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Autor Thema: Pyrrhotin  (Gelesen 10808 mal)

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Offline Philip Blümner

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #15 am: 28 Mar 06, 08:39 »
Hallo Peter,

Form und Farbe sprechen für Pyrrhotin. Aber bei genauerem Betrachten sehe ich stiftförmige Auswüchse (an den Rändern der Pyrrhotin-Platten.

Wäre dann eine Epitaxie Arsenopyrit-Pyrrhotin denkbar? Magnetismus liegt vor, aber mehr an den Platten als an den orientierten Kristallen.

Gruß
slugslayer

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #16 am: 28 Mar 06, 11:11 »
Hallo Philip

jjjjein ....

Form und Farbe : Gerade die Form der Gitter spricht nicht für Pyrrhotin ! Deshalb ja meine detaillierte Ausführung.
Und Farbe: Ich habe nicht selten messinggelb angelaufene bis zu mattgrau-bräunliche Arsenopyrite gesehen.
Und Magnetismus an den Platten: Klar, das spricht für Pyrrhotin. Kein Magnetismus an den Kristallgittern: Spricht für Arsenopyrit.

Und Epitaxie: Wenn Du genau hinschaust, wirst Du ja sehen, ob es eine zweidimensional orientierte Verwachsung von Kristallen ist (Verwachsung ist der Oberbegriff für Parallelverwachsungen, Zwillinge und Epitaxien; bei der Epitaxie berühren sich beide Kristallarten in einer Ebene).
Epitaxie = kristallographisch orientiertes Aufwachsen;

Ist dies nicht der Fall, dann tendiere ich zu der eleganteren Lösung: Arsenopyrit auf Pyrrhotin.
Just like that ! ( neudeutsch: Arsenopyrit an Pyrrhotin  ;D)

Hinweis:
Ein Sagenitgitter auf Feldspat oder Quarz kann - wenn die Kristalle zweidimensional orientiert verwachsen sind , epitaktisch verwachsen sein - muß aber nicht.  Ich wär da vorsichtig, nur nach oberflächlichlichem Augenschein auf eine Epitaxie zu schließen , ohne die kristallographische Orientierung zu kennen. Jedoch kann man natürlich eine epitaktische Verwachsung auch nicht ausschließen.

Das einfachste ist: Gib ein paar Brösel von den Gitter-Kristallen in ein Reagenzglas, erhitze dies und riech dann dran. Leichter Knoblauchgeruch spricht für Arsen.

gruß
collector

Offline Philip Blümner

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #17 am: 28 Mar 06, 11:26 »
Also der Pseudo-FeAsS wächst direkt auf den Pyrrhotinplatten. Der Pyrrhotin hat auf der Oberfläche hexagonale Plättchen-Andeutung, und nach diesen Richtungen wachsen die gittrigen XX.

Was für ne Temperatur brauch ich für Arsenopyrit? Hab zwar Reagenzgläser en masse, aber kein Bunsenbrenner.

« Letzte Änderung: 03 Jan 15, 01:01 von slugslayer »

Offline Collector

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #18 am: 28 Mar 06, 11:58 »
Hallo Philip

1. Der Arsenopyrit zersetzt sich zwischen 420 und 675 Grad.

2. Tafelige hexagonal aussehende Plättchen sprechen für Pyrrhotin.

Bevor wir weiter suchen, beschreib doch mal die Kristallform der Kristalle, welche das Gitter bilden.
(Draufsicht, Seitenansicht und Querschnitt der Kristalle), Dann kommen wir der Sache näher.

Ferndiagnosen sind immer im Bereich des Rumtappens im Dunklen, bis man an ne Wand stößt. Ist halt besser, wenn man das Stück selber in der Hand hält oder auch close-ups der Kristalle sieht. So ein Gesamtbild ist immer schwierig zu beurteilen.

Gruß
collector

Offline Philip Blümner

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #19 am: 30 Mar 06, 13:24 »
Gut, Fotos kommen noch.

Wie bekomme ich denn den Arsenopyrit auf 420-675°C ohne Bunsenbrenner? Geht da ne Kerze auch?

Offline Philip Blümner

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Re: Pyrrhotin
« Antwort #20 am: 12 Dec 10, 00:00 »
Hallo!
Jetzt die Bilder ;D
Ich habe die Stufe zum Ablichten nochmal herausgekramt und habe so einiges, auch unterm Bino, entdeckt!
Es handelt sich also um eine Pseudomorphose von Pyrit nach Pyrrhotin. Auf den Kristallen sind zahlreiche Arsenopyrite gewachsen. Die Kristalle sind recht lang, dünn, dreiseitig und das Dreieck ist gleichschenkelig. Spricht auf jeden Fall für Arsenopyrit. In Zwischenräumen sind auch freigewachsene Kristalle erkennbar.
Auf der Stufe befindet sich noch milchiger Quarz und weiße Calcitkristalle. Mit der Kamera entdeckte ich aber noch weiteres. Bournonitkristalle! Und darauf ein leichter Besatz an Verwitterungsprodukten. Türkisgrüne Kügelchen, aber winzig klein, nur mit dem Bino erkennbar. Daneben fand ich noch weiße Nadeln. Sie reagieren auf Salzsäure, daher gehe ich von Aragonit aus (da es ein paar Sekunden gedauert hat, dass sich ein Aggregat von 1x2 mm in Salzsäure löste..vielleicht Cerussit?)
Nochwas: graue kugelige Aggregate hielt ich für angelösten Galenit, bei näherer Betrachtung sieht es aber nach Calcit (jedenfalls ein Carbonat, HCl-Test) mit feinem grauen Einschluss aus. Möglicherweise Boulangerit o.ä.?
Ganz winzig verteilt an den Säumen des Pyrits, übergehend in den Arsenopyrit rotbraune kugelige Formen. Ich nehme an Limonit o.ä., einzelne Kugeln erinnern an Siderogel.

Allenfalls eine faszinierende Stufe - einer der spannendsten der Sammlung, wie sich herausstellt.
Hier Fotos:
Kosovo/Mitrovica, Bezirk/Mitrovica e Jugut, Gemeinde/Trepča-Komplex
Pyrrhotin
Kosovo/Mitrovica, Bezirk/Mitrovica e Jugut, Gemeinde/Trepča-Komplex
Pyrrhotin
Kosovo/Mitrovica, Bezirk/Mitrovica e Jugut, Gemeinde/Trepča-Komplex
Pyrrhotin
Pyrrhotin
Kosovo/Mitrovica, Bezirk/Mitrovica e Jugut, Gemeinde/Trepča-Komplex
Pyrrhotin



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