https://www.geolitho.eu/finanziell-unterstuetzen/https://www.mineralbox.bizhttps://crystalparadise.de/

Autor Thema: Echt oder gefälscht ?  (Gelesen 32065 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #45 am: 20 Sep 08, 14:03 »
Hallo,

wie gemacht?
Echt PbS oder Imitation?

MfG

Frank
   

Offline scheidewasser

  • ***
  • Beiträge: 64
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #46 am: 22 Sep 08, 21:55 »
Hallo,

anbei das alte Etikett.
Es ist wohl ein unstöchiometrischer Bleiglanz bzw. schwefelhaltiges Blei. Das Material ist spöde und nicht wie Blei duktil.
Entstanden während des Verhüttungs- oder Raffinationsprozesses.

Viele Grüße
Frank

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #47 am: 23 Sep 08, 02:12 »
Aha, also kein Bleiglanz sondern Blei, in dem - irgendwie - Schwefel gelöst ist !? Interessant...

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #48 am: 23 Sep 08, 09:59 »
Blei und Schwefel lässt sich in der EDX leider kaum trennen. Da muss eine WDX ran.
 :'( :'(

Frank

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Hallo und Gruß an alle Hobby-Detektive

ich hatte vor einer Woche ein Treffen mit zwei der bekanntesten und gleichzeitig renommiertesten bulgarischen Kenner der Lagerstätte Madan; einer ist Mineraloge, der andere Chemiker (Anorganik).  Beide sind in der Nähe von Madan aufgewachsen, leben bei Madan, sammeln seit Kindheit Mineralien, verkaufen Mineralien und kennen nicht nur den Bergbau, sondern auch die einheimischen Bergleute und jeden, der irgendwas in und bei Madan mit Mineralien zu tun hat.

Beide Bulgaren haben in ihrem gesamten mineralogischen- und Bergbauleben niemals, wiederhole niemals etwas von einem Vorkommen dieser Art dubioser Kristalle gehört, nie von Einmalfunden erfahren, kennen niemand, der jemals solche Stufen geborgen hat - kennen jedoch Leute vor Ort, die mit richtiger Säure, mit Akribie und Geduld solche wie die diskutierten Galenitstufen fälschen können und dies wohl auch bei diesem "Sensationsfund" getan haben.
Da die beiden Herren während unseres Gespräches in Deutschland verständlicherweise nicht beweisen konnten, wer der mögliche Fälscher ist, wurden auch keine Namen genannt. Während ich dies hier schreibe, finden jedoch vor Ort in Madan Nachforschungen statt.

Hätte es jemals einen authentischen Fund dieser gelöcherten Galenite gegeben, wäre dies in einer so engen Gemeinschaft wie vor Ort in Madan bekannt. Besonders stutzig gemacht hat die beiden Fachleute, dass die Stufen alle auf einmal - spontan -  auf den Markt kamen, so, als hätte jemand eine Bonanza angestochen und wäre dann sofort nach Sainte Marie oder zu Lavinsky gefahren.

Fazit der bulgarischen Kenner (deren Namen und emails ich gerne per PN an Interessierte weitergebe) ist: Die Stufen sind - ohne jeglichen Zweifel - gefälscht.

Gruß
Peter













Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #50 am: 17 Oct 08, 02:34 »
Schweinerei !!! Fälscher gehören auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nichts desto trotz würde mich mal interessieren, wie der Fälscher vorgegangen ist bzw. womit er geätzt hat, um solche Strukturen hinzubekommen.

P.S.: Mein Beileid an alle (auch die nicht hier anwesenden), die für diese Stufen viel Geld bezahlt haben.

Offline caliastos

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.569
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #51 am: 17 Oct 08, 13:34 »
so wie die aussieht wird das ätzen wohl tropfenweise geschehen sein. sicher auch ne respektable heidenarbeit, wenn auch mit dem falschen ziel. anders kann man diese seltsame, selektiverosion nicht erklären, bei der die kanten erhalten bleiben. zerfressene bleiglanzkristalle sehen doch ein wenig anders aus. das geht zuerst immer auf die kanten. kann da mal eine stufe zeigen. warum sollte auch die kleinere oberfläche stärker weggefressen werden? läuft vollkommen entgegen der regel, daß große oberflächen reaktiver sind.

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #52 am: 17 Oct 08, 15:40 »
Hallo,

Zitat
läuft vollkommen entgegen der regel

ggf. die Kanten mit Wachs abgedeckt?

Gruß
Berthold

Offline caliastos

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.569
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #53 am: 17 Oct 08, 18:28 »
na die stufe möchte ich aber sehen die in der natur so abgedeckt ist. im labor sicher. natürlich sehr unwahrscheinlich. darauf war's ja bezogen.


und da hier ja bisher nur fälschungen zum vergleich gezeigt wurden mal eine natürlich angefressene stufe, die aus cavnic stammt und von einem bekannten (der sich leider nicht mehr an einen genaueren fundort erinnern konnte, aber evtl. weiß jemand mehr) gefunden wurde. neben dem galenit noch quarznadeln und rosa fluopreszierende calcite. die braunen kristalle kann ich nicht so recht zuordnen.


Offline caliastos

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 1.569
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #54 am: 17 Oct 08, 18:29 »
noch ein etwas anderer blickwinkel

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #55 am: 18 Oct 08, 03:42 »
Mich faszinieren die ausgeprägten treppenartigen Strukturen auf den Ätzungsflächen. Ich würde meinen - ohne es selber ausprobiert zu haben - das sich sowas nicht so ohne weiteres bildet, daher mein Interesse an dem Verfahren. Mag natürlich auch sein, das bei dem angewendeten Verfahren diese Treppen typisch sind, vielleicht auch für Bleiglanz. So aus dem Stand hätte ich eher glattere Aushöhlungen erwartet. Die Treppen deuten in meinen Augen auf einen schon recht selektiven Abbau der einzelnen Gitterebenen hin und dazu sollte die Konzentration des Ätzmittels nicht allzu hoch sein, da sonst die Selektivität verloren geht. Bei caliastos's Beispielstufe sieht man diese Treppenstrukturen nicht, oder sie sind nicht so deutlich.

P.S.: Was mir grade auch noch aufgefallen ist: Der Fälscher muß ja fast jeden Kristall einzeln geätzt haben, da ja alle sauber von allen Seiten angeätzt sind. D.h. erstmal einen Kristall auf einer Seite ätzen (was sonst wie lange dauert), dann drehen und die nächste Fläche ätzen usw., dann den nächsten Kristall und so weiter etc. pp. - was für eine Aufwand, da ist der Preis ja doch fast schon wieder gerechtfertigt. Vielleicht nicht für eine Mineralstufe, aber vielleicht als "Kunst"  :P
« Letzte Änderung: 18 Oct 08, 03:46 von cmd.powell »

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #56 am: 18 Oct 08, 16:36 »
Der Fälscher muß ja fast jeden Kristall einzeln geätzt haben, da ja alle sauber von allen Seiten angeätzt sind. D.h. erstmal einen Kristall auf einer Seite ätzen (was sonst wie lange dauert), dann drehen und die nächste Fläche ätzen usw., dann den nächsten Kristall und so weiter etc. pp. - was für eine Aufwand, da ist der Preis ja doch fast schon wieder gerechtfertigt. Vielleicht nicht für eine Mineralstufe, aber vielleicht als "Kunst" 

Hallo Markus (und caliastos)

das ist alles garnicht so aufwendig, wie mir erklärt wurde.

*1. Jeder Kristall wird angebohrt. Nehmen wir an, Du hast 20 Kristalle auf ner Stufe x 5 max. freiliegenden Flächen = 100 Flächen. Das Anbohren dauert pro Fläche ne gute Minute, d.h., der Fälscher arbeitet an die 2-3 Stunden und bohrt erstmal. Die Anbohrstellen, d.h. konkave "Halblöcher" verhindern, dass die Säure auf der sonst glatten Kristallfläche abläuft. Diese Stellen verhelfen aber auch dazu, dass die Ätzränder glatt zurückbleiben und dass sämtliche Bohrspuren verschwinden.

*2. Dann wird mit einer Mikropipette Salpetersäure (max 0,1 - 0,2 ml)  in jede angebohrte Stelle getropft, dauert ca 4 x 1 Stunde Arbeitszeit, da die Stufe ja gedreht werden muss, bevor eine neue Ebene angeätzt wird.

*3. Je nach Vorstellung sind die Ätztiefen verschieden, von leicht angeätzt bis zu kompletten Löchern im Kristall - und das auf 5 Flächen.

*4. Jede angeätzte Ebene bleibt 24 Stunden stehen, bevor die nächste Ebene drankommt. Das ist keine Arbeit, die Ätzung geschieht von alleine.

*5. Ich schätze, dass pro Stufe ein direkter Gesamtarbeitsaufwand von etwa 6-8 Stunden besteht. Bei einem Verkaufspreis des Fälschers von 200 bis 500 Euro bedeutet dies einen Verdienst von 33.- bis 62 Euro die Stunde.  Für ein Land wie Bulgarien mit durchschnittlichen Stundenlöhnen eines Arbeiters von 1,50 bis 4 Euro kein schlechter Verdienst - meint Ihr nicht auch ?  Stellt der Fälscher jeden Tag eine Stufe her, verdient er im Schnitt 5.000 bis 6.000 Euro im Monat. Na ja, besser als Harz IV.

Da ich nie solche Kunstwerke hergestellt habe, weiß ich auch nicht, welche Konzentration die Salpetersäure hat und wie lange sie auf der Kristallfläche verbleiben muß - das dürften alles Erfahrungswerte sein, die mir unbekannt sind..
Ich vermute, der Haupttrick ist das Bohren; die Säure selbst ist nur Glättungsmittel für die Ränder, bzw. Camouflage.

Gruß
collector

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #57 am: 18 Oct 08, 19:33 »
Hallo,

so eine ähnliche Technik gibt es für Dünnschliffe. Mit der Bürette wird langsam immer auf eine stelel getropft, bis das Loch da ist.

MfG

Frank

Offline cmd.powell

  • ******
  • Beiträge: 1.356
  • Calcit vom Winterberg, Harz
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #58 am: 21 Oct 08, 03:31 »
@Collector: Tja, oder so. Man muß nur die richtigen Einfälle haben. 60 € sind auch für Deutschland ein respektabler Stundenlohn und ein vielfaches von dem, was ich derzeit pro Stunde verdiene - ich hab da ja noch den ollen Bohrständer in meinem Arbeitraum... *lol*

Offline joachimotto

  • ***
  • Beiträge: 154
Re: Echt oder gefälscht ?
« Antwort #59 am: 21 Oct 08, 20:02 »
Na ich hätt jetzt auch nicht gedacht das man sowas fälschen kann! Aber wenn man die richtigen Einfälle hat...
Würd mich mal interressieren was da sonst noch so an Fälschungen auf dem markt ist. Ich denke das das was da im Lexikon aufgezählt wird nur die Spitze des Eisbergs ist.
Hat wer ne Ahnung ob die schönen Vanadinite aus Marokko tatsächlich aus Marokko sind, oder nicht vielleicht aus nem Labor (vielleicht nem marokkanischem) kommen? Die sehen alle so gleich aus, und JEDER Mineralienhändler hat ein paar Kisten davon. Da müssen ja ein paar hundert LKW Ladungen von dem Zeug aus dem Bergwerk gekommen sein...