Der Fälscher muß ja fast jeden Kristall einzeln geätzt haben, da ja alle sauber von allen Seiten angeätzt sind. D.h. erstmal einen Kristall auf einer Seite ätzen (was sonst wie lange dauert), dann drehen und die nächste Fläche ätzen usw., dann den nächsten Kristall und so weiter etc. pp. - was für eine Aufwand, da ist der Preis ja doch fast schon wieder gerechtfertigt. Vielleicht nicht für eine Mineralstufe, aber vielleicht als "Kunst"
Hallo Markus (und caliastos)
das ist alles garnicht so aufwendig, wie mir erklärt wurde.
*1. Jeder Kristall wird angebohrt. Nehmen wir an, Du hast 20 Kristalle auf ner Stufe x 5 max. freiliegenden Flächen = 100 Flächen. Das Anbohren dauert pro Fläche ne gute Minute, d.h., der Fälscher arbeitet an die 2-3 Stunden und bohrt erstmal. Die Anbohrstellen, d.h. konkave "Halblöcher" verhindern, dass die Säure auf der sonst glatten Kristallfläche abläuft. Diese Stellen verhelfen aber auch dazu, dass die Ätzränder glatt zurückbleiben und dass sämtliche Bohrspuren verschwinden.
*2. Dann wird mit einer Mikropipette Salpetersäure (max 0,1 - 0,2 ml) in jede angebohrte Stelle getropft, dauert ca 4 x 1 Stunde Arbeitszeit, da die Stufe ja gedreht werden muss, bevor eine neue Ebene angeätzt wird.
*3. Je nach Vorstellung sind die Ätztiefen verschieden, von leicht angeätzt bis zu kompletten Löchern im Kristall - und das auf 5 Flächen.
*4. Jede angeätzte Ebene bleibt 24 Stunden stehen, bevor die nächste Ebene drankommt. Das ist keine Arbeit, die Ätzung geschieht von alleine.
*5. Ich schätze, dass pro Stufe ein direkter Gesamtarbeitsaufwand von etwa 6-8 Stunden besteht. Bei einem Verkaufspreis des Fälschers von 200 bis 500 Euro bedeutet dies einen Verdienst von 33.- bis 62 Euro die Stunde. Für ein Land wie Bulgarien mit durchschnittlichen Stundenlöhnen eines Arbeiters von 1,50 bis 4 Euro kein schlechter Verdienst - meint Ihr nicht auch ? Stellt der Fälscher jeden Tag eine Stufe her, verdient er im Schnitt 5.000 bis 6.000 Euro im Monat. Na ja, besser als Harz IV.
Da ich nie solche Kunstwerke hergestellt habe, weiß ich auch nicht, welche Konzentration die Salpetersäure hat und wie lange sie auf der Kristallfläche verbleiben muß - das dürften alles Erfahrungswerte sein, die mir unbekannt sind..
Ich vermute, der Haupttrick ist das Bohren; die Säure selbst ist nur Glättungsmittel für die Ränder, bzw. Camouflage.
Gruß
collector