ihnen teilen?

Ausdrücklich ausnehmen möchte ich die Sammler, die an einer Fundstelle nur wenige Stücke mitnehmen und diese dann sofort in der Öffentlichkeit preisgeben. Das sind fast schon Heilige vor denen ich meinen Hut ziehe. Ich gebe gerne und offen zu, daß ich diese Größe nicht besitze.

Ralf

Godot:
Hallo Stefan,

bei mir siehts etwas anders aus, als bei den meisten anderen Sammlern. Meine bevorzugten "Zielobjekte", nämlich eozäne Fische sind kaum privat zu erreichen, da die wichtigsten Fundstellen alle auch paläontologisch so bedeutend sind, daß man als Privatperson da nicht hinkommt. Messel und das Geiseltal sind zwar in erreichbarer Nähe, Monte Bolca oder gar Green River sind schon wieder nur als Urlaubsreise zu erreichen und die Janghiang-Fundstellen in China sind für Ausländer so gut wie gar nicht zugänglich.
Dieser Teil meiner Sammlung ist also eine reine Kaufsammlung, klar gibt es da Neid, wenn ich einen vollständigen, perfekt erhaltenen Riffbarsch aus Monte Bolca sehe oder einen 60 cm langen Schlammfisch aus Messel, aber auch Neid ist eine Form der Anerkennung und es ist ja nicht so, daß ich das dem Kollegen nicht gönnen würde.

Was eigene Sammlung im Gelände angeht, ist immer die Frage, was gesammelt wird und wo. Auf einer Halde nehme ich nur das mit, was ich brauche, insbesondere wenn kein neues Haldenmaterial aufgeschüttet wird. Das beläuft sich meist auf eine oder auch zwei nette Kleinstufen pro Mineral, das wars. In einem aktiven Steinbruch kann das anders aussehen, wenn fündige Schichten entweder von mir bearbeitet werden oder in der Steinmühle landen, dann kann auch durchaus etwas mehr dabei sein, ich schade ja keinem nachfolgenden Sammler, denn die Schicht ist nach dem Baggerbesuch eh nicht mehr da.
Das, was man da findet, kann man ruhig auch mal eintauschen, am liebsten... genau: für einen eozänen Fisch.

schöne Grüße

Tobias

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