Hallo,
Ja, die gibt es. Aber man kann ihnen in gewisser Weise keinen Vorwurf machen, auch wenn man (dazu zähle ich mich auch als Sammler) das nicht gutheißen kann.
Aber: Wenn jemand bereit ist, 200 Euro für ein Stück auszugeben und ich habe eins, das ich verkaufen möchte, werde ich das doch machen. Das ist nun einmal Marktwirtschaft (so sehr man sie auch kritisieren mag). Ich habe auch ein Kleingewerbe angemeldet, um meine Dubletten ohne Angst vor Abmahnanwälten zu verkaufen (da es dann doch wegen Sammlungsumstellung mehr wurde als ein paar wenige Stücke). Nun versuche ich natürlich auch, einen angemessenen Preis rauszuholen. Was aber ist angemessen? So viel, wie der Käufer zu zahlen bereit ist. Nicht falsch verstehen! Ich will hier nicht von Phantasiepreisen sprechen, sondern von dem, was täglich bei Onlineauktionen geboten wird. Als Verkäufer und Käufer bei einigen Online-Auktionsplattformen hat man da schon einen gewissen Überblick.
Das Problem: Solange Nachfrage besteht, wird immer einer bereit sein, 200 Euro für ein Stück hinzulegen, dass ein anderer nur für 50 oder 100 Euro kaufen würde. Das ist nicht verwerflich. Verwerflich wird das Ganze erst dann, wenn der Markt von einem Verkäufer künstlich angeheizt wird (z.B. Veröffentlichung, Gerüchte). Besonders schlimm ist es, wenn Vorkommen interessanter Mineralien illegal mit großer krimineller Energie (Sprengungen, Baggerschürfe, untergrabene Waldwege, gefällte Bäume etc.) derart ausgebeutet werden, das danach Sammelverbote erlassen werden müssen, wonach der Verkäufer die Stücke zu viel höheren Preisen absetzen kann.
Vielleicht eine Faustregel für einen angemessenen Preis für Sammler/Kleinsthändler: Was würde ich zahlen wollen, wenn ich das Stück auf der Börse sehe? Das ist dann ein einigermaßen angebrachter Preis. Voraussetzung natürlich immer: Ich muss vom Erlös nicht unbedingt leben können.
Das praktische an gut geführten Onlineauktionen (in der Theorie): Der Markt bestimmt den Preis, nicht die Gier einzelner Händler. Wer 200 Euro für ein schlechtes Stück verlangt, der wird es halt nicht los. Wer 10 Euro für ein gutes Stück haben möchte (Startpreis), der kann durchaus hohe Gebote bekommen.
Das Ganze funktioniert jedoch nur in der Theorie, wenn man annimmt, dass sowohl Verkäufer als auch Käufer einen gesunden Sachverstand mitbringen. Leider gibt es auf beiden Seiten Gier, die Preise steigen, es wird auf Stücke geboten, die das Geld nicht wert sind. Leider zählt bei einigen offensichtlich der Wert einer Stufe als Qualitätsmerkmal. Niedrigpreisigere Stücke mit derselben oder gar besserer Qualität bleiben unverkauft, weil der niedrigere Preis weniger Wert vermittelt.
Dazu kommen oft noch Käufer, die sich mit dem Fundort nicht auskennen und bereit sind, dem Verkäufer alles zu glauben. Man kann zwar nicht alle FO weltweit kennen, aber sollte man auf ein Stück zu einem (subjektiv gesehen) hohen Preis treffen, sollte man vielleicht Infos einholen. Heute in Zeiten des Internets geht das ja schnell. Würden sich die Käufer (und auch Wiederverkäufer) vorher gut informieren, stünden die Verkäufer unseriös überteuerter Stücke bald ohne Einnahmen da und würden die Börse vermutlich in Zukunft meiden. Letztlich sind sowohl der Käufer als auch der Verkäufer in der Pflicht, einem sinnlosen Wettkampf im Preisgefüge ein Ende zu bereiten.
Glück Auf!
Smoeller