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Autor Thema: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung  (Gelesen 41380 mal)

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Offline Fritzi

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Hallo,

wie schon in der Überschrift zum Thema zu sehen, würden mich die zerstörungsfreien Methoden zur Mineralbestimmung interessieren, da nicht immer genug Substanz für zerstörende Bestimmungsverfahren vorhanden ist.
Oder anders gesagt, was nützt einem das, wenn man sicher weiß, was man gefunden hat, nur der Fund ist unwiederbringlich verloren, da für die Bestimmung verbraucht.

Beste Grüße
Fritzi

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #1 am: 19 Dec 10, 23:15 »
- Raman-Spektroskopie (manchmal brennt der Laser je nach Einstellung in dunkle Minerale ein Loch rein, aber das sieht man mit blossen Auge praktisch nicht)
- moderne Nieder-Vakuum-REM-Geräte (unbedampftes MM auf Kitt, rein ins Gerät, analysieren, wieder raus)

Die meisten zerstörenden Methoden funktionieren aber heutzutage mit Minimalmengen.

Offline alfredo

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #2 am: 20 Dec 10, 03:21 »
Hat mann mindestens 2mg ziemlich reines Material vorhanden, ist das spezifische Gewicht ziemlich einfach zu messen mit Berman Balance. Ein Mineraloge schafft dies auch mit noch kleinerer Koerner. Es zerstoert das Stueck ueberhaupt nicht.

Offline Krizu

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #3 am: 20 Dec 10, 11:26 »
Meinst du bezahlbare Methoden oder alle? :-)

Das Loch der Laserablation zur Massenspekroskopie dürftest du nicht sehen. Neutronenaktivierung ist etwas pfui, weil du so lange warten musst, bis die Probe wieder "kalt"=nicht strahlend ist. Mit XPS bekommt die die Zusammensetzung der Oberfläche bzw. der ersten nm. IR-Mikroskopie im Nahfeld kann auch schön sein.

Aber die wichtigen Punkte sind meiner Meinung nach von Uwe genannt worden.

Mfg

Frank


Offline Fritzi

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #4 am: 20 Dec 10, 13:35 »
Hallo,

ich meine die bezahlbaren Methoden. Aber noch etwas mehr darüber zu erfahren, kann auch nicht schaden.

BG
Fritzi



Offline cmd.powell

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #5 am: 21 Dec 10, 04:43 »
Naja, da gibt es noch das gute alte Stereomikroskop - damit kann man sich zerstörungsfrei die Kristallform, den Habitus, die Paragenese etc. anschaun und kommt so gegebenenfalls zu brauchbaren Ergebnissen. Und natürlich Literatur wälzen. Letztlich muß man das bei den "teueren" Methoden ja auch machen, auch wenn man bei denen noch deutlich mehr Daten erhält und so die Eingrenzung des fraglichen Minerals leichter fällt. Allerdings ist auch ein REM mit EDS kein Garant für zweifelsfreie Mineralbestimmung. Und sogar Röntgenmethoden müssen nicht immer eindeutig sein, was allerdings eher selten der Fall ist.
« Letzte Änderung: 21 Dec 10, 15:49 von cmd.powell »

Offline doe

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #6 am: 21 Dec 10, 08:10 »
Hi Fritzi,
hab da von einem französischem "Fotoidentifizierungsverfahren für Mineralfotografien" gelesen.Keine Ahnung wie,aber scheint zu funktionieren.Einige Beispiele nachzulesen bei :-Sucherforum-Goldsuche-Goldgräber-Schwerminerale & Co-
Gruß Günter

Offline Bergbaumaulwurf

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #7 am: 21 Dec 10, 21:05 »
Glück Auf!
Bietet da nicht der Atlas einen reichen Vergleichsfundus?
Ich sammele Erzgebirge und zur Zeit viel den Abraham Marienberg/ Lauta. Klar vieles ist erst mal auch Bino!
Aber da greift mal auf den Abraham zurück und den von anderen Sammlern gemachten Fotos. Da lässt sich schon oft einiges klären. Oft gibt es gutes Buchmaterial mit schönen Fotos! Siehe Walter Hajek" Kristallwelten Marienberg" zum Sensasionspreis von nur 14,99, mit Top Hochglanzfotos!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
So gehe ich eigentlich vor. Dann kann man ja auch Fotos in den Atlas setzen und irgendeiner weis immer Bescheid!
Bergbaumaulwurf

Offline Fritzi

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #8 am: 21 Dec 10, 21:45 »
Hallo,

ja, ein Stereomikroskop habe ich und ich benutzte es viel - hat aber eben auch seine Grenzen. Mit meiner Kamera aufnehmen, daß habe ich probiert, auf dem besten Bildern sehe ich ein paar Reflexe, aber sonst ist alles unscharf.

BG
Fritzi

Offline Jochen1Knochen

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  • In meinem Brunnen ist ein Quarzgang
Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #9 am: 21 Dec 10, 22:08 »
Hallo Fritzi!
Um welche Funde geht es denn?Du solltest eben einmal im Herbst nach München zur Messe kommen.Da gibt es den Bestimmungsstand.Du kannst deine zweifelhaften Stücke ja auch jemanden mitgegen der da runter fährt.Ansonsten kannst du Kontakt zum LAPIS Verlag aufnehmen-dort wird auch sehr gern geholfen.Die haben auch die Beziehungen zur erforderlichen Technik und wenn du etwas Besonderes hast und einen Artikel schreibst bekommst du was raus!
Gruß Jens

Offline Fritzi

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #10 am: 21 Dec 10, 22:32 »
Hallo,

also die Frage nach zerstörungsfreien Bestimmungsmethoden interessiert mich schon eine ganze Weile, denn über die Jahre Selbersuchen sammeln sich die MMs. Nicht alles ist relativ eindeutig bestimmbar und muß dann mit 'nem Fragezeichen versehen werden.

Gegenwärtig habe ich das Problem Malachit von Brochantit zu unterscheiden. Das Stück stammt von einer Fundstelle bei Freital (bei Dresden). Eine Quelle (Artikel in Mineralienwelt) nennt nur Brochantit, ich kenne jetzt aber noch eine weitere Quelle, die Malachit und Brochantit angibt. Beide Minerale ähneln sich sehr. Die Kristalle, wenn überhaupt vorhanden, sind winzigst.

BG
Fritzi

Offline Fritzi

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #11 am: 24 Dec 10, 22:00 »
Hallo,

was mich nun noch interessieren würde: wieviel muß man für die bezahlbaren (quasi) zerstörungsfreien Methoden ca. berappen?

BG
Fritzi

Offline Fritzi

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #12 am: 02 Jan 11, 00:43 »
Hallo,

ich möchte mich für alle auf meine Frage gegebenen Antworten bedanken.

Außerdem will ich nochmal die Frage stellen: Wieviel müßte ich für eine Untersuchung bezahlen? (cirka, muß ja nicht centgenau sein)

Ich wünsche allen ein steinreiches Jahr 2011
und
viele Grüße
Fritzi

Offline Krizu

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #13 am: 02 Jan 11, 12:00 »
Hallo,

Das ist immer schwer zu sagen. Bei Strahlen.org gab es ( >:D leider ist die Seite jetzt voll tot  >:D ) eine Übersicht.

Ich habe einmal für einen Bekannten hier im Forum einen Kristall untersucht, durfte auch nicht bedampft werden etc. WAr ein Erstfund für das Land :-) Ich habe knapp drei Stunden gesucht um das Mistding richtig zu orientieren und zu finden. Im Rem sieht alles anders aus. Wenn du jetzt einmal einen Stundenlohn von nur 60€ (Operator + Gerät annimmst): Mahlzeit.

Dann kamen einige Stücke, es durfen kleine Stücke präpariert werden (Haaresbreite an Durchmesser reicht). 7 Stk in 30min.

Dann gab es hier eine Diskussion zu Naturdiamanten, die habe ich per Raman untersucht. Diamant ist einfach zu erkennen, der hat nur eine Linie :-). 20 s pro PRobe + Suchen unterm Mik = 10Stk in 20min. 8x Diamant, 1x Monazit mit Fluoreszenz und ein Quarz. Das Suche nder letzten Beiden dauerte länger als die Analyse.

Also Preise sind schwer zu nennen. Frage einmal die bekannten Analysen-Spezies hier im Forum. Nein - die Möglichkeiten habe ich nicht mehr  :'(

MfG

Frank


Offline smoeller

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Re: Zerstörungsfreie Methoden zur Mineralbestimmung
« Antwort #14 am: 02 Jan 11, 14:20 »
Hallo,

Über Preise zu reden, ist immer schwierig. Das wechselt von Anbieter zu Anbieter und mit der Methode. 20-50 Euro pro Probe kommen da schnell zusammen. Wie Krizu schon schrieb, spielt auch der zeitliche Aufwand eine Rolle.

Am günstigsten ist in der Regel die Röntgendiffraktometrie (leider nicht zerstörungsfrei, wenn du mit Mineral-Pulver arbeitest). Da kommst du mit ca. 20 Euro hin, dauert etwa eine Stunde mit Vorbereitung (die Geschwindigkeit der Messung bestimmt letztlich die Qualität der Messergebnisse). Ein Tag an der Mikrosonde kostet hingegen etwa 200 Euro (Richtwert an der Uni Kiel), da brauchst du dann aber auch noch Schliffe/Präparate (kosten so an die 20-25 Euro das Stück). Mehr als 10 Proben am Tag ist schwierig, mit Probenwechsel, Vakuum und allem. Messung und Auswertung erfordern einen Fachmann.

ICPMS (Massenspektrometrie) kostet inkl. Probenvorbereitung etwa 50 Euro/Probe. Danach weisst du selbst bei geringsten Mengen, was drin ist. Ist aber auch nicht zerstörungsfrei.

Bislang konnte ich einen Großteil der Analysen an der Uni machen bzw. machen lassen.

@Fritzi: Wende dich mal an die Mineralogie an der TU Freiberg. Insbesondere der Herr Dr. Kleeberg und der Herr Massanek (Mineralogische Sammlung der TU) können dir da sicher weiterhelfen. Beide haben mir während meiner Zeit in Freiberg immer gern geholfen.

Glück Auf!
Smoeller