Hallo!
Tempora mutantur, die Zeiten ändern sich, und die Ausgestaltung des Sammlerhobbys auch. Es gibt nicht mehr die Aufschlüsse, die vor 100 Jahren, als das Hobby in die Bürgerschicht einzog, berühmt waren, und auch die Preise sind nicht mehr dieselben wie damals, weil sich die ganze Welt gewandelt hat. Für den Sammler als Individuum bedeutet das: Es ist recht müßig, darüber zu diskutieren, warum eine Stufe heute ein Mehrfaches dessen kostet, was sie vor 20, 30 Jahren gekostet hätte. Primär ist das nun mal so, und solange es Sammler (und solche, die sich dafür halten möchten) gibt, die bereit sind, den Geldbeutel weit genug aufzumachen, wird es diese Preise auch weiterhin geben.
Die logische Konsequenz: Man ändert sich mit den Zeiten. Gegen sie anzuschimpfen, hilft kaum. Man lässt sein, was man sich nicht leisten will oder kann - Selbersammeln statt Brieftaschensammeln.
Wenn ich finanziell könnte wie ich wollte, dann würde es in meiner Sammlung auch ein wenig anders aussehen - vor allem, weil ich mir dann das Reisen zu und das Selbersammeln in Fundstellen erlauben könnte, von denen ich mir heute nicht einmal ein gutes Stück auf einer Börse leisten kann.
Da sich das nicht mit der Realität vereinbaren lässt, wird eben in der eigenen Region und im Urlaub selbst gesammelt. Das macht doch eigentlich genauso viel Spaß? Da das ganze nur ein Hobby ist, muss dessen Ausgestaltung sich an meinen Möglichkeiten orientieren, und nicht die Möglichkeiten an meinen Ausgestaltungswünschen.
Natürlich, wenn ich sehe, dass an sich recht häufiges Material mit irgendwelchen Kunstgriffen oder halbseidenen Behauptungen zu teuren Raritäten hochgejubelt wird, dann schüttele ich auch schon mal den Kopf. Solange es aber Kunden gibt, die den Preis für die vermeintliche Rarität zu zahlen bereit sind, wird sich der Händler garantiert nicht dafür hergeben, sie anderen Interessenten billiger zu verkaufen, nur weil diese nicht so viel bezahlen können. Das ganze nennt sich Marktwirtschaft, und irgendwie hängen wir da alle mit drin, ob wir wollen oder nicht. Die einzige Möglichkeit, sich dem zu entziehen, ist Konsumverweigerung. Und im Bereich Hobby funktioniert das wenigstens noch besser als im Alltag...
My 2 cents...
Gruß,
Rainer