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Giftigkeit verschiedener Mineralien
Fabian99:
Hallo,
meine Meinung und auch Handlungsweise:
- sauberes Arbeiten ist das A und O. Daher werden nach den Handhaben von Mineralien mit Schwermetallen, die Hände gewaschen.
- Das Aufnehmen in den Körper, z.B. von Stäuben bein bearbeiten, vermeide ich, ggf durch eine Maske P3
- Wen es beruhigt, der kann Einweg-Handschuhe beim Hantieren mit den üblichen Verdächtigen; tragen, würde ich auf jeden Fall bei löslichen Arsenverbindungen, oder schon dem Verdacht.
- Radioaktive Mineralien sind gekennzeichnet und in verschlossenen Dosen untergebracht (zwei-Hände-Prinzio: kann nicht aus versehen sondern nur mit Absicht geöffnet werden)
- Was häufiger vergessen wird, ist die Schutzbrille beim Schlagen auf Stein!
Zur Giftigkeit:
Der giftige Stoff, meist ein Element, muss in einer körperverfügbaren Form da sein. Also muss eine Möglichkeit bestehen, dass entweder in Lösung zu bringen, sei es mit Wasser oder Säure (Magensäure), oder durch Hautkontakt oder über die Schleimhäute. Bleisulfat ist als schwerlöslicher Stoff unkritischer als Bleicarbonat (Löslich) als Blei-Tetra-Ethyl (geht durch Haut und Handschuhe direkt ins Blut und tötet). Ähnlich ist BaSO4 und BaCO3 - das lösliche ist giftig und as unlösliche ein Kontrastmittel beim Röntgen.
Zum Erythrin: Das ist ein Kobalt-Arsenat. Arsenate sind meines Wissens in HCl ohne Aufschäumen löslich. Kobalt ist in Dauergaben carzinogen. Daher gibt es im Labor kein Blaugel mehr. Aber auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift - und es muss in den Körper...
LG
Lynx:
Hallo zusammen,
jetzt muss ich doch nochmal etwas loswerden.
Giftigkeit eines Stoffes und Gefährdung durch (den Umgang mit) einen (einem) Stoffsind zwei unterschiedliche Dinge.
Dazu ein Beispiel:
Giftigkeit:
Ja, Blei(II)-Carbonat (=Cerussit) ist giftig, und das ist auch gut untersucht! Siehe hier:
http://gestis.itrust.de/nxt/gateway.dll/gestis_de/000000.xml?f=templates&fn=default.htm&vid=gestisdeu:sdbdeu
und dann unter Blei(II)-carbonat weitersuchen.
Gefährdung:
Eine Gefährdung entsteht durch die Aufnahme des Stoffes (wie auch Fabian schon geschrieben hat), das setzt eine Exposition voraus. Dazu gehören ein Umgang mit dem Stoff und ein Aufnahmeweg.
Zum Aufnahmeweg im Fall von Cerussit steht in dem oben genannten Datenblatt:
"Der Hauptaufnahmeweg für Blei(II)-carbonat (PbCO3) verläuft über den Atemtrakt.[07656]"
und weiter unten:
"Die Resorption über die intakte Haut wird als minimal und arbeitsmedizinisch nicht relevant eingeschätzt.[00083]"
Das heisst, dass von einer blossen Berührung soweit keine Gefahr ausgehen sollte, wenn aber Stäube im Spiel sind, schon.
Damit sind wir beim Kernproblem von Ratschlägen hier im Lexikon, was Gefährdung angeht:
Hier im Forum wissen wir nicht, was genau für Material (beim Fragesteller, stummen Mitleser, interessiertem Gast) vorliegt und wie genau der Umgang damit aussieht, ob Sicherheitsmassnahmen umgesetzt werden und wie diese aussehen. Wir wissen nicht, ob ggf. weitere, ansonsten unbeteiligte, Personen betroffen sein könnten.
Erze rösten (Beitrag vor kurzem)? Mineralien reinigen ? Schleifen/sägen/polieren; zu Hause am Küchentisch mit den Kindern? Auf einer Messe vor Publikum?
Deshalb:
Ja, die genannten Mineralien sind giftig.
Ob davon für den Fragesteller eine Gefährdung ausgeht, können - besser: dürfen(!) - wir nicht beurteilen, weil wir den Umgang nicht kennen!
Die von mir oben genannte GESTIS-Stoffdatenbak hat zur Grundlage, dass Leute berufsbedingt (mich eingechlossen) den Stoffen ausgesetzt sind, beispielsweise im Abbau, Verarbeitung oder chemischen Betrieben. Dazu muss ein "sachgemäßer Umgang" definiert werden. Der schlägt sich dann in diesen Datenblättern nieder. Wer also mit seinen Mineralien jenseits des Betrachtens etwas machen möchte, dem empfehle ich: lest die zugehörige Beschreibung in der GESTIS-Stoffdatenbak durch. Wie beim Beispiel Cerussit klärt sich dann nämlich, was der Begriff "giftig" meint, und welche Art des "sachgemäßen Umgangs" inklusive persönlichem Schutz sich daraus ergibt.
Manche Mineralien finden sich explizit, bei anderen muss man evtl. über Umwege (Erythrin z.B. via "Kobaltverbindungen") suchen.
Was Fabian schon gesagt hat "die Dosis macht das Gift" - wenn die Datenblätter vernünftig gemacht sind, lassen sich Dosis-Werte ablesen. Dann kann man besser einschätzen, ob bei der konkreten Erythrin-Stufe eher der Co oder der As-Anteil das Problem sind - voarausgesetzt, ich habe einen Umgang der eine relevante Exposition mit zugehörigem Aufnahmeweg möglich macht...
Und zu:
--- Zitat von: harzgeist am 25 Feb 19, 18:15 ---Das gängigste wirklich giftige Mineral, das auch in vielen Sammlungen anzutreffen ist, dürfte wohl Erythrin sein.
--- Ende Zitat ---
Ich kann mich an Phonolith von Aris-Steinbruch/Namibia mit Villiaumit (NaF) erinneren , der beim Knacken noch gehörige Mengen an Lösung in Hohlräumen aufwies. Ich habe aufgepasst, hatte Handschuhe an, und habe mir nicht die Augen gerieben...
Ja, doch, es gibt außer den recht augenfälligen Arsenaten durchaus auch andere interessante Fälle.
Deshalb (vorallem für all jene, die nur mitlesen): informiert Euch und macht keinen Unfug!
Gruß, Martin
jürgen lange:
Hallo Zusammen,
Martins Vorschlag GESTIS ist die Methode der Wahl.
Gerne kann man auch den "chemischen Stoffnamen" zusammen mit dem Wort "Sicherheitsdatenblatt" oder "Stoffdatenblatt" googeln.
In GESTIS findet man keine Angaben für Bariumsulfat, während das Sicherheitsdatenblatt/Stoffdatenblatt Auskünfte gibt.
Man sollte sich auch der unterschiedlichen Begrifflichkeiten akut toxisch, Reproduktionstoxisch, Mutagen, aquatoxisch .... mal zu Bewusstsein führen. Schaut Euch das in GESTIS mal für Blei(II)-chromat an.
Wer die o.g. Quellen zu Rate zieht, wird auch dort Hinweise zur Eigensicherung und zum Umweltschutz finden: Einatmen vermeiden, Handschuhe tragen,...
Und wenn es auch trivial sein sollte: es gibt auch Abhängigkeiten von der Korngröße. Ich habe vor faserigen Asbest keine Sorge, wenn das Zeug aber in Staubform auftritt, sollte man sich eher fernhalten. Dito stückiger Quarz vs. Quarzstaub. Übrigens bekommt man bezüglich eventueller Probleme in Sachen Nano-Partikel ein Bewusstsein.
Jürgen Lange
Lynx:
Hallo Jürgen
Danke für Deine Unterstützung!
Doch, auch Bariumsulfat (Baryt) ist in Gestis eingetragen und über die Suchfunktion zu finden.
Stoffdatenblätter werden von den Herstellern ausgestellt und können mitunter erheblich abweichen, je nach Hersteller....
Gruß, Martin
loismin:
Hallo.
Das ganz hatten wir ja schon öfter als Diskussion.
Allerdings sind hier sehr gute Aspekte aufgeführt worden wie man das für sich selbst händeln kann.
Hoffentlich kommt jetzt nicht wieder ein Dampfhammer da ungeziehlt drauf rumhaut ;D
Meine damit daß ich nicht willens bin ,zu jedem Mikromount ein Sicherheitsdatenblatt dazuzuliefern und meine Sammlung vor meinem Tod noch als Gefahrstoff entsorgen zu müssen ???
Gruß
Loismin
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