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Autor Thema: Bestimmungshilfe Gesteinsglas? / Chalzedon  (Gelesen 793 mal)

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Offline Forager

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Bestimmungshilfe Gesteinsglas? / Chalzedon
« am: 11 Aug 24, 16:06 »

Hallo,

ich habe einen Stein gefunden bei dem ich zur genaueren Bestimmung um die Hilfe der Schwarmintelligenz hier im Forum bitten möchte.

Es ist ein Strandfund aus dem Geschiebe auf Usedom.

Ich hatte erst einen versteinerten und stark abgerollten Seeeigel aus Calcedon vermutet.
Allerdings hat er eher untypische Einkerbungen und einige schwarze Stellen an den Rändern.

Dann habe ich in den 2 Größten mit dem Mikroskop mir unerklärliche Strukturen entdeckt welche mich nun ratlos machen.

Ich würde ja auf Kristallisationsstrukturen tippen. Aber was ist es dann für ein Mineral?

Leider sind die Fotos mit dem Handy durch ein günstiges Taschenmikroskop gemacht und leider nicht besonders scharf. Ich hoffe aber das sie aussagekräftig genug sind.

Die Bilder auf der Lampe sind durch die Farbe der LEDs deutlich gelber als in Wirklichkeit.

Es würde mich wirklich sehr freuen wenn mir jemand etwas dazu sagen könnte!

Im Voraus vielen Dank.

Alex
« Letzte Änderung: 10 May 25, 15:28 von oliverOliver »

Online felsenmammut

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Re: Bestimmungshilfe Gesteinsglas?
« Antwort #1 am: 12 Aug 24, 08:10 »
Glück Auf!

Den Bilddarstellungen nach zu urteilen, scheint es sich um eine Chalcedonmandel zu handeln, wie sie zum Beispiel in Basalt/Diabas/Melaphyr-Gesteinen als Füllung ehemaliger Blasenhohlräume zu finden sind. Der Chalcedon ist dabei häufig nicht alleiniges Füllmaterial so eines Hohlraums. Eine Vielzahl anderer Minerale können ebenfalls darin vorkommen. Die Vielzahl an Mineralien in einem Hohlraum kann man als Paragenese zusammenfassen, wobei die Minerale in einer Paragenesabfolge zeitgleich, zeitlich überschneidend, oder nacheinander in Erscheinung treten, in Pseudomorphosen umgewandelt werden, oder auch wieder aufgelöst werden. Je nach Platzangebot und chemischen bzw. thermodynamischen Gleichgewichten bilden die Minerale  ihre idiomorphe Gestalt (Eigengestalt) oder eine xenomorphe Gestalt (Fremdgestalt) aus. Zum Schluss kommt noch die Beständigkeit gegen Verwitterung, die maßgeblich darüber bestimmt, was am gefundenen Stein noch dran ist und zu erkennen ist. Die an dem Fundstück zu beobachtenen konkaven Konturen sind Negative von Mineralbildungen, die an dem Stein nicht mehr erhalten sind. Nur die Negative weisen auf ihre einstige Anwesenheit hin. Die Negative an sich sind xenomorphe Formen das Chalcedons. Als Parageneseminerale zum Chalcedon lassen sich hier beispielhaft Karbonate, allen voran Calcit, außerdem Zeolithe und eine Reihe makroskopisch kaum Kristallformen annehmender Schichtsilikate wie Delessit oder Seladonit nennen.

Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Fund. Solche Funde sollten auf Usedom eher die Ausnahme sein und stellen somit aufhebenswerte Raritäten dar.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut
« Letzte Änderung: 12 Aug 24, 08:34 von felsenmammut »

Offline jlies

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Re: Bestimmungshilfe Gesteinsglas?
« Antwort #2 am: 12 Aug 24, 08:37 »
Hallo Felsenmammut,

kannst du auch etwas zur möglichen Ursprungsregion sagen?
Ist das wirklich ein nördliches Geschiebe, oder eventuell auch ein südliches Geröll?

Danke umd Grüße!
Jörn

Online felsenmammut

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Re: Bestimmungshilfe Gesteinsglas?
« Antwort #3 am: 13 Aug 24, 06:34 »
Glück Auf!

Ob südliches Geröll oder nördliches Geschiebe muss jemand beantworten, der sich mit den 'Mandelgesteinen' in Skandinavien intensiver befasst hat und mehr Zeit mit dem Studium zu den glazigenen und fluviatilen Transportwegen aufgewendet hat, um zu beurteilen, ob durch hinschieben und herrollen eine Chalcedonmandel es an den Fundort geschafft haben kann. Kompakte Chalcedonmandeln sind sehr verwitterungs- und transportbeständig und können über sehr weite Strecken verschleppt werden und immernoch typische Merkmale ihrer einstigen Oberfläche zeigen.

Ich kann jetzt hier noch eine ganze Menge Argumente, Indizien, Belege, Überlegungen an pro und contra für nördliche und südliche Herkunft anbringen. Es bleibt aber letztlich offen, wo die gefundene Mandel herkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Forager

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Re: Bestimmungshilfe Gesteinsglas?
« Antwort #4 am: 13 Aug 24, 10:05 »
Hallo Felsenmammut,

vielen herzlichen Dank für deine umfassenden und wirklich sehr informativen Antworten!

Mit freundlichen Grüßen,
Alex