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Autor Thema: Mansfeld-Experten gefragt  (Gelesen 4959 mal)

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Offline uwe

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Mansfeld-Experten gefragt
« am: 27 Jul 09, 19:05 »
Ich habe neulich eine Kiste Minerale aus Pöhla und Hartenstein (ohne Zettel  :'( )erstanden, Darin befanden sich neben einem unbedeutenden Stück Kupferschiefer auch eine nette Gips-Stufe sowie ein Belegstück, bei welchem Pyrit mit Zinnober durchsetzt ist. Der ursprüngliche Besitzer soll angeblich aus dem Mansfelder raum stammen und später in Hartenstein und Pöhla gearbeitet haben.

Da ich ein Fundort-Junkie bin, sind diese Stücke für mich im Moment wertlos. Aber möglicherweise kennt ein Sammler aus der betreffenden gegend ähnlich Stücke und kann mir den Fundort annähernd bestimmen. Der Gips ist durch Kupferionen grün gefärbt. winzige sekundäre Kupfermineral-Reste befinden sich vereinzelt auf den Kristalle.

Ich füge mal die Bilder an.

Gruß
Uwe

Offline thdun5

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Re:Mansfeld-Experten gefragt
« Antwort #1 am: 28 Jul 09, 15:04 »
Hallo,

aus dem Mansfelder-Sangerhäuser Revier stammt dieses Stück mit ziemlicher Sicherheit.
Gipsstufen aus dieser Region stammen aus Hohlräumen, auch Schlotte genannt, im Zechsteinsalinar im Hagenden des Kupferschieferflözes. Teilweise auch aus eingetrockneten Laugenteichen der Grubenbauten (dann häufig mit eingelagerten Cu-Ionen).

Vom Thomas Müntzer Schacht bei Sangerhausen sind sehr viele Gipsstufen mit langen klaren, gelb-braunen oder schwarze (durch Bitumen) Kristallen herausgekommen.
Da ich nicht der Mansfeldexperte bin, ist der Fundort nur eine Vermutung.

Gruß
Daniel

Offline smoeller

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Re:Mansfeld-Experten gefragt
« Antwort #2 am: 28 Jul 09, 15:20 »
Hallo,

Das 2. ist wohl eher Cuprit. Cinnabarit ist meines Wissens in den neuen Bundesländern auf Calcit vom Flechtinger Höhenzug, von Ronneburg, Zwickau-Bockwa und Hartenstein bekannt. Das Begleitmineral könnte auch Chalkopyrit sein. Solche Erze sind von Hettstedt bekannt (sog. Sanderz), wo das Flöz zu Tage ausbeißt. Ähnliche Cuprite kenne ich von der Grube Clara (Schwarzwald). Passt einfach besser zu der Paragenese in Mansfeld.

Glück Auf!
Smoeler

Offline Kupperdroll

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uelle
« Antwort #3 am: 28 Jul 09, 19:24 »
Glück Auf,Uwe!
Also: einfach wird es nicht,wenn Du so auf Fundorte aus bist.
Foto 1: Foto 1 ist mit Sicherheit Gips,aber nicht aus einer Schlotte!!Von Untertage auf alle Fälle!Welcher Stollen oder welches Bergwerk ist nicht zu ermitteln,da überall aus Wässern sich Gipse auscheiden können,welche dann aber nicht die Reinheit der Schlottengipse haben und hatten.
Foto 2:Hier ist es noch schwieriger.Was ist hier zu sehen??Also: Cuprit auf einem Erz ist sehr selten und nur aus der oberflächennahen Oxidationszone mit ged. Kupfer auf Calcit bekannt (Veltheim 1827).1997 wurden auf einer Halde(Walter-Schneider-Schacht)bei Helbra von JAHN & WITZKE winzige(0,2mm) Kristalle von Cuprit neben Gips,Malachit und Linarit identifiziert.Pyrit kam auch vor,aber Zinnober hat niemand gefunden bzw. beschrieben.Aber  ZITAT: "Vom Bernhard-Koenen-Schacht 2 als feinkörni-pulveriges 'Ziegelerz' zusammen mit Pyrit und Calcit"(Aus Mineralien-Welt Heft 4/2000 Der Kupferschieferbergbau bei Eisleben,Mansfeld und Sangerhausen und seine Mineralien Teil 2).Für mich sieht es aber auch nicht wie ein Sanderz [http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Sanderz] aus sondern wie ein Stück Schlacke.
Wie kommst Du auf Zinnober?
Du kannst mir gerne ,falls vorhanden,mal mehr Bilder,vielleicht mit Details,zu senden.
Eine andere Quelle ist : Witzke/Siemroth:"Die Minerale des Mansfelder Kupferschiefers" erschienen beim Mansfeld-Museum Schriftenreihe Neue Folge Nr. 4
Achso: Optisch scheint es auch kein sog. "Lettenerz" zu sein.Worde auch in der oxidationszone in Oberflächennähe gefunden.Bedeutender Abbau fand bei Gerbstedt statt(18.Jhd.)

Sollte jemand einen Irrtum in meiner Darstellung bemerken,Bitte ich um Information.

Ich hoffe geholfen zu haben.


Offline uwe

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Re:Mansfeld-Experten gefragt
« Antwort #4 am: 31 Jul 09, 15:48 »
Erst mal vielen Dank für Eure Hinweise. Ich war bis eben einige Zeit vom Internet getrennt.

Hinsichtlich des Gipses denke ich auch an einen Absetzteich. Die Matrix besteht aus einem leicht grünlich (mit Cu-Ionen dotierten ?), sandigen Sediment in welchem sich auch wenige kleine Fasern befinden. Gibts da irgendwo so einen Absetzteich, in welchem Abwässer aus Grubenbauen oder der Aufbereitung geklärt wurden? Ich kenne mich da absolut nicht aus. Da das Stüfchen aber ganz nett aussieht, werde ich mal weiter rechergieren.

Die Frage, wie ich auf Cinnabarit komme kann ich wie folgt beantworten: Ich habe von einem Sammler eine Stiege mit Mineralen gekauft, die dieser von einem Kollegen (Bergmann) in Kommission genommen hatte. Neben 7 guten Stufen enthielt die Kiste einige weniger spektakuläre Stücke und auch noch einigen Ramsch. Die Stücke waren alle etwas arg verstaubt. Mir wurde gesagt, das auf einem Stück Quecksilber (?) sei. Nach dem ich alle Stücke gereinigt hatte stellte ich fest, das der Edelstahl der Ultraschallwanne unter dem betreffenden Stück starke Anlauffarben zeigte (und noch zeigt). Ich nehme deshalb an, daß doch irgendwie Spuren von Quecksilber im Spiel waren, die mit dem Metall der Wanne reagiert haben. Außerdem zeigte das Stück trotz offensichtlich langer Lagerung auch nicht die kleinsten Spuren eines grünlichen Belages, welcher bei Cuprit eigentlich zu erwarten ist.  Auch sieht die Farbe in der Nuance nicht wie Cuprit sondern wie der Zinnober meiner Stufe aus Hartenstein aus - das läßt sich leider auf dem Foto nicht so darstellen. Das Stück wies einen schwarzen amorphen Belag auf, welcher wohl auch für Cinnabarit spricht.

Der o.g. Bergmann stammt aus dem Mansfeldischen und hat in Pöhla und Schlema/Hartenstein gearbeitet. Natürlich kann das Stück auch aus Hartenstein sein, obwohl dort die Paragense des Cinnabarit total anders ist. Letztendlich kann das Stück ber auch von sonstwoher stammen, denn im Ramsch waren auch Stücke, welche nicht aus Mitteldeutschland kommen. Schlacke ist es definitiv nicht, sondern eher eine Brekzie.

Gruß
Uwe

Offline uwe

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Re:Mansfeld-Experten gefragt
« Antwort #5 am: 01 Aug 09, 11:27 »
Nach einem Test kann ich behaupten, das Stück enthält definitiv kein Kupfer, sowohl in dem roten als auch in dem bronzefarbenen Mineral. Es ist m.E. also tatsächlich Cinnabarit in einer Berkezie mit (vermutl.) Markasit. Soviel Cinnabaritfundstellen gibt es ja in Deutschland nicht. Es sollte sich bei dieser Paragenese die Fundstelle bestimmen lassen.

Uwe

 

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